Best of the Rest

Autochthone Piemonteser Rebsorten

Fotos: z.V.g.

Abseits der grossen Namen erlebt das Piemont seit einigen Jahren eine Renaissance seiner autochthonen Rebsorten. Im Zentrum stehen Trauben wie Cortese, Erbaluce, Timorasso, Freisa, Dolcetto, Ruché und Pelaverga. 

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Cortese gehört zu den weissen Klassikern des Piemont. Die Sorte, vor allem bekannt aus dem Gavi-Gebiet, bringt fruchtige, geradlinige Weine hervor, grosse und kleine Produzenten zeigen aber heute auch, dass die Sorte deutlich mehr Tiefe und Langlebigkeit entwickeln kann. Ihre Frische und elegante Zurückhaltung passen erstaunlich gut in eine Zeit, in der Alkoholreichtum und Opulenz immer weniger gefragt sind. Eigenständig präsentiert sich auch Erbaluce, vor allem im Gebiet von Caluso: Die Sorte gilt als eine der charaktervollsten weissen Reben Italiens. Ihre markante Säure macht sie vielseitig: trocken ausgebaut, als Schaumwein oder in Form des traditionsreichen Passito. Die vielleicht spektakulärste Wiederentdeckung des Piemont heisst jedoch Timorasso. Beinahe verschwunden, wurde die weisse Sorte in den Hügeln der Colli Tortonesi von visionären Winzern wie Walter Massa zurückgebracht (mehr dazu in unserer Repo über das weisse Piemont in VINUM 04/2026).

Bei den roten Trauben zeigt sich die Vielfalt des Piemont besonders eindrucksvoll: Brachetto zum Beispiel wird im Südosten der Region rund um Acqui Terme zu spritzigen Schaumweinen oder Passiti gekeltert. Dolcetto liefert vor allem rund um Dogliani, aber auch in Diano d´Alba fruchtbetonte, kirschige Weine mit moderater Säure und weichen Tanninen, die oft überraschend langlebig sind.

Freisa ist vermutlich eng mit Nebbiolo verwandt, und bringt tanninreiche, lebendige Weine hervor, die früher oft leicht süss oder perlend ausgebaut wurden. Moderne Interpretationen setzen dagegen auf Komplexität und Eleganz. Noch aromatischer wird es bei Ruché. Die seltene Sorte aus dem Monferrato besitzt beinahe extravagante Duftnoten: Rosenblätter, Gewürze, manchmal Orangenschale betören in der Nase. Ein Nischenwein ist auch Pelaverga: Angebaut rund um Verduno in den Langhe, entstehen daraus helle, filigrane Rotweine mit pfeffriger Aromatik.

Aber eines haben alle diese Trauben, ob weiss, ob rot, gemein: Sie sind tief in der Geschichte Norditaliens verwurzelt und sind zugleich erstaunlich zeitgemäss. Bei Grandi Langhe, der En Primeur-Veranstaltung der Piemonteser Weine in Turin, konnten wir eine Reihe von Vertretern dieser Rebsorten verkosten. Hier eine kleine, aber feine Auswahl.

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