Campo alla Sughera

Amione – die Quintessenz des Super Toskaner

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 24. Oktober 2019


ITALIEN (Bolgheri) – Die Entstehung des Boutique Weingutes Campo alla Sughera basiert auf einer Liebesgeschichte und Protagonisten, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Einem eleganten Deutschen, geradlinig, zielstrebig, aufgeschlossen gegenüber Neuem aber auch der Tradition verpflichtet begegnet eine stolze Italienerin, wunderschön, temperamentvoll und eigenwillig. Beide finden in den späten 90er-Jahren zusammen. Damals hatte die deutsche Unternehmerfamilie Knauf unweit von Bolgheri eine Fabrik zur Herstellung von Gipskartonplatten gegründet. Die Faszination des Landstrichs rund um Bolgheri und seine fantastischen Weine gaben den Ausschlag, dort in Boden auch für Weinanbau zu investieren. 

Die heutigen Miteigentümer und Cousins Isabel und Frederick Knauf sprechen von Liebe auf den ersten Blick, wenn sie an ihre erste Begegnung mit dem pittoresken, traditionsreichen Wein-Landstrich an der tyrrhenischen Küste zurückdenken. Hier hatte ihr Unternehmen vor zwanzig Jahren die idealen Bedingungen vorgefunden, um das Vorhaben vom eigenen toskanischen Weingut zu verwirklichen.

Bolgheri – Kleinod vinophiler Träume

Bolgheri, das Kleinod unter den italienischen Weinterroirs, bietet eine ganze Reihe von Gründen, um herausragende Weine zu produzieren. Allen voran die besonderen Bedingungen hinsichtlich Boden, Lage und Klima, begünstigt durch die Meeresbrise, die vielen Sonnenstunden und milde Temperaturen. Natürlich auch durch die Legende von Mario Incisa della Rocchetta mit Tenuta San Guido, der hier die ersten französischen Rebsorten gepflanzt hatte. Heute ist Bolgheri mit seinen über 50 Weinmarken, viele in Händen renommierter Weinfamilien Italiens, längst als Markenzeichen italienischer Önologie weltbekannt. 

„Für die Familie Knauf, die traditionell dem Wein verbunden ist, war Bolgheri von Beginn an ein mystischer Ort mit enormer Anziehungskraft", erzählt Frederick Knauf. Es war von Anfang an ein Projekt, auf das sich die fränkische Unternehmerfamilie mit einer klaren Vision und Zielstrebigkeit eingelassen hatte. Gut 15 Jahre nach dem Start holte sich Knauf in 2016 mit Elisabeth Finkbeiner eine Führungskraft für Campo alla Sughera, die es versteht, eine Marke weiterzuentwickeln. Sie war es auch, die fortan den anerkannten französischen Weinfachmann Stéphane Derenoncourt mit ins Boot nahm und zusammen mit Kellermeister Francesco Gagliardi konzentriert sich dieses Trio auf Bolgheri DOC Superiore. „Erklärtes Ziel ist, dem italienischen Bordeaux noch mehr Eleganz und Finesse zu verleihen“, sagt Frederick Knauf.

„Es ist ein steter Prozess der Weiterentwicklung, des Experimentierens und der Spannung im Zusammenspiel mit Weinberater Stéphane Derenoncourt, seinem Team und Kellermeister Francesco Gagliardi“, sagt Finkbeiner. „Daraus resultierend haben wir auch die Ausstattung unserer Weine dem gegebenen Anspruch umgestaltet.“ Die markanten Etiketten, die seit diesem Sommer ihre finale Präsenz auf den Flaschen zeigen, sind eine Reminiszenz an den Rohstoff, dem das Unternehmen Knauf seit jeher seinen Erfolg verdankt. „Eine große, weiße Alabasterkugel im Weinkeller inspirierte uns zur neuen Ausstattung der Flaschen. Der Alabaster ist gewissermaßen magisch für die Familie Knauf. Schon deshalb schmückt er jetzt sinnbildlich unsere neuen Etiketten", erläutert Finkbeiner. 

 

 

Mehr zu Elisabeth Finkbeiner lesen sie im Interview – „Abenteuer Campo alla Sughera – Teil I“ und „Abenteuer Campo alla Sughera – Teil II“ .

