Herzenswärmer

Weindüfte im Winter: Trend Premium-Glühweine

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 12. Dezember 2018


DEUTSCHLAND (Würzburg) – Wie duften Advent und Weihnachten? Nach Zimt, Gewürznelken, Waldbeeren und Zitrone. Und nach Rotwein. Nicht ganz, auch nach wärmenden, würzigem Weisswein. Jedenfalls belegen Glühweine in der Beliebtheitsskala der flüssigen Spezialitäten während der kalten Jahreszeit die vordersten Plätze. In Lexikas steht bei Glühwein nur «heisses Getränk aus erhitztem Wein mit Zutaten.» Ein Vorläufer ist der römische Würzwein «Conditum Paradoxum» nach einem Rezept des Feinschmeckers Marcus Gavius Apicius (25 v.Chr. bis 42 n.Chr.), bei dem Honig mit Wein eingekocht wird und zudem Gewürze eine grosse Rolle spielen, darunter Pfeffer, Mastix, Safran und geröstete Dattelkerne die Zutaten sind. 

Also, so einfach ist es nicht. Man nehme irgendeinen Roten oder Weissen, vermenge klassische Winterwürze und füge ordentlich Zucker hinzu, was die mindere Qualität eines Grundweins übertünchen und einen feinen Grundwein vernichten würde – nein, dieses Procedere hat mit Winzer-Glühwein nichts gemein. Solche Standard-Wärmer und Kalorienbomben, oftmals an Weihnachtsbuden ausgeschenkt oder im Discounter angeboten, sind die Verursacher von Kopfschmerzen am Tag danach. Apropos: Achten Sie auf den Märkten, wo über 90 Prozent roter Glühwein angeboten wird, auf die Farbe im Glas. Zeigt sich eine intensive rote Farbe und ist der Geschmack fruchtig-aromatisch, dann ist der Wärmer okay. Wenn der Glühwein beispielsweise in einem Kessel zu lange erwärmt wurde, dann wird er braun und dann sollten Sie die Finger von ihm lassen, denn so ein Glühwein ist nicht mehr geniessbar.

Abgesehen davon wünsche ich mir, wie Sie sicher auch, Genuss und unbeschwerte Freude an diesem winterlichen Genussgetränk. Unter den jüngst mir zugesandten Weihnachtspaketen befanden sich sieben Vertreter der Gattung Winzer-Glühwein mit Premium-Qualität, alle auf Basis von sorgsam ausgewähltem Traubenmaterial und daraus vinifizierten feinen Grundweinen. Die Neugierde war geweckt, waren mir doch fünf Vertreter unbekannt und zwei von ihnen gehören seit Jahren zu meinen bevorzugten winterlichen Heissgetränken. Also musste ich die neuen Kandidaten und meine Progagonisten vergleichend verkosten. Vorab – ohne Frage, alle lassen sich «wärmstens» empfehlen. 

Herzoglicher Glühwein

Für den Herzoglichen Glühwein stand ein altes Schlossrezept Pate. Ausschliesslich Spätburgunder findet hier Verwendung. Diese Edelsorte gibt dem Herzoglichen Glühwein elegante Facetten. Rubinrot; feiner Duft nach schwarzen Beeren, Rosinen, Gewürznelken, Zitrus und ein Hauch Weihrauch. Im Geschmack angenehm vollmundig, ausgewogen, sanfte Würze – verbindlich im schönen Finale.

Erzeuger: Herzog von Württemberg – Domäne Monrepos, Baden, Ludwigsburg
Produkt: Herzogs Glühwein, 10,5 Vol.-%., online 6,00 Euro

Fürstlicher Glühwein

Früher wurden die Kellermeister der Fürstlich Castell´schen Domäne am Silvesterabend immer in die Schlossküche gerufen, um Punsch zu kochen, welcher dann bei der Jagd zu Silvester – oftmals jagte die Gesellschaft im Wald oberhalb der Weinlage «Kugelspiel» (daher hat die Einzellage im Westen des Dorfes ihren Namen) – ausgeschenkt wurde. In dieser Tradition begründet sich der Ursprung des Casteller Glühweins. Die Aufzeichnungen für die Würze sind im Fundus des Archivs der Fürstlichen Familie in dem so genannten «Schlossrezept» verewigt.

Der Rote, ein Cuvée-Trio aus feinsten Trauben des Acolon, Domina und Portugieser, duftet nach satten, reifen Waldbeeren. Noten von Zimt, Nelken und Piment umschwirren die feine Nase. Im Geschmack sanft und dennoch markant fruchtig, vielschichtig mit sanfter, lang verweilender Würze im Finale. 

Der Weisse, ebenfalls ein Cuvée-Trio aus ausgewählten reifen Trauben des Müller Thurgau, Bacchus und Silvaner ist ein mehr als überzeugender Schmeichler mit seinen überaus extravaganten Noten von Zitrus, Weihrauch, Sternanis und Ingwer. Im Geschmack edel mit einer süchtig machenden exotischen, animierenden Würze. Im Finale elegant, frisch und enorm prägend für unzählige Wiederholungen des Genusses.

Erzeuger: Fürstlich Castell´sches Domänenamt, Castell, Franken
Produkt: Glühwein rot, 11,0 Vol.-%, online 5,90 Euro
Produkt: Glühwein weiss, 10,5 Vol.-%., online 5,90 Euro

Der «Newcomer»

Warum erst jetzt? Die Frage sei erlaubt, bei diesem bemerkenswerten Einstand im winterlichen Reich der (Herzens)-Wärmer. Ganz neu auf dem Markt und gleich ein edler Vertreter seiner Art – der Wirsching-Glühwein, eine Idee und Umsetzung des Kellermeisters Dr. Klaus Peter Heigel. Feine Rotweine der Sorten Dornfelder und Spätburgunder bilden die Basis. 

