World of Champagne 2023 • Le Mesnil – Grand-Cru-Dorf mit Charakter

Pierre Moncuit

mit Valérie Charpentier, Fotos: z.V.g.

Sie ist in Le Mesnil aufgewachsen und kennt die Böden der Grand-Cru-Gemeinde der Côte des Blancs wie ihre Westentasche. Besonders stolz ist Valérie Charpentier auf ihren beeindruckend mineralischen Rosé.

Man fragt mich ab und wann, warum ich nach meinem Studium sofort zuhause eingestiegen bin, um mit meiner Mutter, Nicole Moncuit, zu arbeiten. Ich stelle die Frage andersrum: warum nicht? Ich bin mit dieser Idee gross geworden. Ich habe immer in diesen Gebäuden gelebt. Ich kann mir gar nichts anderes wünschen.
Le Mesnil ist nicht nur ein besonders pittoreskes Dorf, es verfügt auch über ein einmaliges Terroir, besonders im zentral gelegenen Teil mit seinem hohen Anteil an Kreide. Wir besitzen 18 Hektar hier, die wir traditionell bestellen (wir sind für hohe Umweltverträglichkeit zertifiziert) und ernten Trauben, die beeindruckend charaktervolle Grundweine ergeben und Champagner mit ausgesprochener Rasse und Mineralität. Unsere Weine besitzen Struktur und Gehalt. In ihrer Jugend mögen sie daher recht verschlossen oder gar abweisend wirken. Erst mit der Reife entwickeln sie mehr Rundheit und Eleganz, was ihre besondere Spannkraft und Länge erst ins rechte Licht rückt. Unsere Weine reifen daher länger als andere. Andere Dörfer wie Cramant oder Chouilly mögen trotz ähnlicher Mineralität etwas gefälligere, fruchtigere Champagner ergeben.

Eine Spezialität ist mein Grand-Gru-Rosé, auf den ich besonders stolz bin. Er besteht aus 85 Prozent Chardonnay aus Le Mesnil und 12 bis 15 Prozent Pinot Noir aus Bouzy. Was ich daran schätze, ist die Tatsache, dass die sprichwörtliche Mineralität und Frische unserer Weine erhalten bleibt, aber durch die delikaten Akzente roter Beeren zugänglicher und fruchtiger wirkt. Der Anteil an Pinot Noir ist bewusst knapp gehalten. Wir wollten einen hellen Rosé, der seine Herkunft nicht verleugnet. Die Idee, zwei der besten Terroirs der Champagne zu einer Cuvée zu verbinden, war besonders fesselnd. Wir produzieren diesen Rosé schon länger, doch wir haben ihn kaum je erwähnt. Dass er dennoch grossen Erfolg hat, sowohl im In- wie im Ausland, und die produzierten 10 000 bis 12 000 Flaschen kaum die Nachfrage decken, spricht für seine Qualität.