Profiteure des Klimawandels

Südländische Weine auf Weltreise

Text & Verkostung: Miguel Zamorano; Fotos: VINUM

Tempranillo, Sangiovese und Touriga Nacional haben auch fern ihrer Heimat ein Zuhause gefunden. Doch verglichen mit den französischen Rebsorten, die fast sturmartig die Welt eingenommen haben, führen Portugiesen, Spanier und Italiener auf dem weltweiten Rebberg eher eine Schattenexistenz. Dabei sind sie Profiteure des Klimawandels.

An so manche Verkostung erinnert man sich noch Jahre später. Weil die Weine einen beispielslos verführten und dabei immer wieder schwärmerische Erinnerungen hervorrufen. Oder weil die angestellten Weine verblüffend anders waren. So anders, dass man noch Jahre später an dieser einen Erinnerung leidet: Was war jener Wein doch grauenvoll!

Geschehen ist das bei einer Blindverkostung vor einigen Jahren, bei der rebsortenreine Weine aus aller Welt auf den Tisch kamen. Allerdings gekeltert aus französischen, spanischen und italienischen Trauben, die allesamt als nationale Königsreben gelten: Cabernet Sauvignon, Tempranillo und Sangiovese. An den Cabernet Sauvignon aus Ecuador (!) erinnere ich mich mit Freude. Beim Tempranillo aus Deutschland zieht sich mein Magen zusammen. Niemand der Anwesenden leerte das Glas – dieser Wein war wirklich scheusslich.

An was hat man sich heute in der Weinwelt nicht schon gewöhnt: Schaumwein aus Dänemark und Wein aus Granitfässern; Prickler, die am Meeresboden reifen und im Muschelkleid entkorkt werden. Bald also auch an Tempranillo aus Deutschland?

Es fällt auf, dass unter den drei südeuropäischen roten Königsreben tatsächlich nur der Cabernet Sauvignon den weltweiten Durchbruch geschafft hat. Tempranillo und Sangiovese führen ausserhalb Spaniens und Italiens eine Existenz im Schatten anderer französischer oder autochthoner Sorten. Einzelne Projekte wurden zudem in den vergangenen Jahren heruntergefahren. Etwa bei Piero Antinoris Napa Valley-Weingut Antica, das einst 80 Hektar Sangiovese bewirtschaftete. «Wir stellten fest, dass Cabernet Sauvignon auf diesen Lagen den besseren Wein hervorbringt», teilt uns der Marchese mit. Nun sind nur noch drei Hektar mit der toskanischen Rebe bestockt.

Lokalen Sorten wird es zu heiss

Es ist nicht so, dass die Welt auf deutschsprachigen Tempranillo gewartet hätte. Schliesslich taucht die spanische Königsrebe bereits unter den Top Fünf der meistangebauten Rebsorten weltweit auf. 88 Prozent der weltweit gut 231000 kultivierten Hektar gedeihen laut OIV in Spanien. In Deutschland wächst die Rebe nach Angaben des Deutschen Weininstituts auf gerade mal 13 Hektar – die Pfalz ist die Region mit dem meisten Tempranillo. Sangiovese spielt in der Schweiz, Deutschland und Österreich kaum eine nennenswerte Rolle, in den Statistiken taucht die Sorte erst gar nicht auf.

Was ja nicht so verwunderlich ist. Der Trend der letzten Jahre folgte schliesslich strikt der Losung: Think global, drink local. Dieser Idee folgend kommt alles auf den Tisch und ins Glas, was vorwiegend in einem Umkreis von weniger als 50 Kilometern angebaut, gelesen und geerntet wird. Es war und ist der Erfolgszug der lokalen Sorten, der autochthonen Reben, die allerorts gar die internationalen Sorten vom Aufmerksamkeitspodest drängten.

