Portugal-Special Teil 5: Die Alentejo-Connection: Mayson & Reguinga

05.09.2011 - arthur.wirtzfeld

PORTUGAL (Portalegre) - „Ich bin alt genug, um mich noch an die rustikalen portugiesischen Weine zu erinnern - die fruchtlosen, oxidierten Weißen und die derben, tanninreichen Roten - heute wären diese Weine völlig chancenlos auf den internationalen Märkten“, fast Richard Mayson, britischer Weinjournalist und mitverantwortlicher Leiter des Decanter World Wine Award im Rückblick zusammen. Diesen Eindruck wollte Mayson ändern, indem er sein Projekt Alentejo* startete, das im Wesentlichen Weine, vinifiziert aus traditionellen Rebsorten Portugals, auf die internationalen Märkte bringen sollte.

 

Mayson, der sich seit den 80igern auf portugiesische Weine spezialisiert hat und bereits fünf Bücher über dieses Thema geschrieben hat, identifizierte schon damals die Portalegre Subregion des Alentejo als eine der interessantesten Weinregionen Portugals. Wie er oftmals schrieb, führte er dies auf die Höhe, die Böden, das Klima und die damit verbundenen Terroirs zurück.

Um sein Projekt Alentejo erfolgreich durchzuführen hatte sich Mayson den portugiesischen Berater Rui Reguinga als Partner mit ins Boot genommen. Reguinga startete seine Weinkarriere 1991 bei der Kooperative in Portalegre. Später wechselte er zum namhaften Winzer João Portugal Ramos, bevor er seine eigene Gesellschaft in Sachen Weinberatung gründete. Sein heutiger Wirkungskreis sind die südlichen Anbauzonen Portugals und er ist auch in Argentinien beratend tätig.

Schon Mitte der 90iger begannen beide damit neue Weinberge mit einheimischen und internationalen Rebsorten zu bepflanzen. Die daraus entstandenen Cuvée waren weich, fruchtig und auf den Export getrimmt. Aber deren guter Ruf war beiden nicht genug. Mayson und Reguinga wollten mehr. „Als wir anfingen wollten wir marktgerechte Weine produzieren - das gelang. Aber wir hatten und haben großen Respekt vor der portugiesischen Weintradition. Es musste etwas Neues her - wir waren noch nicht am Ziel“, resümiert Mayson.

Gesagt - getan: In 2005 erwarben dann beide das 20 Hektar Gut Quinta do Centro nähe Portalegre, am Rande des São Mamede Naturparks. Die zur Quinta gehörenden Weinberge erstrecken sich in rund 560 Metern Höhe längs den Hängen der Serra de São Mamede und bilden eine Art natürliche Grenze zu Spanien. „Unser Vorteil hier ist einmal die Höhe, es hat immer frischen Wind, die Sonnenscheindauer ist hier länger als in der Ebene. All dies lässt den Trauben mehr Zeit zur Reife, die Weine haben weniger Alkohol, sind frischer, gepaart mit einer schönen Säure“, erklärt Reguinga.

Mit einem Fuß im Weinberg das Potential der einheimischen Sorten ausschöpfend und mit einem Fuß im Markt, produzieren Mayson und Reguinga seitdem einen Roten, der einerseits das vorhandene Terroir voll ausschöpft und andererseits für den internationalen Markt geeignet ist. „Das hier herrschende felsige Granitgelände gibt den Weinen einen Berg-Frucht-Charakter, der vor allem bei kühleren Jahrgängen, hervorragenden Trinkgenuss bietet“, sagt Mayson. „Die Weine von hier sind frischer, fruchtiger, sind aber immer noch als Portugieser zu erkennen“, ergänzt Reguinga.

Beide Partner verstehen sich als Interpreten von Terroir und Rebsorten. Ihre Leidenschaft, den Trauben das Optimum zu entfesseln und dabei dem internationalen Weinliebhaber bestmöglichen Trinkspaß zu bereiten, merkt man ihnen an und das macht auch ihren Erfolg aus. „Ich glaube ein Solist oder ein Dirigent fühlt ähnlich, wenn er aus seinem Instrument oder aus seinem Ensemble das Letzte herauskitzeln möchte, um dem Publikum ein unvergessliches Erlebnis zu bereiten“, resümiert Mayson.

*Alentejo: Begrenzt von dem Fluss Tejo, umfasst der Landstrich Alentejo, südöstlich von Lissabon, ein Gebiet von der spanischen Grenze bis zur Algarve. Früher konnte man das Alentejo nur per Fähre erreichen, bis dann die großen Brücken rund um Lissabon gebaut wurden. Daher hat man hier Kultur und Weinbautradition eher und länger bewahren können als in anderen Anbauzonen Portugals. Das eigentliche Weinbaugebiet erstreckt sich in einem Streifen entlang der Grenze zu Spanien. Mit rund 20.000 Hektar Rebfläche ist die Alentejo allerdings das größte DOC Anbaugebiet Portugals. Neben Weinbau bietet diese Region, auch die Kornkammer Portugals genannt, ihren Bewohnern traditionell Einkommen aus dem hier abgebauten Kork. Dank Kooperationen, wie der von Mayson und Reguinga, erlebt der Weinbau hier einen allmählichen Aufschwung.

Bisher erschienen: