Elisabeth Finkbeiner

Abenteuer Campo alla Sughera – Teil II

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 22. Oktober 2019


Im Gespräch mit Elisabeth Finkbeiner, Leiterin des Weingutes Campo alla Sughera in Bolgheri (Toskana). Wenn Sie den Anfang verpasst haben, hier der Link zum ersten Teil: „Abenteuer Campo alla Sughera – Teil I

Was ist das Geheimnis der Weine von Campo alla Sughera?

Ich weiss, dass unsere Weine ein sehr hohes Alterungspotential haben. Durch die hohe Bestockung sind die Trauben kleinbeerig. Dies spielt uns in die Karten, da beim Rotwein wichtige Extrakte in der Schale sind, nutzen wir dies exzessiv aus. Ich denke, wir haben bei Campo alla Sughera noch eine große Zukunft.

Welche Zielgruppen an Konsumenten und Märkten haben sie im Fokus?

Wir möchten uns diversifizieren und unsere Weine weltweit vertreiben. Trotz der Betreuung unserer Stammkunden möchten wir insbesondere junge Leute ansprechen, die sich unsere Weine erschließen wollen. Ein Grund, warum ich das Weingut auch für Besucher geöffnet habe. Wein ist Emotion und Story Telling. Wir lassen unseren Weinen Zeit zum Reifen und nehmen uns Zeit für unsere Gäste.

Was findet der Besucher bei Campo alle Sughera?

Der Besucher findet bei uns eine große Leidenschaft aber auch eine herzliche Gastfreundschaft. Wir produzieren hoch dekorierte Weine, stehen aber mit beiden Füßen auf dem Boden. Meine Mitarbeiter und ich lieben Bolgheri mit seiner wunderschönen Landschaft, seiner salzigen Luft, seinen hervorragenden Restaurants. Dieses Gesamtpaket möchten wir unseren Gästen vermitteln. 

POWERFRAUEN DER WEINBRANCHE

Sie gehören zu einer ständig wachsenden Zahl von Frauen im Weinsektor, der einstmals eine Männerdomäne war. Wie bewerten Sie diese Annahme?

Also, ich empfinde heute nicht so. Ich war schon immer in Bereichen tätig, die Männer dominiert haben und ich habe mich stets wohl gefühlt. Allerdings denken Frauen anders. Wir haben dieses Jahr einen lockeren Austauch der „Donne di Bolgheri“ begonnen, hier tauschen wir uns informell aus. Dort diskutieren wir anders, als wenn männliche Kollegen dabei wären. Und ja, ich stimme zu, dass der Anteil an Frauen im Weinbereich, die oberste Verantwortung tragen, zunimmt. Ganz aktuell ist der neue Vorstand des Consorzio Bolgheri mit drei Frauen, die an dessen Spitze gewählt worden. 

Wie empfinden Sie das Klima für Frauen in der Weinbranche und warum hat es so lange gedauert, bis Frauen heute in Top-Positionen wirken?

Auch diese Frage stellt sich für mich so nicht. Schon als ich in Geisenheim einige Stunden unterrichtet habe, waren viele Studenten weiblich. Ich verweise auch auf die Vereinigung Vinissima, die eine Vorreiterrolle für uns Frauen spielt. Junge Winzerinnen und junge Frauen, die Weingüter führen, stärken den femininen und legitimen Anspruch, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Gibt es eine weibliche Figur in der Weinwelt, die sie für inspirierend halten oder die sie vielleicht in Ihrem Wirken beeinflusst?

Ja, da gibt es drei Frauen, die mir spontan einfallen. Cinzia Merli, sie ist Inhaberin und Leiterin des Weinguts Le Macchiole in Bolgheri. Und auch Donatella Cinelli Colombini, die in Brunello di Montalcino wirkt und die Donne del Vino in Italien leitet. Und hohen Respekt habe ich vor Andrea Wirsching, die ich sehr schätze und leider viel zu selten treffe. Alle diese Frauen berühren mich, nicht nur, weil sie Powerfrauen sind und führen können, sondern auch, weil sich ihre Kraft in Ihren Weinen widerspiegelt. Sie alle sind offen und hilfsbereit. Diese drei Frauen sind für mich authentisch und zeigen, was wir Frauen im Weinbereich bewirken können.