Die Frage ist nur: Wie lange noch? Es ist schliesslich kein Geheimnis, dass sich viele Winzer auf der Nordhalbkugel jetzt schon mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen müssen. «Langfristig werden Riesling, Burgunder und Co. es schwer haben in Deutschland», erklärt Martin Bauer vom Weingut Emil Bauer & Söhne aus dem pfälzischen Nussdorf. «Mit langfristig meinen wir in 20 bis 30 Jahren, und wenn sich der Klimawandel in der Geschwindigkeit weiterentwickelt, wird es so lange nicht dauern.» Werden also Tempranillo und Sangiovese die lokalen Sorten dort verdrängen, wo diese Platzhirsche immer komplizierteren klimatischen Bedingungen ausgesetzt sind?

Winzer Matthias Gaul aus der Pfalz musste sich diese Frage stellen, als er über das Schicksal einer südlichen Lage in Asselheim entscheiden musste, die mit 60 Jahre altem Portugieser bestockt war. «Die Pflanzen machten mir nur Ärger», erklärte Gaul – zu heiss, zu wechselndes Wetter, und trotz des Ausdünnens kam nicht die gewünschte Qualität zustande. Die Folge: Der Portugieser musste dem Spanier weichen, Gaul baute fortan Tempranillo an.

Im württembergischen Hessigheim griffen die Winzer aus ähnlichen Erwägungen zu italienischen Sorten – zu heiss sind dort mittlerweile die Steillagen für den Trollinger, den Lokalmatador. Wobei: Trollinger muss ja auch irgendwann mal aus Südtirol eingewandert sein.

So wie einst Tempranillo, Sangiovese und andere Sorten Südeuropas in die Neue Welt gelangten. In Australien und den USA etwa wird die Rebsorte Sangiovese bereits seit mehreren Jahrzehnten angebaut, italienische Einwanderer brachten sie Ende des 19. Jahrhunderts mit. Zahlreiche Winzer halten an dieser Tradition fest, allerdings zielen viele dieser Projekte klar auf den lokalen Markt. Die Mehrheit der Übersee-Erzeuger, die wir für diesen Artikel anschrieben, winkte bei der Probenanstellung freundlich ab. «Wir erzeugen diesen Wein exklusiv für unseren Heimatmarkt, für mehr reicht einfach die Menge nicht», war eine häufige Antwort auf unsere Anfrage.

Für einige Projekte in der Alten Welt gelten ähnliche Bedingungen. Zum Beispiel am Genfersee. Hier kultiviert der Winzer Christian Guyot eine Parzelle mit Tempranillo, nachdem er in Dão einige Jahre mit dem portugiesischen Äquivalent Tinta Roriz Erfahrung sammelte. Allerdings muss sich der Tempranillo am Genfersee in einer kälteren Umgebung behaupten, die ihm besonders während der Wachstumsphase Schwierigkeiten bereitet. «Echter und falscher Mehltau machen Ärger», erklärt Guyot, «und dann müssen wir die Reben extrem ausdünnen, damit wir überhaupt einen brauchbaren Ertrag haben.» Die Folge: Bis zu 90 Prozent der Trauben werden weggeschnitten.

Weine dürfen nicht zu billig sein

Dass nicht alle südländischen Rebsorten ausserhalb ihres Mutterlandes fröhlich gedeihen, erfuhr auch Winzer Matthias Gaul aus Grünstadt-Asselheim. Er sammelte Erfahrung mit Primitivo, der Erfolgssorte aus Apulien. Doch nach fünf Jahren stellte Gaul das Experiment wieder ein: «Ich hatte nichts als grüne Beeren am Stock.»

Schwer vorstellbar also, dass Tempranillo, Sangiovese und Co. in Mitteleuropa mittelfristig zur Nummer eins werden. Zumal diese Sorten, die in ihren Heimatländern den Winzern reiche Erträge bescheren, in Mitteleuropa ihre Marktfähigkeit noch beweisen müssen. Praktisch alle Weine dieser Sorten, die wir verkostet haben, sind ab 15 Euro aufwärts zu haben, auch die von ambitionierten Genossenschaften. Winzer Gaul: «Man kann Tempranillo natürlich auch auf Menge trimmen, er bringt ja von sich aus viel Ertrag mit.» Doch möchte man solche Weine trinken?

