Guide Amarone: Die besten Crus und Einzellagen

Opulenz für jeden Tag

Degustation und Text: Christian Eder, Foto: VINUM

Der Amarone gilt zu Recht als einer der grossen Weine Italiens – und einer der langlebigsten. Die Cuvée aus autochthonen roten Rebsorten stammt aus dem Valpolicella, einer hügeligen Anbauzone im Norden und Nordosten von Verona gelegen, die bereits vor 2000 Jahren für ihre «vielen Keller» bekannt war – daher auch der Name Valpolicella. Jahrhundertelang war der Recioto der König unter den Weinen aus dem Valpolicella: Aus angetrockneten autochthonen Trauben gekeltert, wurde er restsüss nur zu besonderen Gelegenheiten kredenzt. Das änderte sich, als einige Winzer begannen, den Wein komplett zu vergären und trocken auf den Markt zu bringen: Die ersten Flaschen mit dem Namen Amarone auf dem Etikett wurden in den 30er Jahren produziert. 1968 wurde dem Gebiet schliesslich die DOC verliehen. Seit 2010 sind die Ursprungsbezeichnungen «Valpolicella», «Valpolicella Ripasso», «Recioto della Valpolicella» und «Amarone della Valpolicella» unabhängig voneinander geschützt, zudem ist Amarone ein DOCG-Wein. Die Trauben werden meist zwischen Mitte September und Mitte Oktober gelesen und anschliessend in gut durchlüfteten Trockenräumen (Fruttai) ausgelegt. Gerade diese Phase der Rosinierung verändert den Charakter der Trauben komplett und sorgt für die charakteristische Aromatik nach Dörrobst, aber auch für eine Konzentration von Säure und Tanninen. Mit dem Verdunsten der Flüssigkeit in den Beeren steigt auch der Zuckergehalt in den Trauben. Darum weist der Amarone meist einen Alkoholgehalt jenseits der 15 Volumenprozent auf. Nach dem Abpressen und der Vinifikation der Trauben sind ein mindestens zweijähriger Ausbau in Holz und die Flaschenreife obligatorisch, bevor sich das Ergebnis Amarone della Valpolicella DOCG nennen darf. 

Die Zahlen

In einem klar abgegrenzten Gebiet im Norden von Verona wachsen auf nicht einmal 8000 Hektar die Trauben, die die Basis für diesen einzigartigen Wein bilden: Corvina (50 bis 95 Prozent), Corvinone und Rondinella, um nur die wichtigsten zu nennen, werden von rund 2300 Weinbauern zum Teil noch auf der einfachen Pergola oder der «Pergoletta Veronese» kultiviert. Aktuell werden rund 14 Millionen Flaschen Amarone produziert.

Das Gebiet

Je nachdem ob der Wein aus der Classico-Zone in Tälern im Norden von Verona stammt oder aus dem erweiterten Gebiet im Osten, steht Valpolicella Classico oder nur Valpolicella auf dem Etikett. Darüber hinaus ist noch das Valpantena als Unterzone ausgewiesen. Die Böden variieren von kalkhaltigen Sediment- bis hin zu lehmigen Böden mit sandigen Komponenten und liegen in einer Meereshöhe zwischen 70 und 500 Metern.

Resultate, Analysen, Statements

« Einige der besten Amarone kommen aus Einzellagen, auch Riserva-Qualitäten überzeugen. »

Christian Eder VINUM-Autor 

Der Amarone aus dem Valpolicella hat eine der Erfolgsstorys des italienischen Weines geschrieben: In drei Jahrzehnten hat sich die Produktion von rund zwei auf 14 Millionen Flaschen erhöht, und noch immer sind keine Absatzprobleme in Sicht. Selten gab es eine so grosse Bandbreite an Stilistiken wie heute. Sie reicht von fruchtigen Varianten über süsse, fast cremige Kreszenzen bis zu in jungen Jahren staubtrockenen und kraftvollen Weinen, die mit der Reife gewinnen. Einige der besten Amarone kommen aus Einzellagen, auch Riserva-Qualitäten überzeugen. Die vergangenen Jahrgänge gelten durchwegs als sehr gut (mit Ausnahme des verregneten 2014). Die Weine aus dem hervorragenden warmen Jahr 2015 überzeugen mit Charakter und Finesse, in ausgewogenen Jahrgängen wie 2012, 2013 oder 2016 hingegen drückt das jeweilige Anbaugebiet mit seinem Mikroklima den Weinen seinen Stempel auf: Eleganz dominiert in den Weinen aus Mezzane, Illasi und Negrar. Fumane zeigt sich wie oft finessenreich und filigran, Marano und auch Valpantena zeigen Struktur. Höhere Rebberglagen profitieren durch langlebige Säure und Frische. Der Grossteil der verkosteten Weine ist mit den charakteristischen Eigenschaften des grossen Weines aus dem Valpolicella gesegnet: einer Kombination aus Struktur und Eleganz plus der bereits erwähnten Langlebigkeit, die natürlich von Wein zu Wein auszuloten ist, aber bei manchen Jahrgängen Jahrzehnte umfassen kann. Das macht ihn zu einem der grossen Rotweine Italiens, die weltweit gefragt sind. Und drückt sich natürlich auch in Preisen zum Teil jenseits der 100 Euro/Schweizer Franken aus – vor allem für die Flaggschiffweine der renommiertesten Güter.

Die Verkostung

Bei der Jahrgangsverkostung Anteprima Amarone im Januar 2019 in Verona und dann noch einmal in der Redaktion im Sommer degustierte Christian Eder einen grossen Teil der aktuell am Markt befindlichen Weine aus den Jahrgängen 2009 bis 2016. Weitere Weine finden Sie hier. Bitte geben Sie unter Degustation ein: «Guide Amarone della Valpolicella 2019».

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