Campo alla Sughera
Bolgheri bis ins Detail
Fotos: z.V.g., Text: Nicole Harreisser
Zwischen den Hügeln von Castagneto Carducci und dem Tyrrhenischen Meer liegt Campo alla Sughera in einem natürlichen Amphitheater. Ehemalige Meeresböden treffen hier auf fossile Ablagerungen, Sand, Ton und mineralisches Gestein. Dazu kommen stetige Winde vom Meer und schützende Hügel im Hinterland. Ein komplexes Mosaik, das Campo alla Sughera seit seiner Gründung 1998 mit bemerkenswerter Konsequenz zu entschlüsseln versucht.
Hinter dem Gut steht die deutsche Unternehmerfamilie Knauf. Bereits vor der Gründung liess sie das Gelände geologisch und pedoklimatisch untersuchen, um die besten Parzellen für den Weinbau zu identifizieren. Heute führen Isabel Knauf und ihr Cousin Frederick Knauf das Projekt weiter. Ihr Anspruch sind elegante, eigenständige Weine, die ihre Herkunft unverfälscht widerspiegeln.

Dieser Anspruch beginnt im Weinberg. Bodenformationen, Expositionen und mikroklimatische Bedingungen wurden detailliert analysiert und in Mikroterroirs gegliedert. Jede Parzelle wird separat bewirtschaftet und vinifiziert. Im Keller setzt sich der kompromisslose Ansatz mit Dreifachselektion der Trauben, Mikrovinifikation und schonendem Transport mittels Schwerkraft fort.
Eine besondere Rolle spielt Petit Verdot. Die spätreifende Bordeaux-Sorte findet im warmen, maritim beeinflussten Klima Bolgheris ideale Bedingungen. Sie entwickelte sich zur Identitätsrebe von Campo alla Sughera. Gemeinsam mit Cabernet Franc bildet sie die Basis des Super Tuscans Campo alla Sughera Toscana Rosso IGT, der nur in herausragenden Jahren entsteht.

Herzstück des Portfolios ist Arnione Bolgheri DOC Superiore. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot aus ausgewählten Parzellen verbinden mediterrane Frische mit Struktur und Tiefe. Der Name verweist auf alabasterartige Gebilde, sogenannte «Arnioni», die im Boden der Etruskerküste gefunden werden. Ein treffendes Symbol für ein Gut, das seine Identität buchstäblich aus dem Untergrund schöpft.
Mit Anima di Arnione wird der Terroirgedanke weiter zugespitzt. In besonders gelungenen Jahrgängen wird jeweils eine der vier Rebsorten des Arnione separat abgefüllt. Das Projekt entstand aus der Erforschung der einzelnen Mikroterroirs und soll deren Charakter möglichst unverfälscht zeigen.

Bolgheri auch virtuell erleben
Bemerkenswert ist das Hospitality-Konzept. Neben individuell organisierten Weinbergsbesuchen und vertikalen Verkostungen bietet Campo alla Sughera eine Virtual-Reality-Tour an. Mit VR-Brillen erleben Besucher Handlese, Traubenselektion und den Weg durch den Keller aus nächster Nähe. Die virtuelle Reise ergänzt die Führung durch Weinberge, Gär- und Barriquekeller. Den Abschluss bildet eine Verkostung mit Arnione, Campo alla Sughera und den in Amphoren gereiften Anima-di-Arnione-Weinen. Eine ungewöhnliche Verbindung von Hightech und Terroir, die die akribische Arbeitsweise des Weinguts unmittelbar erfahrbar macht.


