Brief an die Regierung

Britische Weinhändler besorgt über Pläne für Weinimport-Papiere

Text: Fanny Urech | Veröffentlichung: 27. Februar 2021


Dutzende von britischen Weinhändlern und Einzelhändlern haben die Regierung dazu aufgefordert, die Pläne für neue Importpapiere nach dem Brexit zu verwerfen. Dies berichtet die Plattform Decanter. Die Weinhändler warnen davor, dass sie schon jetzt mit höheren Kosten rechnen müssen und die Weintrinker den Kürzeren ziehen werden.

Mehr Verwaltungsaufwand durch neues Importzertifikat

Die Post-Brexit-Pläne zur Einführung von Papier-Importzertifikaten für EU-Weine ab dem 1. Juli seien «besorgniserregend», heißt es in einem Brief an die britische Staatssekretärin für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung.

Das Erfordernis der Zertifikate zusätzlich zu dem durch den Brexit bereits verursachten zusätzlichen Verwaltungsaufwand "wird den Wein für die Verbraucher teurer machen", heißt es in dem Brief vom 24. Februar.

Daniel Lambert, der für den gleichnamigen Weinimporteur und Großhändler tätig ist, veröffentlichte den kompletten Brief auf Twitter.

Grosse Namen im Absender

Der Brief enthält Dutzende von Unterzeichnern, wie Accolade Wines, Liv-ex und die Lieferantengruppe Bibendum, mit einer Reihe von Einzelhändlern und Kaufleuten, darunter Fine & Rare, Farr Vintners, Lea & Sandeman und The Wine Society.

Im Mittelpunkt steht der Plan der britischen Regierung, ein «vereinfachtes Importzertifikat» für EU-Weine einzuführen, wie es im Brexit-Abkommen vorgesehen ist.

Dies würde dem Weinimport und -einzelhandel sowie der Gastronomie, wo über 60 Prozent aller verkauften Weine aus europäischen Ländern stammen, «großen Schaden zufügen», heißt es in dem Brief.

Das Problem mit dem VI-1-Zertifikat

Im Zentrum des Problems steht das sogenannte VI-1-Zertifikat, das nach EU-Recht für Weine aus Drittländern erforderlich ist.

Ursprünglich wurde befürchtet, dass der Brexit bedeuten würde, dass VI-1s für alle Weine, die den Ärmelkanal in beide Richtungen überqueren, notwendig sein würden - was die britische Industrie laut der Wine & Spirit Trade Association zusätzlich 70 Millionen Pfund kosten könnte.

Aber der Brexit-Deal beinhaltete eine Gnadenfrist. Das Vereinigte Königreich soll ab dem 1. Juli vereinfachte Formulare einführen. Vereinfachen werden diese gemäss den Weinhändlern aber nichts.

Die Autoren des Briefes sagen, dass Wein ein Geschäft mit niedrigen Margen sei und jede zusätzliche Verwaltung die Kosten erhöhe.

Der Brexit habe der britischen Regierung «die Möglichkeit gegeben, die Anforderung für VI-1s und für die vereinfachte EU-Bescheinigung vollständig zu entfernen». Dieser Schritt könnte ihrer Industrie helfen, in diesen sehr schwierigen Zeiten zu überleben.

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