Folie & Lack

Novum: Champagner-Flasche zeigt Temperatur an

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 28. März 2019


FRANKREICH (Paris) – Es waren die 1990er Jahre, als die Textilforschung die Kleider von morgen aus dem Labor erfand – Stoffe reagierten auf Wärme und Kälte. Die Herausforderung war, Komfort messbar zu machen – das Mikroklima zwischen Mensch und Textil sichtbar und erlebbar zu machen wurde geboren. Danach war die Entwicklung von aktiven Stoffen nicht aufzuhalten, es folgten beispielsweise die Hyper Color T-Shirts, die nach gleichem Muster, die Transpiration anzeigen und Stoffe zudem bleibend farblich verändern konnten.

Der Markt für Getränke blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Getränkekühler gibt es viele, von im Gefrierschrank gekühlten Manschetten bis zu Tonbehältnissen reichen die Produkte. Doch die hippe junge Szene wünscht sich einen unkomplizierten Umgang mit ihren Getränken und ist für Neuentwicklungen offen. In diesem Markt tummeln sich schon länger wiederverwendbare Flaschenthermometer aus Edelstahl, in Form eines Rings gestülpt über Getränkeflaschen, die anhand von farbigen Zahlen die jeweilige Temperatur des Getränks annähernd anzeigen. Eine neue wissenschaftliche Entwicklung, näher am Getränk aber nicht wiederverwendbar dafür aber genauere Temperaturen versprechend, will die gleiche Zielgruppe eher spielerisch erreichen.

Premiere beim Champagner

Es galt die Frage zu lösen: „Wie mache ich es dem Konsumenten so leicht wie möglich, die richtige Trinktemperatur zu treffen?“ – Die Antwort geben jetzt die Franzosen. Ein kleiner Winzerbetrieb aus Nordfrankreich lanciert gerade eine Champagner-Flasche, die beim Kühlen die Farbe verändert. Die mit einer Folie überzogene Flasche des Infinite-Eight-Champagners aus Ville-Dommange bei Reims ist zunächst ganz weiß. Wenn sie die richtige Trinktemperatur erreicht hat, erscheint ein Muster aus pinken Noten und Schmetterlingen.

Der Champagner soll in diesen Wochen zuerst in Japan auf den Markt kommen – man will gerade auf dem dortigen Markt die ersten Tests durchführen, weil die asiatische Seele für solche emotional angehauchten Produkte empfänglich ist, dann gegen Ende April soll der Verkauf auch in Frankreich starten. „Wir schaffen eine Premiere“, freut sich der Inhaber des Familienbetriebs, Nicolas le Tixerand. „Kein anderer Winzer in der Champagne bietet eine solche Flasche an. Mit unserer Marketing-Idee können Kunden spielerisch lernen, wann eine Flasche Champagner die richtige Trinktemperatur hat.“

Neues Marketing-Instrument ist kein Gimmick

Nach Angaben der offiziellen französischen Champagner-Website schmeckt das Getränk bei acht bis zehn Grad Celsius am besten. „Der Lack der Folie, der auf Kälte reagiert ist kein Gimmick, das ist reine Wissenschaft“, erläutert Le Tixerand. „Wir denken, dass der Konsument dankbar sein wird und hoffen neben erhöhter PR auch auf eine Akzeptanz im Markt.“

Und in der Tat wird es spannend zu beobachten sein, wie der Konsument und auch andere Produzenten darauf reagieren werden. Die Werbemöglichkeiten mittels der angezeigten Motive und die mögliche Anpassung der Motive auf der Folie an Zielkunden und Zielmärkte sind ein neues Marketing-Instrument, dass die Getränkebranche schnell übernehmen wird.

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