Eins ist sicher: Allen auf den folgenden Seiten verkosteten Weinen wünscht man, dass sie mal in eine Blindprobe geschmuggelt werden. Als Piraten sozusagen, auf dass sie neben echten Spaniern und echten Italienern verkostet werden. Den Vergleich müssen sie auf jeden Fall nicht scheuen.

SANGIOVESE

Coriole Vineyards, Mc Laren Vale

Bei Coriole haben sie nicht erst auf den Klimawandel gewartet, bis sie sich an das Experiment Sangiovese wagten. «Wir haben die ersten Rebstöcke 1985 gepflanzt und kultivieren damit den ältesten Sangiovese-Weinberg in Australien», schreibt uns Senior Winemaker Duncan Lloyd. Das Ziel: einen schlankeren Rotwein zu keltern, als Gegenpart zum Shiraz, der damals gemeinsam mit Cabernet Sauvignon die südaustralische Mc-Laren-Vale-Region dominierte. Das Experiment scheint sich ausgezahlt zu haben. «Der Wein zählt zu unseren Bestsellern», so Lloyd, «auch weil unsere Kunden ihn gut mit mediterran angehauchtem Essen kombinieren.»

Coriole Vineyards, Mc Laren Vale

McLaren Vale Vita Sangiovese Reserve 2016

17.5 Punkte | 2021 bis 2023

Rote Stachelbeere, Maggikraut, Brennnesseln – enorme Aromendichte. Am Gaumen kräftig und voller Aromenkonzentration, trotz des Alkohols schlank, begleitet von saftiger Säure und einem seidigen Tannin. Endet in Haselnuss-Aromen. Ein Speisebegleiter.

www.coriole.com

exNicrum, Weinmanufaktur Württemberg

In Hessigheim am Neckar hat sich Winzer Karsten Faschian einiges vorgenommen. Aus der Tatsache, dass in den Steillagen aus Muschelkalk der heimische Trollinger unter der steigenden Hitze leidet, folgern einige Winzer: Südländische Rebsorten müssen her. Gemeinsam mit anderen Winzerkollegen setzt Karsten Faschian das Projekt Consortium Montis Casei um: Seinen Sangiovese pflanzte Faschian 2016 auf dem Käsberg, die Cuvée wird mit etwas Merlot komplettiert. Das Vorbild: ganz klar die Toskana.

exNicrum Weinmanufaktur, Hessigheim

Sangiovese trocken 2018

16 Punkte | 2021 bis 2024

Zunächst sehr verhalten, benötigt eine Menge Luft. Getrocknete Cranberries und Kirschen, etwas Maroni. Am Gaumen eine dezente Kirschfruchtaromatik, mit sehr seidigem Tannin und einer frischen Säure, die begleitet wird von einem laktischen Schmelz. Im Abgang Brotkrustenaromen. Spannend, komplex.

36 Euro | www.exnicrum.com

Weingut Emil Bauer & Söhne, Pfalz

Mit ihrem Sangiovese möchten die Bauer-Brüder nicht nur den Gaumen und die Sehnsucht der Italien-Urlauber befriedigen. In einer Zeit, in der man nicht reisen kann, wäre das ja schon viel. Martin Bauer aber sagt: «Wir wollen mit Rebsorten arbeiten, die langfristig bei uns ohne Probleme wachsen und gedeihen.» Entsprechend haben die Pfälzer ihr Sortiment erweitert – mit Sangiovese, Barbera, Nebbiolo, Malbec, Petit Verdot, Carménère, Grenache, Mourvèdre, Cabernet Franc, Shiraz, Merlot, Cabernet Sauvignon und den weissen Sorten Viognier, Chenin Blanc und Sémillon.

