Kein Wein für den schnellen Applaus

Furmint aus Österreich im Profipanel

Text: Harald Scholl, Fotos: Renyue Zhang, Flaschenbilder z. V. g.

Man kann vieles darüber sagen, aber sicher nicht, dass Furmint eine Sorte für den schnellen Applaus wäre. Sie kann herb wirken, kantig, manchmal geradezu sperrig. Aber wenn Reife, Säure und Ausbau zusammenfinden, entstehen Weine mit Zug, Würze und einer Herkunftspräzision, die man in dieser Form nur selten findet. Ein Profipanel in Wien mit trockenen Furmints aus Österreich zeigte, wie ernst diese Rebsorte inzwischen genommen werden muss.

Auffällig war, wie klar sich im Panel bestimmte Qualitäten durchsetzten. Besonders überzeugend wirkten jene Weine, die nicht auf Lautstärke, sondern auf Präzision setzten. Wo salziger Grip, kühle Mineralität, klare Säure und innere Spannung zusammenkamen, wurde es richtig interessant. Weniger Zustimmung erhielten Weine, die aromatisch diffuser blieben, in Richtung Breite kippten oder deren Struktur nicht ganz zusammenfand. Das sagt viel über die Sorte. Furmint lebt nicht von Charme im landläufigen Sinn. Sie braucht physiologische Reife, aber keinen Überdruck. Sie verträgt Extrakt, aber keine Schwere. Sie darf fordernd sein, solange der Wein in Bewegung bleibt. Genau an diesem Punkt wird die Sorte spannend, weil sie nichts kaschiert. Sie zeigt sehr schnell, ob sauber gelesen, präzise gear-beitet und im Keller mit Augenmass begleitet wurde. Christoph Hinterleitner brachte diesen Punkt in seinem Kommentar präzise auf den Nenner: Gerade in einem solchen Profipanel zeige sich, wie sehr die Säurestruktur zur Zukunftsfähigkeit der Sorte beitrage und wie überzeugend Furmint dann werde, wenn physiologische Reife, Präzision und schonende Kellerarbeit zusammen-spielen.

Das Beste an dieser Probe war freilich, dass sie nicht bloss eine These bestätigte, sondern Lust machte. Mehrere Weine besassen genau jene Mischung aus Ernsthaf-tigkeit und Trinkfluss, die man bei grossen trockenen Weissweinen sucht. Sie waren nicht geschniegelt, nicht gefällig, nicht auf schnelle Wirkung gebürstet. Und ge-rade deshalb blieben sie hängen. Manche kamen mit feiner Reduktion und steiniger Kühle, andere mit Kräuterwürze, Wachs und leicht rauchiger Tiefe, wieder an-dere mit einer fast stillen, burgundischen Souveränität. Fast immer aber ging es um Struktur, nicht um Oberflächenreiz. Steve Breitzke sprach nach der Probe von einer «Rebsorte der Zukunft» und nannte die Säure ihren tragenden, wichtigsten Punkt. Auch Alexander Rabl betonte, wie erstaunlich die Ergebnisse ausfallen können, wenn gute Winzer mit dieser Sorte arbeiten. Genau darin liegt wohl die eigentliche Botschaft dieses Tastings. Furmint will kein gefälliger Wein für die Masse sein. Die Rebsorte Furmint ist keine Sorte, die sich über gefällige Primärfrucht definiert oder im Glas sofort alles preisgibt. Aber sie kann etwas, das heute wertvoller ist denn je: Sie erzeugt Spannung. Sie übersetzt Herkunft nicht in Folklore, sondern in Struktur. Sie bringt Reibung mit, Charakter, Energie und einen unverwechselbaren Ton. Das Wiener Profipanel hat gezeigt, dass trockener Furmint in Österreich nicht länger nur ein interessantes Randthema ist. Die Sorte ist auf dem Weg zu einer ernsthaften Antwort für alle, die in einem Weisswein mehr suchen als blosse Frucht und saubere Technik. Vielleicht wird Furmint nie Everybody’s Darling. Wahrscheinlich muss sie das auch gar nicht werden. Es reicht völlig, wenn sie das bleibt, was sie in den besten Momenten dieser Probe war: eigenständig, präzise und von einer Spannung, die man nicht vergisst.


«Sehr spannend und für mich ein toller Vergleich. Die Furmint erinnert ein wenig an Chenin Blanc oder Assyrtiko; von dicht und reif, es war alles dabei, Furmint ist definitiv eine Rebsorte der Zukunft. Die Säure ist dabei der wichtigste und tragende Punkt.»

Steve Breitzke

«Furmint ist eine geniale Rebsorte, um Terroir einzufangen und abzubilden. Klima und Boden sind wunderbar ablesbar. Mit der Vielseitigkeit muss Furmint kein Furmint bleiben.Furmint in Österreich hat Potenzial und wird noch für ordentlich Aufmerksam-keit sorgen.»

Johannes Vasak

«Immer wieder habe ich einen Wein im Glas, der mich begeistert. Und dann erzählt man mir: Das ist ein Furmint! Eine spannende Rebsorte, die in den Händen guter Winzer erstaunliche Ergebnisse bringt.»

Alexander Rabl

«Furmint hat sicher ein unglaubliches Potenzial und beweist gerade in solchen Profipanels, dass die Säurestruktur viel zur Zukunftsfähigkeit der Rebsorte beiträgt. Die Verkostung zeigte eine sehr grosse Spreizung in Stil und Ausbau. Dabei zeigte sich für mich, dass Furmint besonders dann überzeugt, wenn die Reb-sorte physiologisch reif ist und mit Extrakt-süsse, Präzision und zurückhaltender, schonender Behandlung im Keller erzeugt wird.»

Christoph Hinterleitner