Cheval Blanc lanciert den Weißwein Le Petit

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 10. Oktober 2016

FRANKREICH (Bordeaux) – Gegenüber den Roten haben die Weißweine aus Bordeaux es traditionell schwer auf den Märkten. Obwohl die süßen Weißweine der Top-Châteaux aus dem Sauternes und trockene Weißweine so berühmter Châteaux wie La Mission Haut-Brion, Domaine Chevalier oder Mouton ihre Fans haben, hat Château Cheval Blanc (bisher) keinen Weißen im Portfolio. Das wird sich nun ändern, denn Cheval Blanc, dass neben Ausone, als einzige Châteaux in Saint-Émilion den Status Premier Grand Cru Classé A tragen, will seine Reputation mit einem Weißwein erweitern.

Ab 2018 ein Cuvée

Der Le Petit Cheval Blanc 2014, der erste Weiße des weltweit berühmten Château ist auf dem Markt. Sein Preis für Endkunden wird sich bei 100 Euro einpendeln. Es handelt sich um einen reinsortigen Sauvignon Blanc, dessen Geburt das Ergebnis von jahrelangen Versuchen ist. Vom Jahrgang 2014 kommen vorerst lediglich 4.500 Flaschen in den Handel, wobei das Château die Produktion in den kommenden Jahren auf rund 20.000 Flaschen erweitern möchte. Eine markante Änderung erfolgt mit dem Jahrgang 2018, dann gesellt sich ein Anteil an Trauben des Sémillon zum Sauvignon Blanc und der Le Petit Cheval Blanc wird dann zum Cuvée.

"Wir haben in 2008 mit den Versuchen begonnen und mehrere Jahre versucht, das Terroir, die Klone und die Hefe in Einklang zu bringen", sagt Pierre-Olivier Clouet, technischer Direktor des Weinguts. "Mit dem Jahrgang 2014 ist uns eine Harmonie gelungen, die wir als klassischen Bordeaux bezeichnen, weil sie unser Terroir mit seinen vielfältigen Aromen widerspiegelt."

Spielwiese von Milliardären

Die Trauben für den Le Petit Cheval Blanc stammen aus einer Lage, die vormals zu Château La Tour du Pin Figeac gehörte. Der als „Grand Cru Classé" klassifizierte Betrieb wurde in 2006 deklassiert – ein Jahr später übernahmen die Luxusgüter-Gruppe LVMH um den französischen Milliardär Bernard Arnault und seinem belgischen Milliardärskollegen Albert Frère, Miteigentümer von Cheval Blanc, die Rebflächen, die dann knapp zwei Jahre später durch Pfropfen auf damals 35 Jahre alten Reben neu gezogen oder durch Neupflanzung verjüngt wurden. Nach der letzten St-Emilion-Klassifizierung im Jahr 2012 erweiterte Cheval Blanc die Anlage um 1,4 Hektar, sodass dem Château nun rund 6,5 Hektar an weißen Reben zu Verfügung stehen.

Mineralisch, salzig, opulent

Mit 14 Prozent Alkoholgehalt rangiert der Le Petit Cheval Blanc mit der Herkunftsbezeichnung "Bordeaux AOC Blanc" im oberen Bereich gehaltvoller Weißweine. Ebenso wie seine roten Brüder von Cheval Blanc, reift der Le Petit zwei Jahre in 400-Liter-Barrique Fässern, die teilweise aus dem österreichischen Weidhofen, teilweise aus dem französischen Sancerre-Gebiet stammen. Der Le Petit profitiert von den kieshaltigen Böden und spiegelt diese in einer feinen Mineralik. Seine Anmutung ist opulent mit gedämpften Zitrusnoten und einer feinen Würze. Es bleibt die Frage, ob der Le Petit im späteren Cuvée mit dem Sémillon seine Frische und kühle Salzigkeit behalten kann oder ob seine Opulenz noch gesteigert werden kann, oder soll – man wird sehen.

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