Schnittmenge Schauspielerei
Interview mit Gregor Seberg
Text: Nicole Harreisser, Foto: Jan Frankl

Gregor Seberg ist einer der vielseitigsten Protagonisten der österreichischen Kultur- und Unterhaltungsszene. Jetzt kehr er zurück zur SOKO Donau, ist parallel mit seinem Kabarett-Programm «Schatzkiste» auf Tour und zusammen mit Ali Jagsch sinniert er im Podcast «Sprechblasen» über den alltäglichen Wahn-sinn. Im Interview spricht er über seinen Weg zwischen Bühne und Bildschirm und darüber, warum echter Genuss kein Luxus ist.
Gregor Seberg, Sie sind bekannt und beliebt aus Film und Fernsehen. Nach zehn Jahren Pause kehren Sie zurück zur «SOKO Donau». Was hat den Reiz ausgemacht, wieder zurückzukehren?
Vor allem, dass ich überhaupt nicht damit gerechnet habe. Und jetzt muss ich beweisen, dass ich das – behauptete – Niveau von damals halten kann. Geht eigentlich nicht. Also sehr reizvoll.
Wie kamen Sie zur Schauspielerei? Wollten Sie immer schon Schauspieler werden?
Ich wollte Naturforscher werden, dann irgendetwas mit Literatur. Ich glaube, in meinem Fall ist die Schnittmenge die Schauspielerei.
Wie haben Sie Ihre Liebe zu Texten entdeckt? Was bedeutet Literatur für Sie?
Als ich ungewollt als Jugendlicher nach Wien gezogen bin, fühlte ich mich dort sehr einsam. In der Literatur, namentlich in der Lyrik, fand ich Menschen, denen es noch beschissener ging als mir. Das und vor allem ihre Schriften waren von da an meine Freunde. Literatur ist seither für mich das Grösste, was es gibt. Okay, vielleicht nach der Tierwelt. Was wir denken, was wir fühlen, was wir sind, würde niemand wissen, wenn es nicht irgendwer aufgeschrieben hätte.
Sie sind Schauspieler, Regisseur und Autor. Wann kam das Kabarett dazu? Mit ihrem Bühnenprogramm «Schatzkiste» sind Sie nach wie vor auf Tour. Haben Sie ein neues Programm in der Pipeline?
Ein Freund, selbst Kabarettist, hat mich vor gefühlt 10 000 Jahren gefragt, ob ich nicht mit auf die Bühne wolle. Ich dachte, er sei spontan verrückt geworden, habe aber zugestimmt. Und war dann infiziert. Ich kann stehen, wo ich will, sagen, was ich will, sogar die Hose, die ich anhabe, wähle ich aus. Das ist Freiheit! Meine strenge, aber ungemein liebevolle Agentin schaut schon darauf, dass immer etwas in der Pipeline ist.
Wenn Sie auf die Bühne gehen, haben Sie ein Ritual gegen Lampenfieber?
Keines, das funktioniert.
Wenn Sie auf der Bühne stehen, wie viel ist echtes Programm und wie viel improvisiert?
Es ist schon hauptsächlich das Programm, aber ich lasse offen, wie weit ich mich von mir selbst oder dem Publikum ablenken lasse. Es ist einfach Kabarett, gemischt mit Stand-up. Also 70:30 oder so.
Wie viel echten Gregor Seberg sehen wir auf der Bühne? Wie gross ist der Bezug zu Ihrem Alltag?
Das verrät man natürlich nicht. Es ist allerdings so, dass die Absurdität des Menschen sowie seine Blödheit, gepaart mit Bosheit, ja vor der Haustür zu finden ist. So gesehen: alles echt.
Ihre Wurzeln liegen in Graz und in Wien. Beide Städte liegen inmitten einer Weinregion. Wann und wie haben Sie Wein kennengelernt?
Also, zum ersten Mal richtig bewusst Wein getrunken habe ich in Spanien. Ich war etwa 15. Man hat mir erklärt, dass ein guter spanischer Rotwein so beschaffen sein muss, dass man beim Blick durch das gefüllte Glas die Sonne dahinter nicht sieht. Ich fand das sehr beeindruckend und habe mich zur Sonne durchgetrunken. Guter Wein, hicks.
Was bedeutet für Sie ein Glas Wein?
Es ist wie eine Belohnung für etwas, was man nicht geleistet hat, man streichelt sich quasi selbst. Ein kleines Fest ohne Anlass. Grossartig also.
Erinnern Sie sich an ein ganz besonderes Erlebnis mit Wein?
Ich durfte in Gumpoldskirchen bei Wien, einer bekannten Weingegend, bei der Lese dabei sein: beim Stampfen der Trauben in einem riesigen Bottich und der dramatischen nächtlichen Zuckergehaltsbestimmung. Seither habe ich den grössten Respekt vor denen, die sich dieser Arbeit widmen.
Wenn Sie einem Freund in Deutschland oder der Schweiz österreichische Weine empfehlen würden – welche Region oder welcher Wein steht für Sie für als «typisch Österreich»?
Ich bin Steirer. Ein kleschkalter Grauburgunder lässt dich alles rund um dich vergessen und lächeln. Ich bin kein Experte, aber Verlass ist auf das Weingut Kapper mit seinen exzellenten Burgundern.
Zusammen mit Ali Jagsch plaudern Sie über Alltägliches in Ihrem Podcast «Sprechblasen». Wie kam es dazu?
Zu dem Podcast kam es durch die Beharrlichkeit von Ali und Julia (Agentur). Weil ich geschworen habe, niemals einen Podcast zu machen. Und wie meist, wenn ich etwas fix behaupte, falle ich dann um.
Haben Sie bei Ihren vielen Projekten und der Familie noch Zeit für Hobbys?
Tja, nein. Aber es fehlt mir im Moment auch nichts. Es gibt nichts, was ich lieber täte, als mit meinen Kindern Blödsinn zu machen.
Welchen Wein haben Sie immer im Kühlschrank?
Oh, ich habe nicht immer Wein im Kühlschrank! Vor Jahren hat mir jemand so einen Weinkühler geschenkt. Er steht noch verpackt herum. Vielleicht ist dieser Fragebogen ja jetzt die Initialzündung, ihn in Betrieb zu nehmen.
Bevorzugen Sie Weiss- oder Rotwein?
Eine teuflische Frage! Der Idealzustand für mich ist: gutes Essen, dazu Weisswein UND Rotwein und Wasser. Dann kann ich hin und her springen. Auf die einsame Insel würde ich wohl Rotwein mitnehmen und mich dann ärgern.
Darf es bei Ihnen auch im Glas sprudeln?
Nicht so unbedingt. Sekt bereitet mir zumeist Kopfschmerzen. Champagner ist eine seltene Begegnung. Weisswein im Sommer – gespritzt, ja. Oder meinten Sie etwa Mineralwasser?
Was bedeutet Genuss für Sie?
Da kann ich einfach nur mit Harald Juhnke antworten: «Keine Termine und leicht einen sitzen.»