Im Gespräch mit den Protagonisten, den Cousins Isabel und Frederick Knauf, konnte ich weitere Details erfahren:

 

 Isabel Knauf: „Welch ein Glückstreffer“

Isabel Knauf vertritt im Familienunternehmen den Nahen Osten und ist auch für das Wirken des Weltunternehmens in Italien zuständig. Die studierte Geologin ist vom Standort Bolgheri überzeugt und verfolgt aktiv die Entwicklung von Campo alle Sughera. Sie erläutert das Weinabenteuer in Bolgheri mit den Worten: 

„Die Beschaffenheit der Böden spielt beim Weinbau eine ebenso große Rolle wie bei der Standortauswahl unserer Werke. Gerade diesen geologischen Untersuchungen im Rahmen der Errichtung unseres toskanischen Werkes haben wir es zu verdanken, dass wir 1998 auf dieses wunderbar fruchtbare Fleckchen Erde gestoßen sind. Welch ein Glückstreffer. Nachdem wir seinerzeit bereits drei Jahrzehnte in Deutschland Wein anbauten, konnten wir auch unsere Vision von einem Weingut in der Toskana endlich verwirklichen. Die idealen Bedingungen, die wir vor 20 Jahren dort vorfanden, haben sich bis heute als beständig erwiesen.“

 

Frederick Knauf: „Ein traumhafter Ort“

Frederick Knauf begleitet Campo alle Sughera von Anfang an – die ersten Jahre vor Ort und heute zumeist aus der Ferne. Als Mitgesellschafter der Knauf-Gruppe vertritt er das Unternehmen in einem Joint-Venture mit einer japanischen Industriellenfamilie.

Woher kommt ihre Leidenschaft zum Wein?

Mein persönliches Aha-Erlebnis war unser erster verkaufsfähiger Jahrgang 2001. Ich lebte damals in Italien und war praktisch jeden zweiten Tag auf dem Weingut. Hier konnte ich intensiv miterleben, wie wir unsere Ambitionen, einen hervorragenden Bolgheri Doc Superiore anzubieten, umsetzen konnten. Bei einer Blindverkostung ausgewählter Bolgheri-Weine hatte unser Wein als bester abgeschnitten. Dieses unerwartete Glücksgefühl werde ich nie vergessen.

Knauf und Alabaster sind untrennbar. Alabaster ziert die neuen Etiketten. War Alabaster auch der Auslöser für Campo alla Sughera?

Ja, in der Tat. Seit Urzeiten wird in diesem Abschnitt der Toskana Alabaster abgebaut, eine Form des Gipses, den wir für die Herstellung unserer Baustoffe einsetzen. Wie Isabel gerade erläutert, hatten wir seinerzeit unweit von Bolgheri eine Fabrik zur Produktion unserer Materialien für die Baubranche errichtet. Bei Untersuchungen der Böden dieser Region, entdeckten wir das heutige Areal von Campo alla Sughera, das offensichtlich auf uns wartete.

Das war alles?

Nein. Bolgheri war damals der große Challenger der Crus Classés aus Bordeaux und erfreute sich bereits einer hervorragenden Reputation für Super Tuscans. Hinzu kam dieser unbeschreibliche Zauber und dieser fesselnde Charme, der Bolgheri bis heute innewohnt. Es ist ein traumhafter Ort.

Welcher Ihrer Weine ist ihr Favorit?

Der Amione verkörpert für mich die Quintessenz des Super Toskaner und ist mein absoluter Favorit. Dieser Wein wird niemals müde und zeichnet sich durch Eleganz und mediterrane Intensität aus. Seine Komplexität schenkt ihm ein hohes Alterungspotenzial, bei dem ich neugierig beobachte, wie sich dieser Wein in der Entwicklung über die Jahre verhält.

Welche Weine anderer Güter erhalten Ihre Aufmerksamkeit?

Meine Lieblingsweine in jüngster Zeit waren Château Léoville Poyferré 2009, Château Haut-Brion 2010 und Château Palmer 2007.

Wo steht Campo alla Sughera heute?

Zuerst einmal freue ich mich über die Energie, die unser deutsch-italienisches Team unter der Führung von Frau Finkbeiner in das Weingut investiert. Im Unterschied zu vielen anderen wollen wir kein Weingut sein, bei dem der Padrone im Zentrum steht, alle Entscheidungen trifft und sich schließlich von seinen Kunden missverstanden fühlt. 

Stattdessen …

… haben wir ein hervorragendes Team vor Ort und können uns als Eigentümer glücklich schätzen, diese Menschen für uns gewonnen zu haben.

Was ist das zentrale Ziel von Campo alla Sughera?

Meine Vision ist es, einen der gefragtesten und bekanntesten Bolgheri DOC Superiore anzubieten.

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