Torismus & Reisen #weinheimatwürttemberg #weinreise #weinerlebnis

Vo der Gaschdschdub bis zom Rebschdogg

Text: Eva Maria Dülligen, Fotos: Thomas Kiehl, Antje Seeling, Carsten Götze, anzock photographY, Michael Mayer, SAT/Th. Rathay, Achim Mende, z.V.g

Mittlerweile hat sich das Netzwerk «Weinsüden Weinorte» fest verankert. Das liegt nicht zuletzt an der exzellenten Auswahl jener Weindestinationen, die Genussurlaubern das volle Programm bieten: von der Gaststube mit Lokalkolorit bis zum Weinlehrpfad mit Schnappatmungspanoramen. Metzingen, Brackenheim und Vaihingen an der Enz sind die nächsten Weinparadiese in dieser Reihe.

Die Weinsüden Weinorte laden zum Verweilen, Genuss und Erleben ein. Stets im Mittelpunkt: der Wein. Mittlerweile tragen bereits 53 Städte und Gemeinden das Gütesiegel «Weinsüden Weinorte» und helfen dem Urlauber, «seine» ganz spezielle Weinregion mit deren typischen Rebsorten, Geschichte des Weinbaus und einzigartiger Landschaft zu entdecken. Nicht zu vergessen die ungezwungenen Begegnungen mit den Menschen vor Ort, mit denen man in gemütlicher Atmosphäre bei einem Schoppen Wein über Gott und die Welt philosophieren kann. Obwohl nicht weit voneinander entfernt, bietet jede dieser Weinregionen natürlich ihren ganz besonderen Charme und Charakter.

So präsentieren wir Ihnen wieder drei attraktive Weinorte, die mehr als einen Besuch wert sind. Begleiten Sie uns nach Vaihingen an der Enz, die als «Internationale Stadt der Rebe und es Weins» die gesamte Palette der württembergischen roten und weißen Rebsorten bietet. Auch in Brackenheim, der größten Weinbaugemeinde Württembergs und Geburtsstadt von Theodor Heuss, spielt die Weinkultur seit jeher eine tragende Rolle. Zahlreiche Angebote rund um das Thema Wein – von der klassischen Weinprobe bis hin zu speziellen Weinerlebnistouren – machen Lust auf mehr. Klein, aber fein lautet dagegen die Devise in Metzingen, der kleinsten Weinbaugemeinde des Weinlandes Württemberg, die sich seit dem Herbst 2020 mit dem Gütesiegel «Weinsüden Weinort» des Tourismusnetzwerks Baden-Württemberg (TMBW) schmücken darf. Als südlichste Weinbaugemeinde ist Metzingen außerdem zugleich Anfang und Ende der Württemberger Weinstraße. Auf geht’s – in die dritte Runde unseres Weinort-Hoppings im Süden.


Tipp 1

Dreiklang auf dem Smartphone

Unter strahlendem Himmel fühlt man sich auf dem Marktplatz von Vaihingen wie in der schwäbischen Toskana. Und die wild fotografierenden Tagestouristen fangen unermüdlich den «Vaihinger Dreiklang» mit ihren Smartphones ein. Das architektonische Ensemble wird von einem Stadtführer kommentiert: «Das Rathaus zu unserer Linken symbolisiert die bürgerliche Hoheit, rechts daneben stellt die evangelische Stadtkirche die klerikale Hoheit dar und dort oben sehen wir in Form von Schloss Kaltenstein die weltliche Hoheit.»

Als Startpunkt unserer «Weinsüden Weinorte»-Tour eignet sich der Marktplatz im mittelalterlichen Stadtzentrum bestens. Geprägt von bilderbuchhaften Fachwerkbauten, teils aus dem 12. Jahrhundert, lockt Vaihingen von hier zur reizvollen Genuss-Kultur-Reise. Rahmende Kulisse des Weinortes bilden Reste der antiken Stadtmauer und der 1492 erbaute Pulverturm. Wir kehren in einer Weinstube ein. Zwischen Lemberger und Trollinger schwankend, fällt die Wahl auf einen Lemberger, der sich wenig später mit seinem Pfefferl königlich zur Tellersülze vom Hochlandrind macht. Vaihingen an der Enz trägt seit 1987 offiziell den Titel «Internationale Stadt der Rebe und des Weins». So liegt es nahe, dass der Ort über einen Weinlehrpfad verfügt: Über drei Kilometer wandern wir durch die idyllische Landschaft des Klosterbergs. Hinweistafeln erläutern die unterschiedlichen Facetten des Weinbaus und auch, welche Eidechsen und Salamander sich in den Terrassenmauern wohlfühlen. Und zwischendurch kann man den Blick von bestimmten Punkten bis zur Schwäbischen Alb, den Löwensteiner Bergen und in das mittlere Neckartal schweifen lassen. Nördlich von diesem Rundweg liegt der nicht minder attraktive Rotweinlehrpfad, den wir morgen abwandern werden.

Der passende Wein

Lembergerland Kellerei Rosswag

401 Herzblut 2019

13 Vol.-%

«401» steht für die Anzahl der Stäffele, hochdeutsch: Stufen, vom Enz-Ufer bis zu den höchsten Weinbergmauern.
Und dieses «Herzblut» vermählt den heimischen Lemberger mit den internationalen Rebsorten Merlot und Cabernet Sauvignon: mediterrane Kräuter im Duft, geräucherte Veilchen treten hinzu. Herrlich zum marinierten Rehgulasch.

