Mazedonien: Leider Lieferant für Billigweine

Rebfläche

etwa 35 000 Hektar

Produktion

rund 1,2 Millionen Hektoliter

Top 3-Traubensorten

Vranec (Vranac), Kadarka, Chardonnay

Weinart

gehaltvolle Rotweine

Mazedonien, Herzstück des südlichen Balkan, hat es nicht leicht. Volkswirtschaft und Infrastruktur sind schwach, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Eine seit Jahren währende politische Krise ist für eine positive Entwicklung sehr hinderlich. Schlagzeilen machte das Land in den letzten Jahren vor allem durch einen teilweise schon kuriosen Streit um das Namensrecht mit dem südlichen Nachbarn Griechenland. Die Griechen befürchten angeblich Gebietsansprüche, haben aber andererseits selbst Interesse am kulturellen Erbe der historischen Region, dem Südteil der «ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien» (die aktuell international übliche Kompromissbezeichnung). Der Weinbau könnte ein Beitrag zum Aufschwung sein. Leider wird Mazedonien von etlichen internationalen Abnehmern (vor allem von deutschen Kellereien) als Lieferant für Billigweine ausgenutzt, statt dass das Potenzial des Weinlandes geschätzt und respektiert wird.

Weintyp

Vor allem durchaus gehaltvolle Rotweine von den landestypischen Sorten Vranec und Kadarka, die Tiefstpreise, wie sie im Discount für Gewächse aus Mazedonien üblich sind, nicht verdient haben.

Geschichte

Schon in der Antike wurde auf dem Gebiet des heutigen Mazedonien Wein angebaut. Die Slawen, die sich hier im 7. Jahrhundert ansiedelten, avancierten zu Winzern. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert erlebte der Weinbau eine Blütezeit. Dann kamen die Türken, die den Weinbau nahezu zum Erliegen brachten (auch im benachbarten Griechenland). Nur die Klöster durften weiter Reben pflegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es wieder aufwärts. Im Königreich Jugoslawien standen vor 80 Jahren immerhin knapp 9000 Hektar unter Reben. 1974, in der Ära des Vielvölkerstaates Jugoslawien, dem man seit 1946 angehörte, waren es 28 000 Hektar. Im Rekordjahr 1982 wurden rund 2,5 Millionen Hektoliter gekeltert. Nach dem Zusammenbruch von Jugoslawien und der folgenden Selbstständigkeit ab 1991 mussten erst viele Altlasten abgebaut werden. In den letzten Jahren ging es mit der Weinwirtschaft einigermassen aufwärts. Es gibt inzwischen einige ambitionierte Kellereien und junge Önologen mit internationaler Erfahrung, die sich mit besseren Weinen langsam im Exportgeschäft vorantasten.

Geografie

Die Republik Mazedonien befindet sich im südlichen Teil der Balkanhalbinsel und ist nördlicher Nachbar der griechischen Region Makedonien (Hauptstadt Thessaloniki). Das Land liegt zwischen dem 40. und 42. Breitengrad. Mediterranes, aber regional sehr unterschiedliches Klima begünstigt den Weinbau.

Regionen

Wein wird nahezu überall in Mazedonien angebaut. Aufgrund der Klimaverhältnisse und der Bodenstrukturen wird zwischen drei Regionen unterschieden: Pcinja-Osogova im Nordosten, Powardarie (im östlichen und mittleren Teil des Landes, mit der Hauptstadt Skopje) sowie Pelagonija-Polog in der westlichen Landeshälfte.

Weine

Über 2600 Weinbauern gibt es im Land. Etwa 40 Betriebe stellen grössere Weinmengen her, zwei Dutzend sind im Export aktiv. Sie setzen vor allem auf typische Sorten des Landes und auf solche von östlichen Nachbarn (Rkatsiteli, Zilavka, Kadarka), ebenso aber auf internationale Varietäten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Chardonnay und sogar Rheinriesling.

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