Bremerton Wines

Rebecca Willson – Powerfrau in Sachen Wein

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 2. November 2019


AUSTRALIEN (Adelaide) – Wenn man offensichtlich nur die zweite Geige spielt, wenn der Fokus nicht das eigene Wirken trifft, man aber der Meinung ist, dass die eigene Qualität vergleichbar ist, dann braucht es ungewöhnliche Ideen und Aktionen, um voranzukommen. Wie in meinem Beitrag „Weinprojekt Nummer 5255“ geschildert, steht hinter dem Projekt Rebecca Willson als treibende Kraft. Als einer der führenden Winzer der nächsten Generation von Langhorne Creek glaubt Rebecca, dass diese Weinregion dem Status der umliegenden Anbaugebiete zugerechnet werden müsste und auch, dass die unterschätzten Weißen aus dem Langhorne Creek bereit sind, die Bühne mit ihren bereits etablierten Rotweinen zu teilen. Sie weiss auch, dass Langhorne Creek nur vorankommt, wenn alle Winzer der Region an einem Strank ziehen – Anlass genug, um sich den Werdegang und das Wirken von Bec, so nennen die Eltern Craig und Mignon Willson ihre Tochter Rebecca, genauer anzusehen..

„Becs“ Weinwelt

Rebecca Willson ist in Whyalla, einer Stadt am Spencer-Glolf an der Küste Südaustraliens, aufgewachsen und wollte sich im Marketing engagieren. Sie entschied sich für den Kurs Weinmarketing am Roseworthy College. Die aus ihrer Sicht interessante Weinherstellung und sensorische Bewertung bewirkten bei Rebecca eine zunehmende „Abhängigkeit“ zum Weinmachen. Nach Abschluss des Kurses erlebte sie einen Jahrgang mit Tim Adams und Stephen John im Eaglehawk Estate in Clare, gelegen in der Region Mid North, rund 135 Kilometer nördlich von Adelaide, und stellte fest: „Ich liebe es einfach, Wein zu machen.“ 

Fortan reiste sie einige Jahre durch die Weinregionen in Übersee. Vor allem ihre Lehrzeit bei der Geyser Peak Winery, gelegen im kalifornischen Sonoma County, erweiterte ihren Horizont drastisch, zumal sie hier neben der Mengenproduktion auch lernte, Kleinstserien zu vinifizieren. Wieder zurück im Langhorn Creek übernahm Rebecca einen besonderen Job im Keller der Bleasdale Vineyards. Sie hatte das Glück bei Bleasdale mit Weinmacher Michael Potts zu arbeiten, der ihr sein enzyklopädisches Weinwissen über den Langhorne Creek mitteilte. Außerdem übernahm Rebecca bei Bleasdale nebenbei noch die Verantwortung für die Auftragsweinherstellung der Bremerton-Weine ihrer Familie.

Und dann war da noch Geoff Weaver, Chefwinzer bei Hardys, der ihr ein Mentor zu Beginn und während ihrer aufsteigenden Weinkarriere war. Rebacca sagt: „Er überzeugte mich, Weinbau zu studieren, aber auch unabhängig davon riet er dazu, mir ein tieferes Verständnis anzueignen, was beim Prozess der Weinherstellung passiert.“ Weavers Zuspruch führte dazu, dass Rebecca in 2000 den Abschluss für Önologie von der University of Adelaide erhielt. Fortan war Kellertechnik und die Weinbereitung ihr großes Thema.

Rebecca und Lucy führen Regie

Nachdem die Eltern von ihren Töchtern Rebecca und Lucy die Zustimmung zur Umwandlung der Traubenproduktion in ein Familienweingut erhielten, begannen sie in 2002 mit Ausbaumaßnahmen von Bremerton Wines. Gemeinsam mit den Eltern arbeiteten sie daran, die Marke Bremerton zu entwickeln und zu etablieren. Vater Craig übernahm die Aufgaben eines Generalmanagers, Rebeccas Reich wurde der Keller und Schwester Lucy verantwortete das Marketing. Schon zwei Jahre später gab es in 2004 einen großen Markenrelaunch und wiederum zwei Jahre später kam der Durchbruch. In 2006 wurde ganz Australien auf Bremerton Wines aufmerksam, als der Shiraz des Gutes in einem Weinführer des Landes die gleichen Punkte wie Penfolds Grange und Henschkes Hill of Grace erhielt. All dies beobachteten die Eltern mit Freude, die mit Bremerton Wines ihren Töchtern eine Zukunft bereiten konnten.

