Offiziell Einspruch erhoben

Italien pocht weiter auf Abweisung von kroatischem EU-Antrag für «Prošek»

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 11. November 2021


Der Streit zwischen Italien und Kroatien um die Herkunftsbezeichnungen Prosecco und Prošek geht in die nächste Runde. Das italienische Agrarministerium hat bei der EU nun offiziell Einspruch gegen den Antrag von Kroatien erhoben, das «Prošek» als geschützte Ursprungsbezeichnung für den gleichnamigen traditionellen Süsswein aus Dalmatien anerkannt bekommen möchte. 

«Wir sind dagegen, nicht weil wir uns vor diesen tausend Flaschen Prošek pro Jahr fürchten, sondern weil wir eine Dynamik befürchten, die alle europäische geschützte Ursprungsbezeichnungen und geschützte geographische Angaben in Frage stellt», sagte Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli auf einer Pressekonferenz. 

Prosecco-Hügel sind als Unesco-Welterbe zu schützen

Das Dossier des italienischen Ministeriums führt fünf Gründe an, weshalb es dem Antrag von Kroatien widerspricht. Es erklärt etwa, dass der Name unvereinbar sei mit den Regeln für traditionelle Begriffe (Artikel 33, Absatz 2 der EU-Verordnung 2019/33). Prošek sei mindestens teilweise ein Homonym für Prosecco, zumindest im Kroatischen. 

Als weiteren Punkt führt das Ministerium, dass die Weinberge der Prosecco-Region Conegliano-Valdobbiadene DOCG im Jahr 2019 ins Unesco-Welterbe aufgenommen wurden. «Dies macht die Anerkennung des traditionellen Prošek-Begriffs unvereinbar», heisst es in dem Dossier. «Der Vertrag der Europäischen Union besagt, dass die Union die Bewahrung und Entwicklung des europäischen Kulturerbes überwacht.»

Italien unterlag bei «Tokaij» gegen «Tocai»

Im dritten Punkt wird daran erinnert, dass Kroatien schon einmal mit einem solchen Antrag unterlag, kurz nach seinem Beitritt zur EU im Jahr 2013. Andererseits habe sich Italien in einem ähnlichen Fall geschlagen gegeben, und zwar gegen Ungarn, das seine Denomination Tokaji gegen die norditalienische weisse Rebsorte Tocai verteidigt hatte. Letztere wurde damals in Friulano umbenannt. Zuletzt erinnert das Dossier an einen Fall vom September dieses Jahres, in dem die EU der Champagne recht gab, die sich gegen eine spanische Tapas-Bar-Kette mit dem Namen «Champanillo» aufgrund der zu grossen Namensähnlichkeit gewehrt hatte.

«Dies ist ein Kampf, der dazu dient, alle Produzenten zu schützen. Dieser Angriff ist ein nationaler Schaden», kommentierte Staatssekretär Gian Marco Centinaio.

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