Die Wegscheide des Weins: Eine "Grüne Weinwirtschaft" ist überlebenswichtig

26.11.2009 - arthur.wirtzfeld

FRANKREICH (Bordeaux) - Achim Steiner, oberster Umweltschützer der Vereinten Nationen, sieht die Menschheit an einer Wegscheide. Eine "Grüne Weltwirtschaft" sei überlebenswichtig zitiert ihn der Spiegel in seiner letzten Ausgabe. Einer der ersten, die sich diese Meinung zur eigenen Vision gemacht haben ist der amerikanische Präsident Barack Obama. Er hat erkannt, das Amerika seine Führungsrolle in der Welt zukünftig nicht mit Waffentechnik sondern vielmehr mit Umwelttechnik sichern kann. Unter dem Titel "Die Grünen Gegner der Zukunft" werden China und weitere ambitionierte Nationen sich dieser Vision anschließen. Auch die EU entwickelt bereits in verschiedenen Kommissionen den "Grünen Gedanken" für die Zukunft. Allen gemein ist die Sorge um den Erhalt unserer Welt.

 

Kehren wir aber nun von dem Exkurs zur Weltwirtschaft zurück und begeben uns zur Weinwirtschaft nach Frankreich. Die dortigen Traditionsgüter im Bordelais, im Burgund wie auch vergleichbare Güter anderswo auf der Welt leben von Ihrer Geschichte und ihrem Image. Allesamt wären sie in der Lage eine Vorreiterrolle in Sachen "Grüne Weinwirtschaft" zu übernehmen, aber nur wenige zeigen bisher Weitsicht und erkennen die zukünftigen Parameter für nachhaltiges Wirtschaften. Doch gemeinsam mit ihren Kollegen in allen anderen Weinbaunationen müssen Sie sich dennoch auf "grüne Veränderungen" einstellen. Denn dies fordert die Menschheit und schon die kommende Generation wird ohne Öko-Design und Öko-Management einen schweren Stand haben.

Strategen und Vordenker der französischen Weinindustrie gehen folgerichtig in die Offensive: Sie haben aktuell für ihre Mitglieder Leitfäden von nationalen wie internationalen Weinprofis mit dem Aufgabentitel: "Öko-Design und Öko-Management im Weingut" erstellen lassen.

Bisher galten als die wichtigsten Design-Kriterien von Weinbetrieben die Funktionalität, die Ästhetik, das Coporate Identity und natürlich die Kostenstruktur. Doch der französischen Weinindustrie ist nicht verborgen geblieben, dass sich heute neue und drängende Umweltprobleme ergeben, die bis in die Tätigkeit der Weinerzeuger reichen und dabei insbesondere auch die Technik und Gestaltung der Keller nicht ausschließen.

Die neuen Parameter sind gegeben: Die Einsparung von Energie und Wasser wird immer wichtiger, bei der Wahl der benötigten Materialien muss man deren Auswirkungen betrachten, eine natürliche Isolation der Rohstoffe ist gefragt, die Nutzung erneuerbarer Energien steht an, die Landschaftsgestaltung muss im Einklang mit der Natur zukunftsweisend sein, eine intelligente Abfall- und Recyclingwirtschaft ist Voraussetzung zur Schonung der Umwelt, natürliche Elemente wie Licht, die Kühle der Nächte, unterirdische Wärme, Regen und Wind sind mit heutigem Stand der Technik nutzbar und eine energetische Verwertung von Nebenprodukten spart Ressourcen.

Die in Teilaufsätzen von den Weinprofis erstellten Leitfäden, alle unter dem Titel: "Öko-Design- und Umweltmanagement für das moderne Weingut", enthalten darüber hinaus auch spezialisierte Anregungen für ein architektonisches Konzept und ökologisches Bauen bzw. Renovierung der Weinkeller. Unter der Überschrift "Grüne Architektur" wird empfohlen:

Die Nutzung von natürlichen Materialien wie Stroh, Lehm, Holz und Stein zur Untermauerung der Energieeffizienz. Dazu gehören auch unterirdische Keller mit natürlicher Isolierung bis hin zur intelligenter Belüftung, Dachbegrünung und thermischer Isolierung durch Tageslicht. Dies alles soll eine natürliche Integration der Nutzgebäude in die Landschaft umrahmen. Weiterhin wird passive Bau-Niedrig-Enerige und die Nutzung moderner Technologien wie beispielsweise bioklimatisch positive Energieformen (Erdwärme, Wind- und Solarenergie) angeregt.

Ein weiterer Abschnitt widmet sich der optimalen Nutzung der Wasserressourcen (Regenwasser, Wasserrecycling, Abwasserreinigung) sowie dem Abfall-Recycling und der Methanisierung von Biomassen aus der Rebe sowie energetische Verwertung des Traubentresters.

Um nun auch das Öko-Design und Öko-Management in der Weinerzeugung bis hin zur Weinvermarktung umzusetzen, bedarf es nach Meinung der Experten einer Kombination von Umweltbewusstsein, Weitsicht, konsequenter Einsparung, aktiver Nutzung neuer Umweltstandars und letztlich ein dauerhaftes Engagement der Entscheidungsträger in den Weingütern. Honoriert würde dies nicht nur von den nachfolgenden Generationen sondern insbesondere auch von den Konsumenten, die heute schon ein umweltschonendes Arbeiten und wegweisende Initiativen von den Erzeugern fordern, so der Tenor in den Aufsätzen.