Weinrassismus

China plant Strafzölle auf australische Weine

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 3. Dezember 2020


CHINA / AUSTRALIEN (Beijing / Canberra) – Chinas Machthaber macht nichts umsonst. Wenn das Ausland investiert oder Handel treibt, dann ist dies in der Regel nur „erlaubt“. Was sich die Chinesen dabei denken, das offenbart sich oftmals erst, wenn es an der Zeit ist. Über diese Dekade hinweg hat Australien zweistellige Millionenbeträge in die Vermarktung australischer Weine in China investiert. Viele Joint-Ventures wurden geschlossen, Vertriebswege und Repräsentationen aufgebaut. Jetzt zeigt sich, wie einerseits unsicher Abmachungen mit China sein können und wie andererseits, China konsequent die Schrauben anziehen kann.

Die chinesische Regierung hat jüngst hohe Strafzölle auf australische Weine angekündigt und damit den Streit mit Canberra weiter zugespitzt. Wegen Dumping-Preisen habe die einheimische Weinindustrie einen „wesentlichen Schaden“ erlitten, begründete das chinesische Handelsministerium den Schritt in einer aktuellen Erklärung. Die vorübergehenden Maßnahmen sollen bald in Kraft treten. Australien kritisierte den Schritt scharf.

Demnach müssen chinesische Importeure von australischem Wein Zuschläge von rund 107 bis 212 Prozent zahlen. China ist Australiens größter Handelspartner. Nach Angaben der australischen Regierung erreichten die Weinexporte nach China im vergangenen Jahr einen Rekordwert von rund 755 Millionen Euro.

Weinrassismus

Australiens Handelsminister Simon Birmingham bezeichnete die Importaufschläge als „grob ungerecht“ und „ungerechtfertigt“. Die Dumping-Vorwürfe wies er als „faktisch und substanziell falsch“ zurück. Stattdessen dränge sich der „Eindruck“ auf, China wolle gezielt „Druck“ auf sein Land aufbauen.

Die Beziehungen der beiden Länder hatten sich zuletzt verschlechtert. Nachdem Australien öffentlich Aufklärung darüber forderte, wie genau die Coronavirus-Pandemie begann, nahm Peking die australische Lebensmittelindustrie ins Visier. Rindfleischimporte von vier großen australischen Produzenten wurden ausgesetzt. Auf Gerste wurde ein Zoll von 80,5 Prozent eingeführt. Im Juni hatte Peking außerdem Touristen und Studenten geraten, Australien zu meiden. Begründet wurde dies mit angeblichem anti-asiatischem Rassismus.

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