Ante-Prohibition

Geheime Schätze unter dem Hammer

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 14. Dezember 2018


USA (New York) – Der Run auf feine Weine nimmt kein Ende, seit 2008 verfolge ich die Auktionen rund um den Globus, ein Nachlassen des Interesses ist nicht zu bemerken. Egal ob in New York, London, Hongkong, Shanghai oder Singapur – die Auktionen von Sotherby´s und Co. melden laufend Rekorde für feine Weine und Spirituosen. Aufregend und begehrt sind dabei Kollektionen mit besonderer Geschichte oder auch private Sammlungen, die jahrzehntelang gehütet und gepflegt, dann aus verschiedenen Gründen plötzlich der Weinwelt angeboten werden.

So geschehen jüngst in New York wo Christie´s feinste Weine und Spirituosen, darunter die Sammlung des Liberty Hall Museum of Historic Madeira und eine ausserordentliche Sammlung von Ante-Prohibition Whisky anbot. Insgesamt erzielten diese beiden Sammlungen stattliche 2,65 Millionen Euro. Das Top-Los darunter war ein 15-Gallonen-Demi John of Old Sercial Madeira aus dem Jahr 1846 von The Liberty Hall Museum Collection of Historic Madeira, für den ein Bieter 34.500 Euro zahlte.

Parallel zur Auktion fand die Wine Online Sale (19. November bis 5. Dezember) statt, bei der insgesamt 456.350 Euro für diverse Lose erzielt wurden. Das Online-Bieten ist zwar auf dem Vormarsch, aber reicht noch lange nicht, weder an Wert noch an Menge, an eine Live-Auktion heran. «Es ist die Atmosphäre des Raumes, es ist die Spannung, die Vibration beim Beobachten und Erleben anderer Bieter, es ist der Nervenkitzel, wenn man selbst dem Rausch erliegt oder sich zügeln muss – all diese Empfindungen kann ich mir online nicht vorstellen», wird ein Bieter zitiert, der nicht namentlich genannt werden mochte.

Der Reiz: Spirituosen der Ante-Prohibition

«Unsere beiden vorgestellten Kollektionen Madeira und Ante-Prohibition American Whiskey erzielten aussergewöhnliche Ergebnisse. Kunden aus den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt kämpften um diese seltenen Lose. Der Verkauf war ein Höhepunkt, auch vergleichbar mit einer Geburt in ihr neues Leben, für diese extrem selten und damit auch extrem begehrten amerikanischen Whiskys. Und für uns war es ebenso ein absolutes Highlight, weil die erzielte Hammerpreise unsere Schätzungen allesamt übertrafen», wird Chris Munro, Leiter der Weinabteilung von Christie´s in den New Yorker Medien zitiert.

Während der Auktion gab es ausser den Madaira und Ante-Prohibition Whiskey noch weitere Stars. Es handelte sich hierbei um feine Weine – meist seltene Burgunder von renommierten Domaines – die ebenfalls Höchstpreise erzielten. Zu den bemerkenswerten Ergebnissen zählten zwölf Flaschen von Château d’Yquem, alle Jahrgang 1959 und eingebettet in ihrer ursprünglichen Nicolas-Holzkiste, für die ein Bieter 16.150 Euro hinblätterte. Weitere zwölf Flaschen von Heitz Martha's Vineyard Cabernet Sauvignon aus dem berühmten Jahrgang 1974, ebenfalls in ihren Originalkartons, verdoppelten ihren Schätzpreis und erzielten 30.150 Euro.

Damit aber nicht genug – Die anschliessende Abend-Auktion umfasste wahrscheinlich die grösste Sammlung historischer Madeira und Spirituosen, die bisher in den Vereinigten Staaten zur Versteigerung angeboten wurden. Angeführt von The Liberty Hall Collection von seltenen Madeira, waren in den Top-Lots einzigartige Korbflaschen enthalten, die kürzlich in einem historischen Anwesen in New Jersey entdeckt worden waren, darunter ein Old Sercial Madeira, der 34.500 Euro erzielte. Die zwanzig Einzellaschen-Lots des mythischen Lenox Madeira aus dem 18. Jahrhundert zeigten ebenfalls hervorragende Ergebnisse.

Wertvolles Versteck

Warum sind gerade alte Spirituosen so wertvoll? Nun, wenn diese im Fass bleiben, dann werden Spirituosen geschmackvoller und eben auch für betuchte Geniesser wertvoller. Kommt dann noch die Prohibition ins Spiel, die von einigen Fässern und auch von Flaschen überlebt wurde, ist die Geschichte rund und eben ein begehrter Spass, sprich Investition, für Sammler. 

So endete die Auktion mit einer beispiellosen Sammlung von 100 Jahre alten Whiskys aus der privaten Sammlung des Geschäftsmannes und Bankiers Jean-Baptiste Leonis, angelegt vor den 1920er Jahren. Leonis war ein Händler, der Ende des 19. Jahrhunderts die Santa Fe Ave Mercantile Co. eröffnete und als Spirituosenhändler und Importeur in Vernon, Kalifornien, arbeitete. Christie's zufolge wurden die Whisky-Raritäten in einem Gewölbekeller entdeckt, der sich hinter Bücherregalen in Leonis Anwesen versteckten, die der Sammler vor der Prohibition eigens bauen liess, um seine Sammlung vor dem Zugriff der Regierung zu schützen. Die Lose für diese seltenen Spirituosen übertrafen die Schätzpreise um ein Vielfaches. Darunter ein Brookhill Sour Mash (1912) von J. H. Beam, der 23.320 Euro erzielte – gegenüber einem Schätzpreis von 3.350 Euro.

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