Nachruf

Abschied von Wilhelm Haag

Text: Rudolf Knoll | Veröffentlicht: 23. Dezember 2020


Am 16. Dezember 2020 verstarb er im Alter von 83 Jahren, die letzten Wochen intensiv betreut von seiner Gattin Ille (eigentlich Ilse), mit der er über ein halbes Jahrhundert verheiratet war. Er war Zeit seines Lebens nicht nur ein Überzeugungstäter in Sachen Spitzenwein, sondern auch ein Kämpfer und ein scheinbar immer kraftstrotzender Mann, der mit seinem berühmt-berüchtigten Schraubstock-Händedruck, garniert von einem schelmischen Lächeln, andere fast in die Knie zwang. Aber seinen letzten, über zwei Jahre dauernden Kampf gegen eine heimtückische Krankheit konnte der Moselaner Wilhelm Haag nicht gewinnen. 

Filigrane, fast zerbrechlich anmutende Weine

Als Winzer wurde er geprägt von seinem Vater, der ihm Ende der fünfziger Jahre ein harter Lehrmeister war. Seine Zielsetzung beschrieb er in einem VINUM-Interview in 2001 so: «Ich mag vor allem filigrane, fast zerbrechlich anmutende Weine, nicht süß, nicht staubtrocken, sondern geschmacklich herb und bekömmlich.» Die zwei Flaschen Riesling Kabinett, die wir damals während eines von Ille servierten Mittagsessen (ein köstliches Wildgulasch) leerten, spürten wir nicht in der Blutbahn.

20 Jahre Vorsitzender des VDP Mosel-Saar-Ruwer

Ein Einzelkämpfer war er nie. Ab 1984, in einer besonders für die Mosel-Region schwierigen Zeit mit Massenernten und Weinskandalen, übernahm er für 20 lange Jahre den Vorsitz des Großen Rings, dem VDP Mosel-Saar-Ruwer und engagierte sich zudem im Bundes-VDP in der Vorstandschaft. Er predigte «Qualität, Qualität und nochmal Qualität» und fand damit Gehör bei vielen Kollegen. Dass das Gebiet heute wieder Reputation hat und der Steillagen-Anbau Wertschätzung genießt, ist auch seinem Einsatz und Vorbild zu verdanken.

Enge Zusammenarbeit mit den zwei Söhnen

Für die Zukunft der Familie sorgte der «Winzer des Jahres» (Gault-Millau 1994) gründlich vor. Er half dem älteren Sohn Thomas beim Erwerb des Schlossgutes Lieser und übergab das eigene Weingut 2005 an Junior Oliver, nachdem sich dieser als Betriebsleiter bei Wegeler im Rheingau bewährt hatte. Beide wurden der ganze Stolz des Vaters. Ihren Werdegang hat er ebenso aufmerksam beobachtet wie bis zuletzt das Geschehen in der Weinszene. Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt. Ohne Pandemie wären wohl Tausendschaften nach Brauneberg gepilgert, um Abschied von einem der Großen des deutschen Weinbaus zu nehmen.

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