Starke Frauen mit Wein geadelt

Die Gefährten

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 19. Oktober 2018


DEUTSCHLAND (Castell) – Es ist ein erneutes Ausrufezeichen, das S.D. Ferdinand Fürst zu Castell-Castell mit seinem neuen Verwaltungs-Team, allen voran mit Weingutsleiter Peter Geil und der Vertriebsleiterin Charlotte Scholz, setzt. Mit der Lancierung des Fraenzi Frizzante Bavarese hatte die Domäne Castell in 2001 einen Volltreffer gelandet und bis heute grossen Erfolg. Der Fraenzi, bisher vielfach kopiert, aber in der Qualität nie übertroffen, ist der Ausdruck eines modernen Denkens einer Familie, die nicht in Jahrzehnten sondern in Jahrhunderten rechnet. Neu ist jetzt die Linie: «Die Gefährten» – eine Reminiszenz an herausragende Persönlichkeiten des Hauses. Eigentlich hätte die Linie den Namen «Die Gefährtinnen» verdient, denn Patinnen sind ausschliesslich starke Frauen der Fürstlichen Familie Castell-Castell.

Fürstin Marie-Louise, Patin des Weißwein-Cuvée

Wie dem auch sei – dass jemals ein Wein nach ihr benannt würde, hätte sich Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell bei ihrer Heirat mit Fürst Albrecht nicht träumen lassen. Ihr Sohn Ferdinand, heute Fürst zu Castell-Castell, hat ihr jetzt einen Wein gewidmet. Die weisse Burgunder-Cuvée der neu-kreierten Weinlinie «Die Gefährten» steht, wie drei weitere Weine, für je eine starke Persönlichkeit der Familie Castell. "Wir haben Namen mit Bedeutung ausgewählt", sagt Ferdinand Fürst zu Castell-Castell. "Mit jedem Wein stellen wir eine Dame aus meiner Familie in den Fokus. Ohne diese Persönlichkeiten hätte es wichtige Impulse für die Familie und das Weingut nicht gegeben."

Fürstin Marie-Louise zu Castell-Castell, einzige noch lebende Patin der Serie "Die Gefährten" unter den vier herausragenden Protagonistinnen des Fürstenhauses Castell-Castell, steht für Eleganz und Vielseitigkeit. Beides war in höchstem Masse notwendig nach den Katastrophen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die auch Familie und Weingut schwer zugesetzt hatten. Mit Leidenschaft und Elan unterstützte sie Fürst Albrecht, den sie 1951 heiratete, tatkräftig beim Wiederaufbau. Als geborene Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont war das Thema Wein ganz neu, faszinierte sie aber von Anfang an und sie fand sich schnell in ihrem neuen Umfeld zurecht. „Es ist ein wundervolles Handwerk und wie bei kaum einem anderen Produkt kann man alle Entstehungsschritte begleiten und sogar die Kunden kennenlernen“, sagt die Fürstin, die sich heute mit 88 Jahren noch immer dafür interessiert, was in der Casteller Domäne, neben der sie bis heute lebt, passiert.

Fürstin Marie-Louise ist Patin des Cuvée Weiss- und Grauburgunder, ein Wein, den sie selbst sehr gerne geniesst.

Gräfin Sophia Juliana, Patin des Silvaner

Gräfin Sophia Juliana (1620-1682, geborene Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg) hatte neun Kinder, von denen vier im Kindesalter starben. Ihr Mann, Wolfgang Georg I. Graf zu Castell-Remlingen, wurde 1650 für 16 Jahre zum herzoglich Württembergschen Landhofmeister und geheimen Ratspräsidenten zu Stuttgart berufen. Von dort aus leitete er den Wiederaufbau des durch den 30-jährigen Krieg verwüsteten Landes. Aber auch in seiner fränkischen Heimat musste ein total verwüstetes Land wieder aufgebaut werden. 1659 liess er in Castell die in Deutschland ersten Silvaner-Reben pflanzen, so berichten es die Urkunden der Casteller Fürsten. Damals wusste noch niemand, dass heutzutage der Silvaner das Markenzeichen des Fürstenhauses Castell-Castell sein würde, dass der Silvaner im fränkischen Weinbaugebiet seine Heimat finden würde und zudem noch Verbreitung in ganz Deutschland fand.

Gräfin Sophia Juliana, die ihrem Mann eine grosse Stütze war, ist somit folgerichtig Patin des Silvaners in der Reihe «Die Gefährten» – ein grosses Bekenntnis zu ihren Leistungen von Fürst Ferdinand zu Castell-Castell.

