Das Beste aus 1650 Weinen

Riesling Champion 2020

Text: Rudolf Knoll, Carsten S. Henn, Harald Scholl, Fotos: Jana Kay, Armin Faber

Es war ein würdiges Championat für eine besondere Sorte. Über 1600 Rieslingweine aller Gewichts- und Preisklassen und dazu noch etwa 50 «Kinder» wie Scheurebe und Rieslaner waren am Start. Sie kamen aus Kellern prominenter Häuser, ambitionierter Newcomer, engagierter Traditionalisten, leistungsfähiger Genossenschaften und von Staatsbetrieben. Es gab in der Spitze echte Überraschungen, aber auch Favoritensiege, sogar ein Bruder-Wettkampf stand auf dem Programm, der praktisch unentschieden endete. Natürlich blieben Enttäuschungen bei hoffnungsvollen Erzeugern nicht aus. Den Titel «Champion» in der Gesamtwertung holte sich mit einem Minivorsprung einer, der damit nicht gerechnet hatte, aber vorher schon mehrfach die Nase vorn hatte...

Gesamtsieger • Champion

Weingut Philipp Kuhn

«Ich habe zuerst gedacht, Ihr wolltet mit mir über die Auswirkungen von Corona auf Winzer sprechen», meinte Philipp Kuhn beim Anruf mit der frohen Botschaft. Dann kam ein ehrliches «Das hätte ich nicht gedacht.» Nämlich dass er sich zum inzwischen vierten Mal mit dem Titel «Riesling Champion» dank der besten Durchschnittsnote für vier Weine schmücken darf, um ein Zehntel besser als der Zweitplatzierte Moselaner Thomas Haag von Schloss Lieser. Einen Edelsüssen hatte er auch ins Rennen geschickt, aber der war für die Entscheidung nicht bedeutsam. Die trockene Serie war eindrucksvoll genug. Insgesamt 14 von 16 Anstellungen hatten es ins Finale geschafft und wurden hier überwiegend mit 16 Punkten aufwärts bewertet; zwei der Weine landeten unter den Top 6. Das ist Spitzenklasse auf breiter Front. Hier erkennt man auch die Erfahrung. Philipp Kuhn trägt zwar immer noch sein strahlendes Junioren-Lächeln spazieren und verkörpert auch in schwierigen Phasen einen Gute-Laune-Typ. Aber 2019 war bereits sein 28. Jahrgang als selbstständiger Winzer. Langsam bereitet er sich auf die Feier zum 50. Geburtstag vor. Auszeichnungen sammelte er seit dem ersten Jahrgang 1992 wie andere Leute Wein-Raritäten. Allein beim Deutschen Rotweinpreis trug er sich bislang zehnmal in die Siegerlisten ein. Sein Plus sind Toplagen in unmittelbarer Nachbarschaft mit insgesamt 32 Hektar. Deren Potenzial nutzt der Winzer aus Leidenschaft mit viel Akribie im Weinberg und Keller. (kn)

www.weingut-philipp-kuhn.de

Das siegreiche Quartett

18.5 Punkte
2019 Kallstadter Saumagen VDP.Grosses Gewächs

18.5 Punkte
2019 Zeller Schwarzer Herrgott VDP.Grosses Gewächs

18 Punkte
2018 Kallstadter Saumagen VDP.Grosses Gewächs

17.5 Punkte
2019 Laumersheimer Kirschgarten VDP.Grosses Gewächs

Kategoriesieger «Über 20 Euro»

Weingut Georg Breuer

Besser als Theresa Breuer kann man ihren grossartigen Rottland nicht beschreiben: «Freundlich lächelnd, aber immer auch ernsthaft, druckvoll und anhaltend, steinig und fruchtig, so wie es sich für einen vom Schiefer geprägten Riesling gehört! Tatsächlich ist für mich der Berg Rottland wahrscheinlich der ‹typischste› unserer Lagenrieslinge.» Von Breuers drei grossen Lagenrieslingen hat dieser die kürzeste Tradition im Betrieb. «Ganz ehrlich: Wir mussten uns aneinander gewöhnen. Ich weiss nicht, ob die Reben erwachsener geworden sind oder ich, doch haben wir uns in den letzten Jahren angefreundet.» Vielleicht lag es auch an einem halben Hektar im steilen Kernstück, den sie übernehmen konnte. «2018 war wahnsinnig, noch nie haben wir so früh mit der Ernte begonnen und diese auch abgeschlossen. Sämtliche Rieslinge wurden bereits im September gelesen, und das in einem extrem guten Gesundheitszustand!» Die Säuren fielen zarter als sonst aus, der Restzucker niedriger. «Jeder Jahrgang findet seine Balance selbst.» Stimmt auffallend! (che)

www.georg-breuer.com

Zusätzlicher Sonderpreis «Riesling des Jahres»

