Von der Modewelt zur Weinwelt

Buglioni – eine Erfolgsgeschichte

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 18. September 2018


ITALIEN (San Pietro in Cariano) – Es gab die Zeit, da die Familie Buglioni ihre Trauben den großen Erzeugern der Region anbot, darunter Tommasi, Allegrini, Masi und Speri. Heute erinnert sich Mariano Buglioni an diese Zeit und erzählt: "Alle Produzenten, denen ich unsere Trauben anbot, sagten mir, wir brauchen nicht mehr Trauben, wir haben genug. Und ich sagte, ich will kein Geld, ihr bekommt sie umsonst. Ok, sagten sie, wir nehmen die Trauben, aber Du musst sie uns bringen."

Der Weg bis dahin war nicht vinophil vorgezeichnet. Marianos Heimat liegt im Norden Italiens. Dort wuchs er auf und dachte niemals daran, Winzer zu werden. Als junger Bursche arbeitete er in der Boutique seines Vaters Alfredo, der damals Sportbekleidung produzierte und in über 50 Warenhäuser lieferte. Dann kam der Tag, an dem sein Vater sich seinen Traum erfüllte. Es war das Jahr 1993, als er ein altes Bauernhaus im Herzen der Valpolicella erwarb. Zehn Hektar Weinberge gehörten dazu, bestockt mit den lokalen Sorten Corvina, Corvinone, Molinara und Rondinella.

Wie alles begann

Mariano war damals 22 Jahre alt. Er und sein Vater hatten keinen blassen Schimmer, was sie mit der Traubenernte tun sollten. Es war die Zeit des Booms des Amarone und die Trauben der Region wurden billig verhökert – etwa 280 Euro kostete damals die Tonne. Die Buglionis verschenkten ihre Ernte – unglaublich, aber so war es. Was die Empfänger damit machten, war klar, sie vinifizierten fruchtige Valpolicella und aus den getrockneten Trauben dichte Amarone.

Die erste Ernte war ein Alptraum. "Wir hatten die Mitarbeiter meines Vaters ins Valpolicella gebracht und standen dann vor den reifen Trauben und wussten nicht wie jetzt vorzugehen war", erinnert sich Mariano. "Wir gingen zurück zu den Weingütern und fragten dort, wie und mit was wir die Trauben schneiden sollen und ob und wie wir sortieren sollen." Das ging so einige Jahre recht und schlecht, bis sich Marianos Vater dazu bewegte, eine ernsthafte eigene Weinbereitung zu beginnen. Sie kontaktieren den Weinberater Celestino Gaspari, der damals bei seinem legendären Schwiegervater und Patron des Amarone, Giuseppe Quintarelli (✝ 2012), wirkte.

Das war der Beginn der Cantine Buglioni. In der Folge wurde unter dem Bauernhaus ein moderner Weinkeller errichtet und mit dem Jahrgang 2001 rund 1.000 Flaschen gefüllt. Im Folgejahr engagierten die Buglionis einen Önologen, der die Weinbereitung übernahm. Seitdem verantwortet Diego Bertoni, der im önologischen Institut San Michele all´Adige im Trentino ausgebildet wurde, die Weinbereitung. Dann in 2004 war der erste Amarone, zusammen mit anderen Weinen, gereift und bereit zur Freigabe. Mariano startete den Verkauf. "Ich kontaktiere Weinhändler, erhielt aber immer die gleiche Antwort", schildert Mariano seine Anfänge. "Ich hörte sie sagen: Du betreibst das als Hobby. Warum sollten wir uns für ein Weingut engagieren, das so jung ist und noch keine Reputation hat?"

Die Wende

Als Außenseiter mussten sich die Buglionis was einfallen lassen. Mariano war klar, er musste anders herangehen, um eine Käuferschicht zu erhalten. Im Januar 2005 räumten die Buglionis ihre Boutique in der Innenstadt von Verona und installierten dort eine Weinbar, die Osteria del Bugiardo. Sie statteten die Weinbar nicht mit elitärem Mobiliar aus, sondern Sitze und Tische ließen Sie aus alten Holzfässern fertigen, es gab offene Weine, dazu Käse, Salami und frisch zubereitete Nudeln. Das war es - typisch regional. Die Weinbar wurde in der Folge zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische wie Touristen.

Jetzt drehte sich der Spieß. Innerhalb von Monaten kamen die Weinhändler, die Mariano bei seinen ersten Versuchen verschmäht hatten, in die Weinbar, um Geschäfte zu machen. "Ok", sagten Sie. "Jetzt bist Du so weit, dass wir Dich ernst nehmen können", erinnert sich Mariano. In den vergangenen elf Jahren ist viel passiert. Die Buglionis haben ihrem Bekleidungshandel den Rücken zugekehrt und ihre Rebflächen im Valpolicella auf fast 120 Hektar ausgeweitet. Die Umstellung auf natürlichen Weinbau ist in vollem Gange und ein neues Weingut wurde errichtet.

"Wir haben alles richtig gemacht"

Heute verkaufen die Buglionis ihre Trauben fast zur Hälfte an berühmte Kollegen des Valpolicella zu fairen Preisen und die andere Hälfte geht in die eigene Produktion. Mit eigenem Label werden mittlerweile rund 250.000 Flaschen gefüllt, die zum größten Teil in Europa bei Händlern zu haben sind, aber auch in die USA und nach Asien exportiert werden. Allein in der Osteria del Bugiardo und im gehobenen Restaurant Locanda del Bugiardo, gelegen in San Pietro in Cariano, das Marianos Schwester führt und dort auch ein Agriturismo unterhält, werden jährlich 5.000 Flaschen verkauft.

Die Kollektion der Cantine Buglione umfasst zehn Produkte, darunter ein Weißer aus der Sorte Garganega, ein Rosé und ein Schaumwein sowie ein Grappa. Aber die Roten sind das Herz der Kollektion. Bei internationalen Verkostungen erreichen Buglionis Rotweine nicht selten 90 Punkte, darunter dreimal Amarone, zweimal der süße Ricotto und einmal der Ripasso. "Von heute aus gesehen, haben wir alles richtig gemacht", sagt Mariano. "Als Weinproduzenten fühlen wir uns wohler als in der kurzlebigen Modewelt. Ich habe die Leidenschaft zum Wein entdeckt und mir ist klar geworden, dass ich der Natur folgen muss, dann kann ich alles bewegen."

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