Gräfin Dorothea Renata, Patin des Rotwein-Cuvée

Gräfin Dorothea Renata (1669-1743, geborene Gräfin von Zinzendorf und Pottendorf) war die Schwiegertochter von Gräfin Sophia Juliana, stammte aus Ungarn, wuchs in Nürnberg auf und heiratete nach Castell. Sie war die erste Gräfin, die nach dem 1691 begonnenen Umzug von der Burg oben auf dem Schlossberg hinunter ins neu errichtete Barockschloss in Castell einzog. Die Fundamente des Schlosses beherbergen bis heute den historischen Weinkeller des Fürstlich Castell´schen Domänenamtes. Gräfin Dorothea Renata hatte 8 Kinder, von denen sie fünf überlebte. Von ihr stammen alle heute lebenden Grafen und Fürsten Castell ab. Nachdem ihr Mann Wolfgang Dietrich Graf zu Castell-Remlingen verstorben war, führte Dorothea Renata als Regentin die Grafschaft Castell. In den Casteller Urkunden wird ihre Charakterstärke hervorgehoben. Der deutsche Archivar und Historiker August Sperl hat ihr ein ganzes Kapitel gewidmet. Darin heisst es u.a. "Gräfin Dorothea steht als eine rastlos tätige Frau von grosser 'Akkuratesse' vor unseren Augen. Sie konnte nicht müssig gehen. Wenn sie nicht las, waren ihre emsigen Hände mit Spinnen beschäftigt. Aber sofort legte sie die Arbeit weg, wenn jemand in wichtiger Angelegenheit zu ihr kam."

Gräfin Dorothea-Renata ist Patin des Rotwein-Cuvées in der Reihe «Die Gefährten» – eine Auszeichnung, die Ferdinand Fürst zu Castell-Castell ehrenvoll verlieh.

Gräfin Amalia, Patin des Riesling

Gräfin Amalia (1771-1823, geborene Gräfin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg), Stammmutter der Linie Castell-Castell, war zu ihrer Zeit eine sehr gebildete und für damalige Verhältnisse sehr engagierte Dame. Sie lebte in der Zeit der Romantik, in der sich viele adelige Frauen wie sie für literarische und künstlerische Ziele einsetzten. Mit ihrem Ehemann Albrecht Friedrich Carl Graf und Herr zu Castell-Castell managte Gräfin Amalia den Übergang des Herrschaftsgebietes der Casteller  in das Königreich Bayern. Gräfin Amala steht auch für die Zeit um 1800 (Goethezeit) und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die beiden Linien des Hauses Castell, Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen begründet wurden – die Zeit des Sturm und Drang bis zur Romantik.

Gräfin Amalia ist Patin des Riesling in der Reihe «Die Gefährten». Damit wird ihr eine grosse Wertschätzung des heutigen Fürstenhauses zuteil.

Notizen der Verkostung

Vorab: Alle Weine der Serie «Die Gefährten» verfügen über einen individuellen Charakter, ebenso wie ihre Patinnen, und weisen die gewohnt hohe Qualität der Casteller Weine auf. Die Trauben für den Silvaner, den Riesling, das Cuvée aus Weiss- und Grauburgunder sowie ein weiteres Cuvée aus Merlot und Spätburgunder stammen aus ausgesuchten Lagen.

Cuvée Weiss- und Grauburgunder: "Fürstin Marie-Louise" schwelgt mit Aromen von Honig, Karamell begleitet von Röstaromen in der Nase. Am Gaumen cremig, saftig mit zarten Vanille-Aromen. Im angenehmen Finale sanftes Holz und leichte Würze.

Silvaner: "Gräfin Sophia Juliana" bietet als trockener Silvaner für Liebhaber sanfter Küche und Vegetariern eine sehr passende Wahl. Mit Aromen von feiner, gelber Frucht und Birne in der Nase, die sich auch im Geschmack wiederfinden und den schönen Schmelz spannend stützen. Ein sehr gefällig zu geniessender Casteller Klassiker.

Riesling: Nicht nur asiatische Genuss-Momente begleitet "Gräfin Amalia" bestens, ein Riesling mit duftigen Fruchtaromen von reifem Apfel, Pfirsich und Ananas. Der etwas andere Riesling, der durch Lebendigkeit mit Frische und typisch Casteller Mineralität am Gaumen glänzt und im Finale typische Zitrusaromen nicht vermissen lässt.

Cuvée Spätburgunder und Merlot: Das Rotwein-Cuvée "Gräfin Dorothea-Renata" spiegelt den Charakter der Adelsfrau. Es strahlt vollmundig und würzig mit Aromen von roten Waldbeeren und Kirsche. Am Gaumen körperreich, elegant mit Noten von Mokka und dunkler Schokolade. Sanft ausklingend, langhaltend im Finale.

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