2018 Rüdesheimer Berg Rottland

19 Punkte

Dieser Wein steht perfekt für die sehr erträgliche Leichtigkeit des Seins. Bloss 11,5 Vol.-% Alkohol, aber faszinierende Tiefe und Komplexität. Dazu Klarheit und vibrierende Vitalität. Ein grosser Wein!

Kategoriesieger • 10 bis 20 Euro Trocken

Weingut Seeger

Er ist schon richtig hier platziert, der badische Rotweinkünstler Thomas Seeger aus Leimen, geboren im Jahrhundert-Jahrgang 1959. Er steht seit etlichen Jahren beim Deutschen Rotweinpreis auf den Siegerlisten. Weil es letztes Jahr «nur» zu einem zweiten Rang reichte, musste jetzt der Riesling ran, mit dem er das Potenzial für diese Sorte in der Region Kraichgau deutlich machte. Es ist ein Wein aus der VDP. Erste Lage (Heidelberger Herrenberg), der zudem das Kriterium eines optimalen Preis-Wert-Verhältnisses erfüllte (Best Buy unter 15 Euro). Er ist nach dem Namen von Tochter Anna Marie benannt, die damit besonders angespornt wird, in einigen Jahren Weinbau zu studieren. Ein Zufallserfolg war es nicht. Seeger hatte nach gutem Zureden durch seine Frau Sunni fünf Weine aufgeboten, die alle im Finale vertreten waren. Sein Abschneiden kann durchaus Furcht bei den Fans von Spätburgunder und Co. erwecken. Wird sich der Leimener künftig mehr um Riesling kümmern...? (kn)

www.seegerweingut.de

1. Platz «10 bis 20 Euro Trocken»

2018 Anna Marie VDP.Erste Lage

18 Punkte

Ein trockener Spitzenwein muss nicht unbedingt im Alkoholgehalt besonders auftrumpfen (nur 12,5 Vol.-%). Säure und Süsse stehen mit jeweils 6 g/l sehr gut in Harmonie zueinander. Sehr sanftes Holz gibt Struktur.

Kategoriesieger • 10 bis 20 Euro Trocken

Weingut Künstler

Mit seinem ersten Wein, vinifiziert im Alter von 19 Jahren beim tollen Jahrgang 1988, schockierte Gunter Künstler seinen Vater Franz, der den Betrieb in Hochheim aus kleinen Anfängen aufgebaut hatte: Er liess eine Auslese durchgären, damals fast ein Sakrileg. Aber der Wein bekam viel Beifall, so dass ihn der Senior gewähren liess und ihm vier Jahre später die komplette Verantwortung übergab. Das Weingut ist seitdem gewaltig auf 50 Hektar gewachsen. Gunter hat nach wie vor alles im Griff. Er sieht sich als Teamplayer, der mit Gattin Monika ein Organisationstalent an seiner Seite hat. Im Keller kann er sich seit 2004 auf den Önologen Rolf Schregel verlassen, der ihn auch – wie hier – bestens bei Fototerminen vertritt. Ansonsten ist er zuständig für Riesling mit viel Schliff und oft bestechender Mineralität. «Mit Durchschnitt wären wir nie zufrieden, wir streben höchste Qualität an.» (kn)

www.weingut-kuenstler.de

1. Platz «10 bis 20 Euro Trocken»

2018 Hochheimer Domdechaney VDP.Erste Lage

18 Punkte

Ausserdem war das Weingut mit weiteren zehn Weinen im Finale vertreten. Eine grossartige Gesamt-Bilanz, die aufzeigt, dass der Winzer schon den richtigen Namen trägt…