Preis: 12,50 Euro

www.lembergerland.de


Tipp 2

Freies Atmen in der Heuss-Stadt

Sätze wie «Ohne die bürgerliche Freiheit können wir nicht atmen» haben heutzutage brennende Aktualität. Der Zitat-Urheber Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident und begeisterter Weinfreund, kam in Brackenheim zur Welt. Bevor wir ins ihm gewidmete Museum seiner Geburtsstadt gehen, stärken wir uns im Gasthaus «Hotel Adler». Regionalen Charme versprüht die familiengeführte Traditionsgaststube, wärmende Sonnenstrahlen ziehen uns in den hübschen Innenhof, wo wir zarten Zwiebelrostbraten mit Spätzle vom Brett genießen. Dazu mundet eine Lemberger Spätlese des Weinkonvent Dürrenzimmern: Geschmeidiges Tannin und dunkle Beerenfrucht konturieren das saftige Schmorfleisch. Auch das hausgemachte Rosmarineis mit Aprikosenragout ist ein Genuss. Doch die Karten fürs Theodor-Heuss-Museum wollen eingelöst werden. Im ehemaligen Obertorhaus kommt man dem liberalen Politiker näher – als Staatsmann, Literat und Journalist mittels Bild- und Tondokumenten, Filmen und ausgewählten Exponaten.

Aufgeladen vom demokratischen Geist des berühmtesten Städtesohns, geht es weiter zum kombinierten Natur- und Weinlehrpfad im Zweifelberg. Die Brackenheimer Lage, deren Bodenformationen Keuper und Buntsandstein sich an Felswänden erfassen lassen, gibt immer wieder den Weitblick über das Heilbronner Land frei. 160 Schautafeln geben Einblick in Rebsorten, Weinbau oder die heimische Vogelwelt. Wer Glück hat, erheischt auf dem zwei Kilometer langen Themenweg eine vorbeihuschende Smaragd- oder Bergeidechse. Garantiert ist auf jeden Fall eine vinologische Kostprobe an der Alten Weinberghütte, wo «am Wochäend bwirted isch», wie uns ein vorbeiwandernder Schwabe mitteilt. Den Wein-to-go am Ausschank mit Aussichtskanzel – ein Lemberger der Lage Zweifelberg – lasse mir uns freilich ned entgeha.

Der passende Wein

Weinkonvent Dürrenzimmern

2018 Lemberger Edition
Cellarius – Eichenfass

14 Vol.-%

Die Nase gibt zarte Herzkirschnoten frei. Dahinter Nuancen von Küchenkräutern und Lavendel. Geschmeidiges Tannin am Gaumen, gutes Gleichgewicht von subtiler Süße und eingewobener Säure. Glatte, leicht schmelzige Struktur, viel dunkle Waldbeeren. Perfekter Partner zu geschmorten Wildgerichten.

Preis: 11,50 Euro

www.weinkonvent-duerrenzimmern.de


Tipp 3

Der schwäbische Vulkan

Metzingen ist quasi auf einem Vulkan gebaut. Umgeben von Vulkanbergen, deren Untergrund massenhaft Fossilien aus dem Urmeer birgt, liegt dieser Weinort am Fuß der Schwäbischen Alb, am Eingang zum Ermstal. Absoluter Besuchermagnet ist das historische, denkmalgeschützte Ensemble der sieben Keltern auf dem Kelternplatz, wo es an sonnigen Tagen wie in einem Bienenstock zugeht. Unter einem der Fachwerkdächer hält die Vinothek ein ansehnliches Angebot der hiesigen Weingärtnergenossenschaft zum Verkosten und Kaufen bereit: vom ehrlichen Qualitätswein bis hin zur in der Barrique ausgebauten Cuvée der umliegenden Weinberge – die übrigens zu den höchsten Württembergs gehören. Nachdem wir Chardonnay und Bio-Spätburgunder Brauner Jura sowie den Silvaner Vulkantuff in der Vinothek verkostet haben, zieht es uns zu ihren Wurzeln, in die von der UNESCO zum Biosphären-Reservat geadelte Kulturlandschaft mit ihrem Weinerlebnisweg. Kern dieser Weinberge bilden 17 Millionen alte Basalttuffschlote. Die mineralischen Böden sind auf 30 Hektar Heimat für rund 20 verschiedene Rebsorten mit dem Fokus auf Spätburgunder, Müller-Thurgau und Silvaner. Ein Wegabschnitt klärt über den «Duft im Weinberg» auf. Wildwachsende Heilkräuter wie Lavendel, Thymian oder Wermut verströmen intensiven Duft und prägen später die Weine. Tafeln porträtieren den Weinbergspfirsich, die aromatische Wildform der Steinfrucht. Am liebsten würde man hier den herrlichen Spätsommertag im Rebenmeer ausklingen lassen. Doch das Weinbau-Museum in der Altstadt, das eine Weinzeitreise bis ins 11. Jahrhundert, 27 Stationen durch die regionale Weinbaugeschichte und einen 350Jahre alten zwölf Meter langen Kelterbaum verspricht, steht noch auf dem Programm: Hier kann man tausendjährige Weinbautradition einatmen.

Der passende Wein

Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen e.G.

2019 Vulkantuff – Silvaner

12 Vol.-%

In der Tat legt sich ein winziger Vulkan auf die Zunge. Bereits in der Nase rauchige Anklänge und Nuancen von getoasteten blauen Blüten. Weicher Gaumen, Kräuterwürze, die ihn durchdringt. Mittelschwerer Körper, langes ausgewogenes Finish. Helle Freude bereitet der schwäbische Vulkan-Wein zu frittiertem Geflügelfleisch.

Preis: 12,50 Euro

www.wein-metzingen.de