Weingut Emil Bauer & Söhne, Landau

Sangiovese Altor 2017

17 Punkte | 2020 bis 2025

Himbeere, Herbstlaub und Maroni in der Nase. Kühler, dezenter Auftakt, spannender Säurebogen, sehr prononciertes Tannin. Zeigt Länge im Abgang, Frische und ein Hauch Amarenakirsche sowie Leder. Gewinnt mit Luft an Komplexität.

45 Euro | www.bauerwein.de

De Bortoli, Bilbul

In Australien gibt es für die Rebsorten jenseits des Mainstreams einen eigenen Wettbewerb: die Australian Alternative Varieties Wine Show. Jenseits des Mainstreams bedeutet im australischen Kontext wohl: alles, was nicht Shiraz und Cabernet Sauvignon ist. Die Show hat ihren Ursprung bei einem Wettbewerb für italienische Rebsorten aus Down Under. De Bortoli reicht seinen Sangiovese, dessen 2015er Jahrgang zehn Monate in gebrauchten Eichenfässern reifte, regelmässig ein. De Bortoli zieht den Sangiovese auch als Rosé auf die Flasche.

De Bortoli, Bilbul

King Valley Bella Riva Sangiovese 2015

17 Punkte | 2021 bis 2023

Ein prononciertes Bouquet: Sauerkirsche und dunkle Waldfrucht sowie Gewürzaromen. Im Auftakt zupackend und fruchtkonzentriert, prächtig strukturiert und unterlegt von einer präsenten Säure, die dem Wein viel Saftigkeit verleiht. Sehr lang im Abgang, in dem das feinkörnige Tannin zum Vorschein tritt.

www.debortoli.com.au

La Siseranche, Chamoson

Sangiovese aus dem Wallis? Für Winzer Maurice Giroud, der hier seit 1965 tätig ist, nichts Besonderes. Überhaupt macht der Winzer kaum Aufsehen, auch wenn er gute Gründe dafür hätte, seine Pionier-Rolle in den Vordergrund zu stellen: Er gehörte zu den Ersten, die hier Syrah anbauten, und war einer der Ersten, die Versuche mit Likörweinen machten. 2007 pflanzte Giroud schliesslich Sangiovese. «Wenn man ihn strikt am Stock reduziert, erhält man einen grossartigen Wein», erklärt er. Recht hat er.

La Siseranche, Chamoson

Sangiovese Das S von Siseranche 2019

17 Punkte | 2021 bis 2026

Schwarzkirsche, Süssgebäck und Haselnüsse – eine beeindruckende Komplexität. Am Gaumen kräftig gebaut und mit voller Konzentration, intensiv. Feiner Schmelz, Karamellkeks im langen Abgang.

20 Franken | www.siseranche.ch

Seghesio Family Estate, Sonoma County

Was wäre der US-amerikanische Weinberg ohne die Einwanderer aus Italien? Eines der Häuser, das zweifelsohne zur kalifornischen Weingeschichte beitrug, ist das Seghesio Family Estate aus dem Alexander Valley, gegründet Ende des 19. Jahrhunderts vom piemontesischen Auswanderer Edoardo Seghesio. Berühmt wurden die Kalifornier dank ihres Zinfandels, doch bereits 1910 pflanzten
sie die ersten klassischen Toskana-Rebsorten und sind damit Besit-zer des vermutlich ältesten Sangiovese-Weinbergs in den USA.

Seghesio Family Estate, California

Sonoma County Sangiovese 2012

17.5 Punkte | 2021 bis 2023

Im Glas helle kirschrote Robe, ziegelroter Rand. Das Bouquet zeigt reife Aromen von Himbeerkompott, Medizinalkräutern und Zedernholz, alles sehr gut aufeinander abgestimmt und mit einer fast erhabenen Intensität. Mit der Zeit kommt feuchter Waldboden hinzu. Straff im Auftakt, mit messerscharfer Säurestruktur und einem sehr seidigen, feinkörnigen Tannin, das sich im Abgang mit einer satten, warmen Kirschfrucht verbindet und lange nachhallt. So gut wie auf dem Höhepunkt. Was für Liebhaber.

