Weinkrieg

Trump hat ein Wein-Problem

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 13. Juni 2019


USA (Washington) – Der Handelsstreit zwischen den USA und China spitzt sich weiter zu. Jüngst führte Peking neue Strafzölle auf US-Importe ein. Auf Einfuhren im Umfang von 60 Milliarden Dollar (53,8 Milliarden Euro) müssen fortan Abgaben zwischen fünf und 25 Prozent gezahlt werden. Der Schritt wird als Vergeltung für die US-Maßnahmen gegen den chinesischen Telekomriesen Huawei.

Von den neuen chinesischen Zöllen sind rund 5400 Produkte betroffen, von Kosmetika über Kaffeemaschinen, Sportausrüstung und Musikinstrumenten bis hin zu Kondomen, Diamanten und Wein. Und gerade beim Wein knüpft der US-Präsident erneut an – nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Frankreich hat Donald Trump mit Strafzöllen auf französische Weine gedroht. In einem Interview des Senders CNBC beklagte Trump am Montag, dass auf nach Frankreich exportierte Weine aus den USA höhere Zölle erhoben würden als umgekehrt. Dies sei „nicht fair, und wir werden etwas dagegen tun“. 

Trump lobt und klagt gleichzeitig

In den USA gebe es ebenfalls „großartigen Wein“, betonte Trump, wobei sein Lob auf die Qualität der US-Weine nicht aus eigener Erfahrung basiert - er trinkt keinen Alkohol. Ob er allerdings Tropfen aus Bordeaux und der Champagne im Kühlschrank hat, um private Gäste zu verwöhnen, ist nicht bekannt, wäre aber durchaus vorstellbar. Jedenfalls hat der US-Präsident, der in der vergangenen Woche am Rande der Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zusammentraf, seinen Gastgeber nicht offen auf Strafzölle angesprochen.

Zahlen der Im- und Exporte

Tatsächlich sind die EU-Zölle auf Wein aus den Vereinigten Staaten deutlich höher als umgekehrt. Nach Angaben des Wine Institute - einer Lobbyorganisation kalifornischer Winzer - liegen sie zwischen 0,11 und 0,29 Dollar pro Flasche. Umgekehrt erheben die USA auf Weine aus der Europäischen Union laut der US-Handelsbehörde USITC Zölle von nur 0,053 bis 0,127 Dollar pro Flasche. 

Die Importe von europäischen Weinen in die USA hatten 2017 den Angaben zufolge einen Wert von insgesamt 4,5 Milliarden Dollar. Umkehrt erreichten die Exporte von US-Wein in die EU nur einen deutlich geringeren Wert von 553 Millionen Dollar. Allerdings ist die EU der größte ausländische Abnehmer von Weinen aus den USA.

Verhandlungen stehen an

Trump hatte sich bereits im November darüber beschwert, dass Frankreich im Weinhandel unfair mit den USA umgehe. Allerdings erhebt nicht Frankreich die Zölle – die Importabgaben wie die Handelspolitik insgesamt liegen in der Zuständigkeit der EU-Kommission. 

Die USA und die EU wollen demnächst in offizielle Verhandlungen über ein mögliches Handelsabkommen einsteigen. Allerdings will die EU-Kommission im Gegensatz zu Trump Agrarprodukte nicht in die Verhandlungen einbeziehen. 

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