World of Champagne 2021 • Premier Cru aus Saint-Émillion

Château Canon verkostet

Was hat ein Premier Cru aus Saint-Émilion mit Champagner gemein? Ganz einfach: Seine Reben wachsen auf besonders kalkhaltigen Böden. Wie sich das auf den Wein auswirkt, illustriert unsere exklusive Vertikale.

Nicolas Audebert hat einen ganz besonderen Bezug zur Champagne. Seine Sporen hat er sich unter anderem bei Krug verdient. Heute leitet er als Generaldirektor Château Canon in Saint-Émilion, seit 1996 im Besitz der Chanel-Gruppe, und Château Rauzan-Segla in Margaux. Canon, ein Premier Cru ganz oben auf dem Plateau gelegen, ist ein Saint-Émilion par excellence, mit unvergleichlichen Böden, die einen hohen Anteil von reinem Kalk haben. Finesse, Eleganz und Frische sind die wichtigsten Attribute dieser besonderen Lage. Der Vergleich mit der Champagne drängt sich auf.

«Die Verkostung belegt klar: Canon beeindruckt nicht durch Masse, sondern durch Schliff und Frische.»

Nicolas Audebert

Nicolas Audebert: «Hier entstehen nicht muskulöse Weine, die mit Masse beeindrucken und Preise einheimsen. Canon ist ein graziler, filigraner Wein für die Tafel, auch wenn er ewig reifen kann. Der Aspekt der Gastronomie ist für uns entscheidend. Darum haben wir einen Küchenchef eingestellt, Jean Baptiste Depons. Seine Aufgabe ist es, unsere Weine ins richtige gastronomische Licht zu setzen.» Jean Baptiste arbeitet eng mit Nicolas und Stéphane Bonnasse zusammen. Letzterer ist seit 20 Jahren für die Weinbereitung von Canon zuständig und kennt das Gut und seine Böden wie kein anderer. «Dieser Austausch ist enorm wichtig. Wir verlassen so die Aspekte des besten und des weniger guten Jahrgangs und interessieren uns für die Unterschiede.» Denn jeder Jahrgang eignet sich in jeder Phase seines langen Lebens als Begleiter anderer kulinarischer Kompositionen.

Nicolas hat es sich zur Gewohnheit gemacht, die Weine von Canon in fünf Gruppen einzuteilen. Die «Ästheten» sind meisterhafte Weine mit ausgeprägter Struktur. Die «Fleischigen» besitzen grössere Reife und Grosszügigkeit. Die «Extremen» stammen aus Jahren mit grossen Gegensätzen zwischen Einfluss von Jahrgang und Terroir. Die «Seiltänzer» balancieren gefährlich, aber geschickt zwischen Gegensätzen. Die «Eleganten» sind stimmig und besonders harmonisch. Für den exklusiv für unsere Leser zusammengestellten Quervergleich hat Nicolas Jahrgänge ausgesucht, die besonders repräsentativ sind und – zum Teil trotz ihrer Jugend – bereits munden. Das gilt ganz besonders für den zweiten Wein des Gutes, Croix Canon 2016, zum Abschluss aus der Magnum serviert (weil eine Flasche viel zu schnell zu Ende ist, meinte Nicolas), ein Wein von besonderem Charme, mit der gleichen Präzision erarbeitet wie Canon, doch ganz auf Fruchtigkeit und Trinkigkeit ausgelegt.

Hier in Kurzform die Notizen:

Canon 1985, der Elegante:

Das betörende Bouquet von Trüffel, Röstnoten sowie Mokka und die samtenen Tannine deuten auf ein Jahr grosser Reife, doch das besondere Terroir von Canon sorgt für erstaunliche Frische. Jean Baptiste serviert dazu ein Kalbstartar mit Kaviar der Region und Craquant (Salzgebäck) von Haselnuss und Kräutercreme.

Canon 2005, der Extreme:

Noch ein Jahr grosser Reife, das einen grosszügigen Wein mit präsenter Struktur, die Schliff durch besondere Mineralität erhält, ergeben hat. Noten von Pflaume und schon fast mediterrane Fülle rufen nach einer besonderen kulinarischen Komposition: im Fett eingekochtes Freilandschwein mit Langustinen, knackigem Salzgemüse und Bouillon mit grüner Zitrone.

Canon 2010, der Ästhet:

Grosser, klassischer, gut strukturierter Jahrgang mit besonderem Potenzial, konzentriert und damit lange verschlossen, doch immer mit der Canon-Frische, beginnt sich zu öffnen. Zu einem über Rebholz grillierten Wolfsbarsch mit gebratenen Schalotten und Rosmarin-Kartoffeln.

Canon 2011, der Elegante:

Dieser lange verkannte Jahrgang illustriert überzeugend, dass Masse nicht alles ist, besonders bei diesem Cru! Präzise gezeichnet, stilvoll, fruchtig, aromatisch sehr komplex mit seinen delikaten Gewürz- und Kräuternoten. Gehört zu den Lieblingen der Verkostung. Zu gebratenem Perlhuhn mit Steinpilzen, Sellerie-Teigtaschen und karamellisierten Zwiebeln.

2015, der Fleischige:

Beeindruckend grosszügiger vollmundiger Wein, explosiv und opulent – doch die Verkoster sind sich einig: kein Wein mit ausgeprägter Canon-Typizität. Zu einer kräftigen Komposition wie gebratener Ente mit schwarzen Trüffeln und Kartoffelstock.

Canon 2016, der Ästhet:

Ganz grosse Klasse! Tannin mit Schliff, Fruchtigkeit, aromatisches Potenzial. Alles sitzt genau richtig in dieser exquisiten Flasche. Einer der besten je abgefüllten Canon! Zu dem jungen Wein wählt der Chef ein knuspriges Gebäck mit schwarzer Schokolade und kurz pochierten Kirschen mit Balsamico und Pfeffer.

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