www.seghesio.com

TEMPRANILLO

Christian Guyot, Bernex

Winzer Christian Guyot unternimmt am Genfersee ein fast unmögliches Unterfangen. Die Bedingungen sind nicht einfach für die spanische Rebsorte: anfällig für Krankheiten, das Klima während der Wachstumsphase zu kalt, viel Arbeit am Rebstock… «Die Sorte hier anzubauen, das ist nichts für jemanden, der Topweine auf die Flaschen ziehen und sich dabei nicht anstrengen will», schreibt uns Guyot. Doch sein Einsatz lohnt sich. Örtliche Winzerkollegen preisen seinen Tempranillo an, der 22 Monate in Barriques reift. Und sein Don Juan verführt Guyots Kundschaft. «Der Wein ist so gut wie immer ausverkauft», so Guyot.

Christian Guyot, Bernex

Genève AOC Tempranillo Don Juan 2017

17.5 Punkte | 2020 bis 2025

Dunkle Waldbeeren und Kirsche, Holzwürze und medizinale Kräuter. Kraftvoll am Gaumen, konzentriert, mächtig und doch feinkörnig, seidig das Tannin, begleitet von guter Säure, die dem Wein Zug und Frische verpasst. Fast verschwenderisch, im Abgang mit Edelbitterschokolade.

35 Franken | www.vins-guyot.ch

De Bortoli, Bilbul

«Wir Australier lieben Abkürzungen», erklärt De-Bortoli-Chef-Weinmacher Steve Webber, «wir nennen Tempranillo einfach nur Temp». De Bortoli baut den Temp in Heathcote an, im Bundesstaat Victoria nördlich von Melbourne. Dass diese Rebsorte so fern der spanischen Heimat eine fast perfekte Zugabe erhält, ist sehr erfreulich. Und im Grunde nicht verwunderlich: Das Familienweingut De Bortoli wurde einst von einem italienischen Einwanderer gegründet. Und diese Cuvée ist, wenn man so will, pure Emigration: 50 Prozent Tempranillo, 45 Prozent Touriga Nacional und 5 Prozent Grenache. Weinmacher Webber: «Diese Kombination bringt einen perfekten Speisebegleiter hervor.»

De Bortoli, Bilbul

Heathcote Tempranillo Touriga Villages 2018

17 Punkte | 2021 bis 2025

Dunkle Waldfrüchte, Stachelbeeren, Amarenakirsche, ein leichter Duft Colafrosch und leise Holzwürze. Im Auftakt frisch und kühl, schlank und sehr griffig, saftige Aromenkonzentration. Endet mit dezenter Länge und einem Anflug von Kaffeebohnen. Erinnert mit seinem samtigen Tanningerüst an einen jungen Ribera del Duero.

www.debortoli.com.au

Hex vom Dasenstein, Kappelrodeck

Eigentlich sind die Genossen von Hex vom Dasenstein aus dem badischen Kappelrodeck auf Spätburgunder spezialisiert. «Rotwein steckt uns im Blut», schreibt uns Thomas Hirt. Doch mit Tempranillo wollte man denjenigen eine Alternative anbieten, die «mit Spätburgunder nichts anfangen können». Der Trumpf des Spaniers: sein feines Tanninkleid. Beim Winzerkeller profitiert der Wein (mindestens 18 Monate Barriquereife) zudem von der mehrere Tage dauernden Kaltmazeration. Nochmal Thomas Hirt: «Wir wollen so unseren ‹cool climate›-Effekt vom Rande des Schwarzwaldes in diese südländische Rebsorte transportieren.» So entsteht ein eigenständiger Tempranillo.

Hex vom Dasenstein, Kappelrodeck

Tempranillo trocken 2017

16.5 Punkte | 2021 bis 2022

Ein Bilderbuch-Bouquet: dunkle Waldfrüchte und Holzaromen, Vanillehauch und geräucherter Speck. Am Gaumen griffig und kühl, mit zurückhaltender Fruchtaromatik und einem feingereiften, körnigen Tannin. Endet mit Noten von Edelbitterschokolade. Benötigt Luft.

