Grenache im Fokus

Vom Buchhalter zum Weinmacher

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 29. Dezember 2018


AUSTRALIEN (Willunga) – Die Entscheidung, einer Karriere im Rechnungswesen den Rücken zu kehren, um eine Leidenschaft für Wein zu verfolgen, zahlt sich heute für den 36-jährigen Rob Mack aus. «Ich habe nie wirklich entschieden, welchen Weg ich gehen wollte, bis etwa 2010, als ich meinen ersten Jahrgang bei Kilikanoon im Clare Valley miterlebte. Vorher hatte ich einen Abschluss in Buchhaltung gemacht und begonnen, in diesem Bereich zu arbeiten, aber ich wollte es definitiv nicht verfolgen», schmunzelt Mack, der danach noch bei Laithwaites Wine People in Sydney und bei McLaren Vale Winemakers seine Ausbildung zum Weinmacher ausweitete.

Bemerkenswerte Zielstrebigkeit und Ausdauer

Jeder, der im Rechnungswesen tätig ist und sich als Weinliebhaber versteht, sollte jetzt nicht denken, dass der Weg zur Produktion eigener Weine eine Alternative sei. «Man muss schon eine grosse Portion Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Energie mitbringen, um sein Ziel zu erreichen», sagt der sympathisch wirkende Mack. Was Mack nicht sagt, ist, ein Händchen für den Weinbau, eine feine Nase und eine feine Zunge sollte gegeben sein, wenn man so wie er und seine Frau Louise Rhodes sich neben laufenden Ausbildungen ins Winzerabenteuer stürzt.

Kurz nachdem Mack gemeinsam mit seiner Frau im November 2015 die Aphelion Wine Co. gegründet hatten, hatte er seinen Business-Abschluss bei der University of Technology Sydney erreicht. Parallel schaffte er den WSET Level 3. Ausserdem absolvierte Mack im Jahr 2016 nach einem sechsjährigen Studium an der Charles Sturt University in Sydney den Bachelor of Wine Science mit Auszeichung. Er erhielt den Universitätspreis für die höchste Kompetenz in der Sektherstellung.

Das mutige Duo mit Auszeichnung

Aphelion Wine Co. ist ein Zwei-Personen-Betrieb – Rob Mack und Louise Rhodos, Baby Clairette vervollständigt das mutige Trio. Die Trauben bezieht Mack, der sich auf Sorten Grenache spezialisiert und auch Weine der Sorten Mataro (Mourvèdre) produziert sowie mit der eigentlich in Italien heimischen Sorte Sagrantino experimentiert, hauptsächlich von etablierten Winzern aus der Region Blewitt Springs im nördlichen McLaren Vale. «Ich möchte eines Tages eigene Weinberge haben und auch eine Vinothek einrichten, am liebsten in meiner Heimatstadt Willunga», sinniert Mack. «Ich möchte auch Verkostungen im Weingut anbieten, weil mir der direkte Kundenkontakt wichtig ist.»

In den letzten Jahren steigerte Mack die Produktion auf heute rund 18.000 Flaschen. Damit habe er das Niveau erreicht, um auch den Handel und Restaurants bedienen zu können und nicht sofort ausverkauft zu sein. «Nachdem mein Kollege Michael Downer aus Murdoch Hill in den Adelaide Hills den Young Gun of Wine 2017 gewonnen hatte, ich war in 2017 bester Newcomer des Wettbewerbs, hat sich mein Grenache dieses Jahr bei der Young Gun of Wine als Sieger durchgesetzt. Solche Auszeichnungen sind natürlich sehr hilfreich für den Start einer Winzerkarriere und auch für die Sorte Grenache hier im McLaren Vale», freut sich Mack.

Grenache vs Shiraz

Bisher schenkten Australiens Weinliebhaber dem Grenache weniger Beachtung, sondern vielmehr dem Shiraz. Doch solche Auszeichnungen wie Downer und Mack sie mit ihren Grenache erhalten, kommen gerade richtig, weil die Konsumenten auf der Suche nach neuen Weinen sind. «Es gibt zwar wenige aber doch erstaunliche alte mit Grenache kultivierte Weinberge, aus denen wir vorzügliche Trauben ernten, die später im Glas die Weinliebhaber verwöhnen», sagt Mack. «Wir brauchen noch Zeit, bis sich ein Grenache-Geschmack entwickelt. Das diese Sorte ihre Fans finden wird, da bin ich mir absolut sicher.»

Der erste Jahrgang mit Grenache brachte Mack 2014 auf den Markt und auch die folgenden zwei Jahrgänge waren ziemlich schwierig zu verkaufen, eben weil es kein Shiraz war, aber das ändert sich langsam. «Insbesondere in Melbourne sind wir mit dem Grenache sehr erfolgreich, Sydney zieht aktuell nach und der Markt in Perth entwickelt sich rasant», sagt Mack. Aphelion Wine Co. hat rund zwei Drittel seiner letzten Jahrgänge verkauft und Mack erwartet im Zuge aktueller Auszeichnungen einen Umsatzanstieg. «Wir arbeiten mit einem Vertriebshändler an der Ostküste zusammen und ich habe gerade mit ihm telefoniert. Er bestätigt mir einen erheblichen Anstieg des Interesses und er sagt mir, dass viele Einzelhändler nachgefragt hätten. Ich erwarte bald Bestellungen von ein paar Paletten mehr in Richtung Osten, dann bleibt nicht mehr viel übrig.»

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