Ostdeutschlands Weinbau hofft auf einen großen 2011er

19.04.2011 - R.KNOLL

DEUTSCHLAND (Sachsen) - Zwar fiel die Eröffnungsfeier der Sachsen zum Jubiläum „850 Jahre Weinbau“ ins Wasser, weil der Himmel sämtliche Schleusen über Meißen öffnete und man ins Rathaus flüchten musste. Aber tags drauf, als die 20. Jungweinprobe der beiden ostdeutschen Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut im Zentralgasthof in Weinböhla statt fand, verzogen sich die Wolken. Geblieben waren die Sorgen über die Weinbestände nach zwei durch Frost und Hagel ertragsschwachen Jahren.

 

2010 wurden auf den 434 Hektar lediglich knapp 12500 hl eingebracht, 2009 waren es nur 9890 hl gewesen. Weniger gab es seit der Wende nur 1997 (4940 hl). Im bisherigen Rekordjahr 2007 wurde mit 25142 hl mehr Wein geerntet als in den beiden mengenmäßig schwachen Jahrgängen zusammen. Jetzt hoffen die 2500 sächsischen Winzer und ihre Kollegen an Saale und Unstrut, dass es 2011 besser mit ihnen meint. Das „Gesetz der Serie“ könnte dafür sprechen: Sowohl die Jahrgänge 1811 und 1911 gelten als Jahrhundert-Jahrgänge.

Ein Trostpflaster war die Qualität des durch ausdauernden Regen sehr schwierigen Jahrgangs 2010. Zwar wurden bei der Jungweinprobe manche Weine auf den Tisch gestellt, die erkennbar durch radikale Entsäuerung malträtiert waren. Aber etliche Winzer hatten die Probleme gut im Griff und offerierten knackige, herzhafte, saftige Weine, so in Sachsen zum Beispiel Schloss Wackerbarth, Drei Herren in Radebeul, Vincenz Richter und Ricco Hänsch in Meißen und das Weingut Hoflössnitz. Aus dem Gebiet Saale-Unstrut überraschte der junge Matthias Hey aus Naumburg mit einer prächtigen Weißwein-Kollektion sowie einem Zweigelt mit Tiefgang.

Viel Mut zur Säure zeigten Friedrich Aust und Frédéric Fourré aus Radebeul, die im Keller eng zusammen arbeiten. Den Vogel schoss Fourré mit einem halbtrockenen Kerner ab, bei dem die Analyse 11,9 g/l Säure ergab. „Ich habe bei allen Weinen auf mehr Süße geachtet, weil ich nicht entsäuern wollte, aber einen Puffer brauchte“, meinte der gebürtige Franzose, der in Sachsen zunächst als Sommelier arbeitete, aber sich jetzt ganz auf den Weinbau konzentriert.

Gewohnt gut waren die Weine von Schloss Proschwitz. Auch hier herrscht Knappheit vor, da die Anlagen von Georg Prinz zur Lippe letztes Jahr noch einen gewaltigen Hagelschaden abbekamen. Für einen gewissen Ausgleich sorgen hier die Weine vom Gut zu Weimar in Thüringen, das 2010 die erste Ernte einbrachte. Bei einer Tankprobe konnte festgestellt werden: Es sind sehr eigenständige Weißweine (Auxerrois, Grauburgunder, Weißburgunder, Sauvignon blanc) mit viel Schliff, Mineralität und einer sehr guten Struktur. Vor allem der Auxerrois ist große Klasse.

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