15,40 Euro | www.dasenstein.de

Weingut Matthias Gaul, Grünstadt-Asselheim

Gut 1,5 Hektar bestellt Matthias Gaul mit Tempranillo, 2004 wurde der erste Rebstock gepflanzt. 2015, knapp zehn Jahre später, hat Gaul diesem Asselheimer Weinberg mit Lehm-Löss-Boden den ersten vernünftigen Jahrgang abgerungen. «Tempranillo-Fans finden den Wein sehr gut», erzählt Gaul am Telefon. Es folgten die Jahrgänge 2016 und 2017, doch davon ist praktisch nichts übrig. Jetzt kommt der 2018er auf den Markt. Wir durften ihn verkosten, kurz nachdem der Wein auf die Flasche gezogen wurde.

Weingut Matthias Gaul, Grünstadt-Asselheim

Tempranillo Réserve 2018

17 Punkte | 2022 bis 2027

Sauerkirsche und dunkle Waldfrucht, leichtes Veilchen-Aroma in der Nase sowie ein Hauch Würze von der Barriquereife. Am Gaumen ist dieser Pfälzer Tempranillo schlank und doch zupackend, mit einem spannenden Säurebogen und noch etwas grobkörnigem Tannin im langen Abgang, bei dem sich besonders eine leicht zartbittere Aromatik in den Vordergrund drängt. Hat noch Potenzial.

25 Euro | www.gaul-weine.de

NEBBIOLO

Steenberg Estate, Kapstadt

Nebbiolo zählt zu jenen Sorten, die einen weltweiten Siegeszug bisher noch vor sich haben. Ambitioniert müssen die Winzer sein, um diese Rebe ausserhalb des Piemonts zu einem guten Wein zu verarbeiten. Und die Böden und das Klima müssen mitspielen. Das Haus Steenberg am Kap hat den Versuch gewagt. Ihren Nebbiolo bauen die Südafrikaner in 500-Liter-Fudern aus.

Steenberg Estate, Constantia Valley

W.O. Constantia Nebbiolo 2015

17 Punkte | 2021 bis 2023

Die Robe zeigt Alterungserscheinungen. Dunkle Pflaume, Herbstlaub, schwarzer Pfeffer und Leder-Aromen in der Nase – öffnet sich mit der Luft und wirkt dann leicht parfümiert. Am Gaumen sehr gut strukturiert, fein konzentriert und mit einem ausgeklügelten Frucht-Säure-Spiel, begleitet von einem würzigen Tannin. Endet in Holzaromen und bitteren Mandelnoten, die lange anhalten. Beeindruckend, wie dieser afrikanische Nebbiolo gealtert ist.

26,95 Euro | www.capreo.com

TINTA BARROCA

The Sadie Family Wines, Swartland

Tinta Barocca steht im Dourotal auf Platz drei der meistangebauten Rebsorten. Doch trotzdem ist der Traube in Portugal kaum das Solostück gelungen – ihr hoher Zuckergehalt macht sie zu einem begehrten Verschnittpartner für den Portwein. Auch in Südafrika wird die Rebsorte für Likörweine eingesetzt, allerdings gelingen pfiffigen Winzern vor allem im Swartland reinsortige Weine mit Tinta Barocca. Einer davon: eben Sadie. Sein Tinta Barocca stammt von einem Weingarten, der 1974 gepflanzt wurde, er vergärt den Wein mit natürlichen Hefen und baut ihn zwölf Monate in Zementtanks aus.

The Sadie Family Wines, Swartland

W.O. Swartland Treinspoor Tinta Barocca 2018

16 Punkte | 2021 bis 2025

Zunächst in der Nase sehr verhalten, dann zunehmend intensiv: Schwarzkirsche, Harz, Nadelgehölz, leicht animalisch. Am Gaumen stechen das pelzige Tannin und der straffe Säurebogen, der fast alles einnimmt, hervor. Zartbitter und lang im Abgang.

42 Euro (2019) | weinamlimit.de

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