Kei Kobayashi

Den Thron von Bocuse besteigen andere

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 8. Februar 2020


FRANKREICH (Paris) – Die Herabstufung der „L’Auberge du Pont de Collonges“ trifft die Familie des in 2018 verstorbenen Spitzenkochs Paul Bocuse und seine Fans hart – mehr zum Thema in meinem Artikel mit dem Titel: „Sterne sind nicht erblich“. Es war ein Schock für die Gastroszene, dass der Gastronomieführer Michelin dem Restaurant des Jahrhundertkochs Bocuse jüngst einen Stern absprach. Fast parallel erobert ein Nachfolger – rein symbolisch gesehen – den Thron von Monsieur Paul. Während die Anhänger der L’Auberge du Pont de Collonges, wo der Geist von Monsieur Paul noch weilt, erst dachten, die Aberkennung des dritten Sterns sei eine Falschmeldung, freute sich der Japaner Kei Kobayashi über den dritten Stern, den ihm der Guide Michelin jetzt zusprach.

Sein „Knuspriger Gemüsegarten mit schottischem Räucherlachs an Rucola-Mousse und Zitronen-Creme“ habe die Michelin-Experten besonders überzeugt, hiess es in einer begleitenden Pressemitteilung zur Ehrung des Spitzenkochs. „Ich danke Frankreich“, wird Kei in den französischen Medien zitiert, der seit 1998 in Frankreich lebt und sein Restaurant, unweit des Pariser Louvre, seit 2011 betreibt. Er selbst spricht von sich als „japanischen Koch, der französisches Essen zubereitet“. Gelernt hat der Küchenchef mit den blond gefärbten Haaren unter anderem bei seinem französischen Vorbild Alain Ducasse.

Glenn Viel & Christopher Coutanceau

Auch der französische Spitzenkoch Glenn Viel erkochte sich mit dem Team seines Restaurants "L'Oustau de Baumanière" den dritten Stern. Spezialität des L´Oustau, gelegen am Fuße des provenzalischen Felsendorfs Baux-de-Provence, ist konsequentes ökologisches Kochen und das Betreiben eines eigenen Obst- und Gemüsegartens. Auch Christopher Coutanceau, der sich selbst als Koch und Fischer beschreibt, erhielt ebenfalls die Michelin-Spitzenbewertung und schmückt damit künftig sein nach ihm benanntes Restaurant, gelegen in der Atlantik-Hafenstadt La Rochelle.

120 Jahre Guide Michelin

Insgesamt sind in der neuen Michelin-Ausgabe für dieses Jahr 628 französische Restaurants mit einem bis drei Sternen gelistet. Das sind vier weniger als im vergangenen Jahr. Die aktuelle Liste von Spitzenrestaurants und -köchen in Deutschland stellt Michelin am 3. März in Hamburg vor.

Der Michelin-Führer wird in diesem Jahr 120 Jahre alt. Erstmals wurde er 1900 an Kunden des französischen Reifenstellers Michelin verteilt. Aus dieser Tradition stammen auch die Bewertungen: Ein Stern steht für eine raffinierte Küche, „für die sich ein Halt lohnt“. Zwei Sterne für eine außergewöhnliche Küche, „die einen Umweg wert ist“. Drei Sterne schließlich werden für eine einzigartige Küche vergeben, die „die Reise lohnt“.

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