Bordeaux en Primeur 2020

Bordeaux Primeur 2020: Ungeheuer teuer – oder etwa nicht?

Text & Verkostung: Rolf Bichsel, Barbara Schroeder | Veröffentlicht: 28. Mai 2021


Bordeaux wird teuer. 10 bis 15 Prozent schlagen die weltbekannten Güter auf, deren Jahrgang 2020 zurzeit zu subskribieren ist: Ausgeliefert werden die Weine, die derzeit noch im Fass schlummern, im Frühjahr 2023.

Soweit die Schlagzeilen. Man mag dem Bordeaux-Markt angewidert den Rücken kehren – oder der Sache auf den Grund gehen und sich nicht von oberflächlichem Fachgebrabbel beeindrucken lassen. Erst einmal: Prozente sind unsinnige Abkürzungen. Hier folgt warum:

Eine Flasche Angélus 2020 steht aktuell für knapp 300 Euro zu Buch (ohne Taxen). 2019 kostete sie 280 en Primeur, der Konsumentenpreis beträgt aktuell im Schnitt rund 340 Euro. Am anderen Ende der Skala ist Monbrison 2020 zu 22 Euro herausgekommen (immer ohne Taxen). Der 2019 wurde für 20 Euro angeboten und ist heute im Schnitt zum Konsumentenpreis von 30 Euro zu finden. Der 2019 ist pünktlich zum Ausbruch der Covid-Krise herausgekommen: der 2020 läutet (so hoffen alle) deren Ende ein.

Man kann von Weinpreisen halten, was man will: Von einigen Ausnahmen am obersten Ende der Klassierungsskala abgesehen, die sowieso eher Spekulationsprodukten vorbehalten ist denn Genussweinen, bleibt Bordeaux im Vergleich mit anderen Weinregionen sehr kompetitiv. Denn die Qualität stimmt auch 2020, ganz besonders in Saint-Emilion und Pessac-Léognan. Und die Nachfrage nach grossen Bordeaux ist weltweit ungebrochen, trotz einer fast unendlichen Serie interessanter Jahrgänge.

Rar wird Bordeaux trotzdem nicht, genau wegen der grossen Anzahl interessanter Jahrgänge und Weine. Der Frühlingsfrost mag hier und da als Vorwand für eine Preissteigerung gedient haben: in Tat und Wahrheit waren die grossen Terroirs davon nur am Rand betroffen, von Ausnahmen abgesehen.  Aber noch einmal: Bordeaux ist nicht billig (das würde als Schwäche gedeutet), aber auch nicht teurer als andere grosse Weine, und das Feld der hervorragenden Weine wird immer breiter. Nachfolgend ein paar echte Schnäppchen, wie sie in den nächsten Tagen und Wochen zu subskribieren sind: (Auch hier Nettopreis ohne Taxen, die generell rund 20 Prozent betragen).

Eine vollständige Übersicht aller verkosteten Spitzenweine folgt in unserer Sonderbeilage World of Bordeaux, in der Septemberausgabe von VINUM.

Listrac

Fonréaud 17 Punkte/13 Euro

Haut-Médoc

La Lagune 18 Punkte/31 Euro

Margaux

Monbrison 17,5 Punkte/22 Euro

Prieuré Lichine 17,5 Punkte/30 Euro

Marquis de Terme 17,5 Punkte/36 Euro

Saint-Julien

Langoa Barton 17,5 Punkte/35 Euro

Branaire Ducru 18 Punkte/37 Euro

Pauillac

Lynch Moussas 17 Punkte/28 Euro

Saint-Estèphe

Lafon Rochet, 17 Punkte/Saint Estèphe 32 Euro

Pessac-Léognan

Olivier rot 17,5 Punkte/22 Euro

Carbonnieux rot (17,5 Punkte) und weiss (18 Punkte) 26 Euro

Couhins weiss 17,5 Punkte/21 Euro

Fronsac

Dalem 16,5 Punkte/17 Euro

Saint-Emilion

Laroze 17,5 Punkte/18 Euro

Laroque 17 Punkte/22 Euro

Franc Mayne 17 Punkte/24 Euro

Pomerol

De Sales 17 Punkte/21 Euro

Sauternes

Myrat 17 Punkte/22 Euro

Guiraud 18 Punkte/40 Euro

 

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