Brauereien in Not

Im Mittelstand brennt es lichterloh

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 3. April 2020


DEUTSCHLAND (Berlin) – Besonders Umsatzeinbrüche in der Gastronomie machen Brauern zu Schaffen. Deutschlands Bierbrauern droht wegen der Corona-Krise nach eigenen Angaben eine Pleitewelle. Die mittelständisch geprägte Brauwirtschaft sei von der Pandemie „massiv betroffen“, sagte Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) mit Sitz in Berlin, gegenüber der Presse. Vor allem die Schließung von Restaurants und Bars treffe die Unternehmen hart.

„Die mittelständisch geprägte Brauwirtschaft ist massiv betroffen, weil viele der bundesweit 1500 Brauereien einen Großteil ihres Umsatzes über die regionale Gastronomie erzielen“, sagte Eichele. Auch das Exportgeschäft sei weitgehend zum Erliegen gekommen. Eichele fürchtet deshalb jetzt eine Pleitewelle. „Im Mittelstand brennt es lichterloh. Viele Brauereien werden diese Krise ohne Hilfe nicht überstehen." 

Das bisherige Hilfsangebot der Bundesregierung bewertete Eichele indes kritisch. „Stundungen oder Kredite helfen in einer Situation, in der das gesamte Gastgewerbe mit dem Rücken zur Wand steht, nicht weiter. Nur Soforthilfen in Form von unbürokratischen Zuschüssen können die drohende Pleitewelle in der Gastronomie noch abwenden.“

Versorgung gesichert

Der DBB teilt weiter mit, dass die Erklärung der Bundesregierung, die Lebensmittelversorgung sei gesichert, auch den Bereich der Getränke mit einschliesst. Auch die Verbände der Getränkewirtschaft würden trotz stellenweise erhöhter Nachfrage die Versorgung auch weiterhin gewährleistet sehen. „Die Branche ist überwiegend mittelständig, regional und somit auch dezentral geprägt. Basis sind die über Jahrzehnte aufgebauten Logistikketten und die enge Kooperation von Mineralbrunnen, Brauereien und den Produzenten von alkoholfreien Getränken und Fruchtsäften mit dem Lebensmittelhandel, dem Getränkeeinzelhandel und dem Getränkefachgroßhandel, was die Versorgung unterstützt", sagte Eichele.

Bitte an die Verbraucher

Damit die Versorgung weiter reibungslos laufen kann, setzen Getränkehersteller und Getränkehandel ausdrücklich auch auf die Unterstützung der Verbraucherinnen und Verbraucher: 

• „Wir bitten darum, die vorhandenen zeitlichen Möglichkeiten umfassend zu nutzen und den Einkauf trotz der erweiterten Öffnungszeiten nicht ausschließlich bzw. vorrangig auf das Wochenende auszurichten.“ 

• Zum anderen bittet die Getränkewirtschaft die Verbraucherinnen und Verbraucher nachdrücklich, beim Einkauf zugleich auch das genutzte Leergut bei Mehrweg (Flaschen wie Kästen) so bald wie möglich wieder über den Handel zurückzubringen. 

Hintergrundinformation

Im Unterschied etwa zu anderen EU-Staaten werden in Deutschland Getränke nicht allein über klassische Supermärkte, Discounter oder SB-Warenhäuser bezogen, sondern zu einem relevanten Teil über den Getränkefachhandel und die Getränkefachmärkte. Bundesweit versorgen hierbei neben 34.800 Lebensmittelgeschäften auch noch nahezu 10.000 Getränkefachmärkte die Bevölkerung (Quelle: Nielsen, 2019). Etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes von Getränken entfällt auf diese Abholmärkte. Der Anteil alkoholfreier Getränke liegt dabei bei 62 Prozent, das größte Absatzsegment ist Mineralwasser.  

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