Spaliersysteme statt Getriebe

Weinindustrie rettet Autozulieferer

  • Weinindustrie rettet Autozulieferer
    Spaliersysteme retteten ehemaligen Autozulieferer. (Foto: Ocvitti)
  • Weinindustrie rettet Autozulieferer
    Reparatursets für Holzpfähle waren der Anfang. (Foto: Ocvitti)

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 24. November 2018


AUSTRALIEN (Adelaide) – Seit 35 Jahren entwickelt die australische Conma Industries Komponenten für die Automobilindustrie. Doch seit Beginn dieser Dekade ließ die in Australien produzierenden Autoindustrie nach und das Unternehmen stand vor unsicheren Zeiten. Schon zu Beginn der auslaufenden Aufträge, vor allem seitens der Automarken Holden (gehört zu GM) und Toyota, nahm Conma Industries Kontakt zu einem Zulieferer der Weinindustrie auf. Es war der Schlüssel in eine neue Branche und damit die Sicherung der Zukunft des Unternehmens.

Die Rettung

Bei Conma Industries war man auf die Verarbeitung von Metallen spezialisiert – insbesondere auf die Komponenten Walker-Auspuffsysteme und Monroe-Stoßdämpfer. "Wir kamen in Schwierigkeiten, als die Aufträge aus der Automobilindustrie nachließen", reflektiert Richard Rebbeck, General Manager von Conma Industries. "Seit ca. 2010 waren wir parallel in Kontakt mit Ocvitti. Daraus entstand eine Kooperation und somit nach und nach der Einstieg in die Produktion von Produkten für den Weinberg. Seit 2015 erleben wir einen geschäftlichen Aufschwung. Heute haben wir die Produktion von Komponenten für die Autoindustrie, nachdem erst Mitsubishi und dann Ford ihre Werke einstellten und die Produktion bei Toyota und Holden nun ausgelaufen ist, nach und nach eingestellt. Unser Fokus liegt nun ganz auf der Zusammenarbeit mit Ocvitti."

Die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Adelaide ansässigen Global-Player der Weinindustrie namens Ocvitti, ein Unternehmen, das in den 90ern mit Reparatursets für Weinbergpfähle begann und seit des Verbots der Verwendung von hölzernen Weinbergpfählen in Kalifornien zur Jahrtausendwende dann auch Spaliersysteme aus Metall in die USA lieferte, rettete bei Conma Industries nicht nur das Überleben, sondern auch fiele Arbeitsplätze. Die Produktion von Reparatursets für hölzerne Weinbergpfähle sowie die Herstellung von Spaliersystemen bedurfte mit vorhandenem Know-how in der Metallverarbeitung bei Conma Industries keiner großen Umstellung.

Die Systeme

Die Ocloc Reparaturklemmen von Covitti gibt es in vier Varianten. Sie vereinfachen den Reparaturprozess von Weinbergpfosten, die während der Bearbeitung im Weinberg beschädigt oder gebrochen wurden. Die Reparatur ist wesentlich schneller als das Auswechseln eines Pfahls und es ist zudem wesentlich billiger. Zu den wesentlichen Konstruktionsmerkmalen der Weinbergspfähle gehören weiche Drahtlöscher zur Verringerung des Drahtverschleißes, hochfester Stahl und eine Beschichtung (Legierung) aus Zink-Aluminium (Galfan), die den Pfählen und Reparatursets die doppelte Lebensdauer gegenüber von verzinktem Stahl verleiht.

Die Weinindustrie der USA und gleichermaßen Australiens bescheinigen dem Ocloc-System Flexibilität, Festigkeit und Langlebigkeit. Dies belegen auch eine Reihe von Auszeichnungen, die insbesondere die Qualität wie auch die Wiederverwendbarkeit des Systems hervorheben.

Die Statements

Neben den Reparatursets produziert Conma Industries mittlerweile auch Spaliersysteme aus Metall im Auftrag von Ocvitti. "Wir hätten keinen besseren Partner finden können", sagt Brian O´Malley, Design-Direktor bei Ocvitti und erläutert weiter: "Nach und nach werden weltweit behandelte und damit giftige Weinbergpfähle aus Holz ersetzt und wir müssen große Stückzahlen liefern. Dazu kommt, dass auch bei uns hier in Australien Ocloc-Gitterpfosten seit ca. 3 Jahren sukzessive flächendeckend in den Weinbergen installiert werden." Nach Angabe von O´Malleys sind in Australien noch rund 85 Millionen hölzerne und potenziell durch Imprägnierung giftige Weinbergpfähle in Verwendung, wovon rund 4.2 Millionen jährlich durch Metallpfähle ersetzt werden.

"Zusammen mit Ocvitti haben wir uns weltweit umgesehen und bestehende Systeme analysiert, in der Folge für den australischen Markt angepasst und einige wesentliche Verbesserungen vorgenommen", sagt Rebbeck. "Mittlerweile haben wir stark in die Forschung und Entwicklung von Fertigungsprozessen investiert und verwenden auch staatliche Mittel, die für bessere Materialien in der Weinindustrie zu Verfügung stehen."

Die Märkte

Ocvitti liefert seine Ocloc-Systeme nach Südaustralien, Tasmanien, Victoria und News South Wales sowie in die USA. In Kalifornien unterhält Ocvitti eine weitere Partnerschaft mit einem Hersteller, der Ocloc-Reparatursets für den US-Markt in Lizenz herstellt.

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