Ein hinreissendes Bouquet von Zimt, Zitrone und Orangen gehen über in eine ausgewogen fruchtig-würzige, weinige Präsenz am Gaumen. Dornfelder und Spätburgunder spielen ausgezeichnet miteinander und zeigen eine angenehme Leichtigkeit und Eleganz, übergehend in ein raffiniertes Finale – auch bei diesem Roten «Wärmer» wie gewohnt schöner Trinkfluss á la Wirsching.

Erzeuger: Hans Wirsching, Iphofen, Franken
Produkt: Glühwein, 11,5 Vol.-%, online 6,80 Euro

Der Glühwein mit Holzeinschlag

Seit 2005 gibt es die Winter-Edition, ab 2017 erstmalig beim roten Cuvée mit Anteilen von im Holzfass und im Barrique ausgebauten Weinen von «Alte Wache – Haus der badischen Weine» in Freiburg. Neben dem klassischen Roten werden zwei weitere Glühwein-Kreationen angeboten – weiss und rosé. Leider war nur für den Rosé (100 Prozent Spätburgunder) die Rebsorte auf Nachfrage zu erfahren, die verwendeten Sorten für die Cuvées weisse und rote Winter-Edition wollte man nicht preisgeben.

Winter-Edition Rot: Zu starken Aromen reifer, dunkler Waldbeeren gesellen sich schöne herbe, maskuline Noten, sanft angereichert mit winterlichen Gewürzen, die dem Roten am Gaumen eine geheimnisvolle Tiefe, ordentlich Druck und ein langes, würziges Finale bescheren. Der Versuch, ein Rotweincuvée als Basiswein um eine feine Barriqueholznote zu ergänzen, scheint mir geglückt.

Winter-Edition Weiss: Aromen von Mandarinenschalen und Vanille umschmeicheln die Nase. Am Gaumen raffiniert exotisch, feine Säure, saftige, mollige Süsse. Eine Scheu vor den gut sichtbaren Ablagerungen in der Flasche muss man nicht haben, diese stammt von der Zugabe von echtem Orangensaft. Wer auf «Saft-Orange» steht, für den ist dieser weisse Wärmer eine «saftige» Wahl.

Winter-Edition Rosé: Nuancen von Johannisbeeren schwirren in die Nase – winterliche Gewürzen fehlen allerdings. Allein der ausgewählte Spätburgunder mit besonderer Reife und seine Säure leisten, wenn erwärmt, einen Hauch «winterlich» anmutenden Geschmacks. Unbeschwert und leichtfüssig umtänzelt der so erwärmte Rosé den Gaumen. Liebhaber schlanker, sehr sanfter Winterwärmer werden ihn lieben.

Erzeuger: Alte Wache Freiburg – Haus der badischen Weine, Baden, Freiburg
Produkt: Winter-Edition rot, 12,2 Vol.-%, online 8,00 Euro
Produkt: Winter-Edition weiss, 10,8 Vol.-%, online 8,00 Euro
Produkt: Winter-Edition rosé, 11,0 Vol.-%, online 8,50 Euro

Wärmendes Fazit

Alle hier vorgestellten Winzerglühweine bieten ein aussergewöhnliches, aromatisches Winterspektakel. Klar, die von mir verkosteten und hier vorgestellten Kandidaten sind keine ausführliche Auswahl, aber halten wir fest: Die Entscheidung für einen deutschen Winzerglühwein mit Premium-Qualität lohnt sich.

Und das sind die Gründe: Diese Kandidaten unterscheiden sich von vielen anderen derartigen Heissgetränken durch die besondere Qualität der verwendeten Grundweine und des moderaten Zuckers – teilweise wurde Traubensaft oder Orangensaft zum Süssen verwendet. Weitere markante Unterschiede sind das Spiel mit der Eigenart der Rebsorten und ihrer Säure, der sorgfältigen Abstimmung mit feinen Gewürzen und des zurückhaltenden Alkohols.

Man kann konstatieren: All dies vereint ist das Grundrezept für einen Premium-Winzerglühwein.

Übrigens, wenn Sie Abwechslung schätzen: Die hier verkosteten Glühweine müssen nicht unbedingt glühen, sie schmecken auch kalt, entweder auf Eis genossen oder mit Winzersekten aufgegossen. Probieren Sie es aus. Kalte Premium-Glühweine zeigen hierbei ebenfalls Schmelz und eine ungeahnte Aromenvielfalt und ebenso Trinkspass. Ausserdem, so kredenzt, haben Sie die Aufmerksamkeit aller Partygäste.

Wirtschaftsfaktor Glühwein

Deutschlandweit ist das Geschäft mit Glühwein für Städte, Kommunen und Markttreibende längst ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, von dem nicht zuletzt auch die Tourismusbranche profitiert. Laut Schätzungen des Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute werden die rund 2.500 Weihnachtsmärkte hierzulande von rund 160 Millionen Gästen besucht. Der Umsatz aller Märkte soll über fünf Milliarden Euro betragen. Die Preise für Glühweine im Ausschank schwanken von Nord nach Süd enorm. So zahlt man in Rostock für einen Becher 2,50 Euro, in München 4,50 Euro. Der Durchschnittspreis auf deutschen Weihnachtsmärkten liegt demnach bei 3,25 Euro.

Verwandtes Thema: Was steckt im Glühwein? 

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