Explodierend Preise nähren Begierden

Weinraub im Luxushotel

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 15. November 2019


UK (Lyndhurst) – Der Weinraub in der Nacht vom 11. auf den 12. November in einem bekannten britischen Luxushotel ist immer noch nicht aufgeklärt. Die Behörden des New Forest Districts, östlich von Southampton gelegen, warnen die Bevölkerung, auf günstige Kaufangebote hochwertiger Weine zu achten. Es müssen mehrere Diebe gewesen sein, die am frühen Morgen des 12. November um circa 3:30 Uhr in den Weinkeller des Lime Wood Hotel eindrangen. Ungefähr 80 Flaschen im Wert von etwa 65.000 Pfund, umgerechnet etwa 76.000 Euro, wurden bei Entdeckung des Einbruchs noch am gleichen Tag vermisst. 

Die umfangreiche Weinkarte des Lime Wood Hotel enthält Weine von berühmten Erzeugern wie beispielsweise Romanée-Conti, Screaming Eagle, Alto Conterno und Antinori. In der fast 40 Seiten langen Liste finden sich auch deutsche Produzenten, darunter Dönnhoff, Bassermann-Jordan, Bürklin Wolf, Allendorf und weitere Erzeuger aus den angesagten Weinzonen aus Europa und Übersee. Genauere Informationen über die gestohlenen Weine, deren genaue Bezeichnung oder Informationen zu Jahrgängen, wollte ein Sprecher des Hotels nicht bekannt geben. „Die Diebe kannten sich aus. Uns fehlen Weine, die wir allesamt als hochwertig deklarieren“, war das knappe Statement vom Hotelmanagement.

Das Hotel gehört zum Eigentum von Jim Ratcliffe, Mitbegründer des Chemiekonzerns Ineos. Den Briten Ratcliffe führt die Sunday Tims in ihrer jährlichen Liste der reichsten Bürger Großbritanniens schon über die Jahre stets auf einen der ersten drei Plätzen. Sein Vermögen wird aktuell auf rund 18,2 Milliarden Pfund, rund 22,2 Milliarden Euro geschätzt.

Riskante Beute

Während die Behörden die Umstände noch untersuchen wurde die Fahndung auf das ganze Land, vor allem auf den Grenzverkehr, ausgedehnt. Der dreiste Raub ist der jüngste von Einbrüchen in Weinkeller der letzten Jahre. Noch im Juni dieses Jahres wurden besondere Jahrgangsweine von Romanée-Conti aus dem Weindepot des Pariser Restaurant Masion Rostang im geschätzten Wert von 400.000 Euro gestohlen. Die Einbrecher kamen demnach durch ein etwa 50 Zentimeter großes Loch in den Weinkeller des mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants. Dort entwendeten sie vor allem Flaschen der Weingüter Petrus und Romanée Conti, die zu den teuersten der Welt gehören. Die französischen Medien schrieben damals von „unersetzlichen Jahrgängen“ der berühmten Erzeugers aus  Pomerol bei Bordeaux und Burgund. Ein weiterer Diebstahl fand im November 2017 ebenfalls in Paris statt. Damals rauben Unbekannte aus einem Luxus-Feinkostladen 68 Whiskyflaschen im Wert von rund 700.000 Euro.

Weinexperten sprechen von explodierenden Preisen für edle Weine und Spirituosen berühmter Namen, was Begierden nährt. Bestätigt wird dies durch die Weinauktionen der letzten Jahre. Die Fahnder vermuten, dass die gestohlenen Alkoholika nicht offen angeboten werden, sondern stillschweigend unter der Hand verkauft und direkt in Keller finanzstarker Sammler wandern. Denn solche edlen Tropfen haben meist Provenienzen, anhand deren man die Herkunft nachweisen kann – es ist viel zu riskant, sie in offenen Märkten anzubieten.

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