 

DIE PRIVATE ELISABETH FINKBEINER

 

Lassen Sie uns mal ihren privaten Bereich beleuchten. Welche Leidenschaft haben sie außer Wein?

Ich liebe die Natur, Sport und Reisen.

Welche Weine bevorzugen Sie zum persönlichen Genuss?

Als Wahlfränkin einen schönen Silvaner.

Was ziehen Sie vor – essen gehen oder selber kochen?

Weil ich beruflich öfters in Restaurants gehe, freue ich mich selbst zu kochen und mit Freunden zu speisen.

Was lieben ihre Freunde an Ihnen?

Meine Verlässlichkeit.

Womit machen sie sich unbeliebt?

Mit meiner gelegentlichen Ungeduld.

Welche Charaktereigenschaften schätzen Sie?

Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit.

Welche Musik hören sie gerne?

Ich liebe Barockmusik und vor allem Bach. Ich spiele Kontrabass, besser gesagt habe gespielt, heute fehlt mir leider die Zeit.

Was lesen sie?

Sehr gerne  Biografien aus unterschiedlichen Zeitepochen, weil mich Menschen und deren Leben interessieren. Und ich lese gerne über verschiedene Weinthemen, sowohl Fachliteratur als auch Bewertungen und Kommentare.

Haben sie einen Lieblingsplatz?

Vor einem Jahr habe ich im fränkischen Sulzfeld ein Häuschen gekauft. Es grenzt direkt an die Mainmauer. Es ist ein romantischer Flecken. Dort bin ich glücklich, obwohl ich wenig Zeit habe, es zu genießen.

Welche Reiseziele reizen Sie?

Ich darf viel reisen, daher freue ich mich, heimzukommen. Früher war ich oft in den USA. Nächstes Jahr bereise ich die United States, worauf ich mich sehr freue.

Was würden Sie mal gerne ausprobieren?

Zwei Dinge, die ich mir unbedingt erfüllen möchte. Das Weingut auf „bio“ umzustellen und eine lange Rucksackwanderung, ich träume schon lange vom AlpeAdriaTrail.

Wie sähe ein perfekter Tag aus?

Nach einer Tasse Kaffee eine lange Fahrradtour in Unterfranken antreten und am Abend ein Glas Silvaner mit Freunden genießen. Und perfekt wäre auch eine Meditation im Kloster Münsterschwarzach.

Gibt es Helden in Ihrem Leben?

Das wird sie jetzt sicher überraschen. Mein früherer Vermieter in Rottweil. Er war ein väterlicher Freund. Seine Offenheit und sein Verhalten zu Menschen waren mir ein Vorbild. Und nicht zu vergessen meine gute Mutter, die mich heute immer in Gedanken und im Gebet begleitet.

Wo stehen sie gerade und was möchten sie bewirken?

Ich fühle mich gerade in Italien angekommen. Sprache und Kultur habe ich verinnerlicht. Ich möchte die Marke Bolgheri in die Welt tragen.

Zur Person

Elisabeth Finkbeiner, wuchs im Landkreis Tuttlingen auf. Sie studierte in Gegenbach und Frankfurt. Sie gründete ihre eigene Vertriebsfirma mit 30 Jahren und wirkte danach durch Übernahme bei ITW im Industriesektor international. Ihre Liebe zum Wein hat sie durch Stationen im Burgund und in Geisenheim sowie als Mitglied bei Vinissima gefestigt.  

Hier der Link zum ersten Teil: „Abenteuer Campo alla Sughera  – Teil I

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