Unique Wineries of the World – Deutschland

Weingut Immich-Batterieberg

Text: Rudi Knoll, Fotos: z.V.g.

Wie Phönix aus der Asche

Das Jugendstil-Etikett ist unverkennbar: Zwei reizende Engelchen feuern eine Weinkanone ab. Sie erinnern daran, dass die bekannteste, namensprägende Flur des Hauses Batterieberg zwischen 1841 und 1845 mit Sprengbatterien von Felsen befreit und zu einer Spitzenlage umgeformt wurde. So radikale Massnahmen waren bei anderen, ebenfalls extremen Schiefer-Steillagen wie Ellergrub und Zeppwingert nicht nötig. Die Familie Immich, die über 500 Jahre (!), zwischen 1425 bis 1989, hier die Richtung bestimmte, hatte alles im Griff und war bekannt für grossartige, betont herbe, extrem haltbare Weine.

«Viel Mühe lohnt sich. Alte wurzelechte Riesling-Reben von Steilstlagen schenken uns grandiose Weine.»

Gernot Kollmann

Dann kam es zum Verkauf und in der Folge zu einer Insolvenz. Zwei norddeutsche Unternehmer aus dem Grossraum Hamburg, die sich bei Reisen in deutsche Weinlande kennen und schätzen gelernt hatten, begannen sich in dieser Zeit für ein Wein-Investment zu interessieren. «Die Mosel hat uns emotional berührt», erinnert sich der im Finanzwesen aktive Roland Probst. So beschloss er mit seinem Freund Dr. Volker Auerbach, Hersteller von Sicherheitssystemen, den gemeinsamen Einstieg in das Weingut Immich-Batterieberg.

Weil man mit dem gebürtigen, aber schon in der Jugend weinbegeisterten Westfalen Gernot Kollmann (vorher Dr. Loosen, Bischöfliche Weingüter Trier, Van Volxem, Knebel) einen tatkräftigen Betriebsleiter mit einem Gespür für steile Mosellagen fand, erlebte der Betrieb bald einen Aufstieg wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche! Das Gut, bei der Übernahme nur 3,4 Hektar gross, konnte wieder wachsen. Flächen wie Enkircher Steffensberg und Trabener Zollturm passten ideal in das steile Ensemble, weil auch hier viele alte, wurzelechte Reben wachsen. Die 1,1 Hektar umfassende Monopol-Lage Batterieberg blieb natürlich das Aushängeschild. Sogar etwas Spätburgunder (Enkircher Monteneubel) bereichert das Sortiment mit profilierten Rotweinen. Und Sekt Brut Nature mit vier Jahren Hefelager! Die Eigentümer lassen ihrem Team vor Ort freie Hand und sind selbst sehr glücklich mit der Stilistik der Weine, mit denen an die besten Zeiten von Immich-Batterieberg angeknüpft wird.

Kollmann lässt die Trauben möglichst lang ausreifen und erntet nur gesundes Material aus extrem geringen Hektarerträgen – vor allem bedingt durch die extrem kargen Steilstlagen und das hohe Rebdurchschnittsalter. Kaum ein Betrieb dürfte so einen hohen Anteil an alten, wurzelechten Reben sein Eigen nennen. Im Keller (Teile davon sind rund 1000 Jahre alt) folgen ein langes Lager auf der Hefe und in der Regel ein Jahr Reifezeit. Die Basis wird im Edelstahl ausgebaut, die Lagen im Holz. Reinzuchthefe, Enzyme, Klärhilfen, Schönungen… sind hier tabu. Das Ergebnis: förmlich anspringender Riesling, mit animierender Schiefer-Aromatik, viel Feinschliff – und irgendwie engelsgleich…

Drei Spitzenweine

2019 Riesling Detonation

Noch neu im Sortiment. Eine Selektion aus den besten Lagen mit förmlich explosiver Note auf der Zunge. Feiner Hauch vom Schiefer im Aroma; enorm druckvoll, anhaltende Würze, saftig, viel Tiefgang. Gehört zwar zur Basis, ist aber schon ein bedeutender Riesling.

2019 Escheburg Riesling Alte Reben

Eine Essenz aus den vier Grand-Cru-Lagen Steffensberg, Ellergrub, Batterieberg und Zeppwingert von über 60 Jahre alten, überwiegend wurzelechten Reben: sanfter, anhaltender Druck auf der Zunge, komplex, raffinierte Elemente, ausdauernd im Abgang.

2019 Enkircher Ellergrub Riesling

Die steilste und grösste Enkircher Lage, 200 Meter vom Batterieberg entfernt, mit blauem Schiefer. Sie liefert besonders subtile, feingliedrige, auch saftige Weine mit diskreter, delikater Frucht, ungemein anregend und auch aufregend. Riesling pur eben.

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