„Unser Weingut ist eine kleine Welt für sich. Die enge Zusammenarbeit mit Winzer Matt Schmidt in den letzten zehn Jahren war sehr lehrreich und beeinflusste unser ganzes Team“, sagt Rebecca. Sie glaubt, dass die Bremerton-Weine durch 15 Jahre intensiver Versuche mittels Ausbau in Eiche sich stetig verbessert haben. Rebecca erzählt: „Ich bin aber immer noch auf der Suche nach Eiche, die eine in Bezug zu unseren Trauben bestmögliche Fassreifung ermöglicht und gleichzeitig den subtilen Fruchtcharakter und das Gleichgewicht der Weine unterstreicht. Die Verwendung des Traubensaftes aus dem Langhorne Creek zwingt dazu, mit Zurückhaltung zu vinifizieren. Allerdings, mit der Reife in Eiche sind nicht nur subtile Stile verbunden, sondern man muss auf die Harmonie von Geschmack, Säure und Tannin achten.

Rebecca glaubt, dass die Weißen des Langhorne Creek wegen der hier herrschenden warmen Tagestemperaturen bisher eher unterschätzt werden, und argumentiert, dass die kühlen Nächte der Region einen natürlichen Säuregehalt und eine erstaunliche Finesse in die Weine bringen. Die aktuellen Weißweine von Bremerton unterstützen Rebeccas Ansichten, insbesondere der Vermentino, der sich rassig, lebendig mit knackiger Säure präsentiert wie ebenso der Fiano, ein kraftvoller, konzentrierter trockner Weißwein mit fesselndem Abgang. „Insbesondere meine Erfahrungen bei der Geyser Peak Winery und dem Wissen, was mir Geoff Weaver beibrachte, gepaart mit meiner Innovationsfreude, haben dazu geführt, dass wir ausländische Sorten im Anbau haben, was unsere Erfahrungen enorm erweitert hat“, erzählt Rebecca. Und in der Tat präsentiert sich der Bremerton Graciano aus der gleichnamigen Rebsorte, die man in Spanien gerne mit dem Tempranillo als Cuvée verbindet und deren Trauben hier aus dem Langhorn Creek von Rebecca sortenrein ausgebaut werden, brombeerig, fleischig und trotz seiner griffigen Tannine sehr zugänglich. Der Bremerton Lagrein überzeugt mit lebendiger und doch ausgewogener Säure. Und nicht zuletzt bietet der Bremerton Old Adam Shiraz Komplexität, Tiefe im Geschmack, seidige Geschmeidigkeit und zurückhaltende Kraft.

Insgesamt hat Bremerton Wines 23 Weine im Angebot. Der Rebsortenspiegel ist vielfältig mit Verdelho, Vermentino, Fiano, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Shiraz, Grenache, Tempranillo, Graciano, Mouvèdre, Malbec und Lagrein. Rebecca versteht heute diese Sorten in Kombination mit den Böden und dem Klima in Langhorn Creek so gut, dass sie ihnen damit Spielarten entlockt. „Es ist spannend, wir haben viel Spaß mit diesen Sorten“, sagt sie.  Insbesondere die beeindruckende Auswahl ihrer erschwinglichen Langhorne Creek Rotweine, die den regionalen Footprint zeigen und gleichzeitig Rebeccas persönliche Handschrift tragen, sind beachtenswert. Ihre Arbeit mit verschiedenen Rebsorten verleiht Rebaccas Weinen eine weitere Dimension und deutet darauf hin, dass ihr Bestes noch kommen könnte.

 

Die Willson-Schwestern im „Kreuzverhör“

 

Ab dem Erntejahr 2013 häufen sich die Bewertungen der Bremerton-Weine, die seither Top-Plätze bei australischen Weinshows und Wettbewerben belegen. Das australische Wine Business Magazine (WBM) führte ein Interview mit den Willson-Schwestern und der Online-Verlag Gourmet Traveller stellte Rebecca Willson 2017 als „Winemaker of the Year“ vor. Darin kommt die Übereinstimmung der Schwestern zum Ausdruck, dass sie zukünftig nur gemeinsam mit der Weinregion Langhorne Creek wachsen können, was sie auch mit ihrem Engagement für das „Weinprojekt Nummer 5255“ unterstreichen. Die Antworten auf die Frage wie das Zusammenwirken der Schwestern funktioniert, sind bezeichnend. Beide nehmen kein Blatt vor den Mund:  

REBECCA WILLSON: Wie ist es, mit Lucy zu arbeiten?

