Hoffnungslos

Schmachtende US-Winzer

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 30. September 2019


USA (Washington) – Dass die US-Industrie durchs Trumps „Zollkriege“ leidet, geht momentan durch die neuesten Eskapaden ihres Präsidenten unter. Er hat jetzt andere Sorgen. Ihm droht ein Impeachment, ein  Amtsenthebungsverfahren. Nach seiner Wahl erhielt Donald Trump durchaus bewundernde Aufmerksamkeit seitens der chinesischen Politik. Seine „harte Hand“ war Chinas Machthabern irgendwie vertraut. Doch die Unberechenbarkeit Trumps, sein öffentliches, extrovertiertes Poltern und sein, aus Sicht der Chinesen, wirtschaftlich unnötiger Handelskrieg, hat Chinas Machthaber verstört.

In China ist aber auch nicht alles gut. Die Chinesen kämpfen immer mehr mit teurer werdender Produktivität. Ein Billiglohnland ist China längst nicht mehr. Schon längst werden Produktionen nach Bangladesch und Indien verlegt. Auch Nordkorea hat China als Produktionspartner im Blick, nur traut sich die chinesische Führung aus regional- und weltpolitischem Kalkül noch nicht an dieses Projekt. Währenddessen hält der Konsum in China zwar an, aber das Land steht vor einem großen gesellschaftlichen Problem, das sich in den nächsten Jahren bemerkbar machen wird – es ist die alternde Gesellschaft. Die durch die Ein-Kind-Politik geschwächte junge Generation wird den Konsum auf Dauer nicht vermehren, wenn überhaupt, halten können.

Rückständig und destruktiv

Nun ist dies wiederum nicht das Problem der US-Weinwirtschaft. Sie verzweifeln schlicht an Trumps Zollpolitik. Gerade waren Sie auf dem Weg, ihre Handels-Dependancen und Handelskontakte in China auszubauen, da hagelte es Zölle nach und nach. Die Investitionen, die zu tätigen wären, um die Zölle aufzufangen, kann die US-Weinwirtschaft nicht tragen. Die US-Winzer könnten aktuell ihre Weine nach China verschenken, dann wären diese auf dem dortigen Markt immer noch zu teuer, verdienen könnte niemand daran.

„Was wir gerade erleben, ist total rückständig und überaus destruktiv für unsere Weinindustrie“, sagt ein Sprecher von Wine America, einer in Washington DC ansässigen Weinlobby, die Weingüter in den USA vertritt. „Kleinere Weingüter betrifft es nicht direkt, sie exportieren nicht nach China, aber national gesehen, verlieren wir mit China gerade einen der attraktivsten Märkte weltweit."

Laut Wine Amerika betrug der Gesamtumsatz der US-Weinbranche im Jahr 2017 rund 220 Milliarden US-Dollar. Etwa 85 Prozent erwirtschaften die Winzer aus Kalifornien. Die Vereinigten Staaten werden zurzeit als der viertgrößte Weinproduzent der Welt geführt. In 2018 betrug der Wert des US-Weinexportes 1,46 Milliarden Dollar – wiederum die Mehrheit davon, etwa 90 Prozent der Weine, wurden in Kalifornien produziert.

„Die US-amerikanischen Weinexporteure betrachten China als eine kaum genutzte Chance, die ihnen jetzt entgeht“, heisst es vonseiten Wine Amerika. „Da China der fünftgrößte Importeur von US-Wein war, leider muss man dies so konstatieren, verpassen wir unermessliche Exporte an Chinas aufstrebende, durstige Gruppe mittleren Einkommens. Das sind immerhin beachtliche 300 Millionen Konsumenten.“

Die Gewinner

Die „lachenden Dritten“ sind die südamerikanischen Weinnationen wie Chile und Argentinien sowie die Weinindustrie Neuseelands und Australiens. Mit Beginn der Trump´schen Zollkriegs, der im Juni dieses Jahres seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, springen die Winzer des südamerikanischen Kontinents und des australischen Kontinents in die Lücke. Ihre günstigen Weine, exportiert auf Basis von gegenseitigen Handelsabkommen mit China, finden in der bevölkerungsreichsten Nation der Welt rasanten Absatz. Sie erarbeiten sich gerade einen Vorsprung, der von der US-Weinindustrie in Jahren, vielleicht auch nicht in Jahrzehnten aufgeholt werden kann.

Hinweis

Zum Vertiefen dieses Themas verweise ich auf meinen Artikel mit dem Titel: „Zölle lassen US-Weinimporte einbrechen“. Viel Vergnügen beim Lesen.

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