„Es kommt darauf an, an welchem Tag ich antworten soll. Nun, die Arbeit mit Lucy spiegelt die gewöhnlichen Geschwisterbeziehungen wider. Meistens spüren wir, was der andere denkt, ohne das wir dafür Worte gebrauchen müssen. Auf der anderen Seite gibt es durchaus herausfordernde Meinungswechsel. Beide Formen der Kommunikation bieten unseren Mitarbeitern Unterhaltung. Wir sind sehr leidenschaftliche Menschen. Das spiegelt sich auch in unseren Marken. Es ist unser Leben. Wir beide kennen das Engagement und die Hingabe des anderen. Lucy und ich haben unterschiedliche Bereiche des Geschäfts zu betreuen. Ich weiß, dass Lucys Bereich in guten Händen ist. Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten und Ideen, aber können miteinander aufgrund von Vertrautheit und Vertrauen darauf, dass wir auf dem gleichen Weg sind. Ich bin extrovertiert, ich trage mein Herz auf der Zunge. Ich reagiere schnell und das, was du siehst, ist das, was du bekommst. Obwohl ich mit zunehmendem Alter lerne, meine Reaktionszeiten zu verlangsamen und zuerst ein wenig zu verdauen. Lucy ist eher geneigt, die Dinge innerlich zu verdauen, zu denken und zu verarbeiten. Sie hat viel Geduld und Ausdauer. Es ist auch toll, dass wir unsere Kinder zu ähnlichen Zeiten großziehen, da wir uns gegenseitig unterstützen können. Dabei lernen wir uns zu bestimmten Zeiten des Jahres, Lucy, wenn sie für unser Weingut unterwegs ist und ich, wenn die Weinbergs- und Kellerarbeit erledigt werden muss, zu verstehen und zu helfen, wenn wir können. Man sagt, sie sei lustiger als ich. Lucy ist jedenfalls konsequenter und witziger, dies stets mit einem Hauch von Sarkasmus. Ich biete nur seltsame, unerwartete Nuggets aus Gold.“

LUCY WILLSON: Wie ist es, mit Rebecca zu arbeiten?

„Es kommt darauf an, an welchem Tag ich antworten soll. Nun, Rebecca ist lustig, frustrierend, erfüllend, fruchtbar und gelegentlich hört man von ihr Flüche, die mit „F“ beginnen. Normalerweise ist alles unkompliziert, da wir mit den übergeordneten Zielen und Wünschen des Familienunternehmens auf der gleichen Seite stehen und oft ähnlich denken. Wir sind entschlossen und eigenwillig. Mit dieser Mischung können die Dinge nie konstant rosig sein. Wir sind jedoch ziemlich gut darin, Probleme zu lösen – dank Mama, Papa und unseren Ehemännern, die oft die Hauptlast von gelegentlichen Gewittern tragen. Das normale Schwesternzeug eben. Das Gleiche zu denken oder zu sagen oder nicht wirklich etwas sagen zu müssen und nur die Körpersprache zu interpretieren, hat definitiv seine Vorteile bei der Zusammenarbeit. Obwohl das Timing oft unglücklich sein kann, wenn man ernst sein muss, beispielsweise bei Meetings mit Kunden, Verkostungen und Reden vor Publikum, sehen, fühlen Rebecca und ich das Gleiche, was uns oft zum Lachen bringt. Wenn wir beide dann versuchen, das Lachen zu ersticken, gelingt und das nicht immer. Jedenfalls, ich bin definitiv lustiger als Rebecca. In unserem Familienbetrieb gilt die Maxime: bleibt zusammen, nutzt sowohl gemeinsame Spielzeit als auch gemeinsame Arbeitszeit. Wir haben das Glück zu etwa gleicher Zeit und in etwa gleichem Alter in unserem Unternehmen gestartet zu sein und haben uns beide nachträglich Ehemänner und Kinder angesammelt. Unser Fokus für das Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre nicht verändert. Wir versuchen beiden, die harmonische Balance zwischen Familie, Geschäft und Leben zu erhalten. Wir lachen, wir weinen, wir streiten, aber wir arbeiten gut als Team und lieben uns 99 Prozent der Zeit.“

Projekt 5255

Mehr zu einer außergewöhnlichen Werbeaktion des Langhorne Creek, das Rebecca Willson unterstützt, lesen Sie in meinem Beitrag: „Weinprojekt Nummer 5255

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