Kategoriesieger • 10 bis 20 Euro Trocken

Weingut Wirsching

Es ist schon Glück, wenn man eine so passende Urlaubsvertretung hat wie Andrea Wirsching, die Chefin und 14. Generation im traditionsreichen Iphöfer Weingut Wirsching, einem fränkischen Aushängeschild. Dr. Heinrich Wirsching, 87 (kein Tippfehler), der noch jeden Tag im Betrieb gesichtet wird, war es, der vor dem «Amtsantritt» der Tochter über einen langen Zeitraum mit Bruder Hans (gestorben 1990) durch geschickte Flächenerweiterung in überwiegend steilen Toplagen die Voraussetzung schuf, dass der Name Wirsching heute weit über Franken hinaus einen guten Klang hat. Und das nicht nur für Silvaner, sondern auch für Riesling, der knapp 20 Prozent Flächenanteil von den 90 Hektar hat. Unter Regie des weinverantwortlichen Betriebsleiters Dr. Klaus-Peter Heigel entstehen erstklassige, herrlich ungeschminkte, «fränkisch trockene» Weine, aber auch edelsüsse Spezialitäten. In den Reben wird sehr umweltschonend gearbeitet, garantiert selbst dann, wenn sich Andrea eine Auszeit gönnt. (kn)

www.wirsching.de

1. Platz «10 bis 20 Euro Trocken»

2018 Iphöfer Kronsberg
Alte Reben VDP.Erste Lage

18 Punkte

Die Lage mit ihren steilen Südhängen und Keuper im Boden gehört zu den fränkischen Spitzen. Die Weine sind betont mineralisch und in der Säure gut abgepuffert.

Kategoriesieger • Bis 10 Euro Trocken

Weingut Johann Ruck

Wer auf der Suche nach feinstem deutschem Riesling ist, wird für gewöhnlich nicht in Franken fündig. Mosel, Rheingau, Pfalz oder Rheinhessen sind die bekannten Hotspots für diese Rebsorte. Aber der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Gerade am Main zeigt die deutsche Edelrebsorte ungeahnte Qualitäten, einfach weil sie dort inzwischen perfekt reifen kann. Hansi Ruck ist einer der bekanntesten Nutzniesser dieser Entwicklung, in den Weinbergen rund um Iphofen wird der Riesling reif, ohne Fett anzusetzen. Die kargen Muschelkeuperböden bringen die nötige Mineralität in den Wein. Gerade in den unteren Prädikatsstufen können die fränkischen Rieslinge ihre Stärken ausspielen. Saftige, animierende Frucht unterlegt von kernig-mineralischer Würze. In Kombination mit der typisch fränkischen Zurückhaltung bei der Preisgestaltung sind sie echte Fundstücke für Rieslingfreunde. Soll noch einer sagen, dass der Klimawandel nicht auch seine guten Seiten hätte. (hs)

www.ruckwein.de

2019 Iphöfer VDP.Ortswein

17 Punkte

«Nur» eine Ortslage und doch das volle Programm. Die vielen grossartigen Lagen rund um den Ort bringen reife, saftige Frucht und fränkische Pikanterie ins Glas. Stimmig und anhaltend.

Kategoriesieger • Echte Kabinett

Maximin Grünhaus
Familie von Schubert

Dass Maximin von Schubert, seit 2014 Chef im traditionsreichen wie angesehenen Weingut in Mertesdorf an der Ruwer, einen trockenen Humor hat, machte er nach der Erfolgsmeldung mit Rang eins und zwei in der Kategorie Kabinett mit einem Anruf bei der Redaktion deutlich: «Unser Abtsberg trägt Trauer.» Denn mit einem Kabinettstück aus dieser Flur hatte er vor einem Jahr gesiegt. Aber in diesem Jahr hat er bei den Leichtgewichten Weine aus den Toplagen Bruderberg und Herrenberg ins Rennen geschickt, die Platz eins und zwei belegten. Doch der Abtsberg kann sich immerhin mit sehr guten Bewertungen für eine Spätlese und ein Grosses Gewächs (jeweils 17 Punkte) trösten. Alle drei sind Monopollagen, das heisst, sie befinden sich im Alleinbesitz der Familie von Schubert, für Deutschland eine ungewöhnliche Konstellation, die aber eine konzentrierte, zielgerichtete Bewirtschaftung ermöglicht. Im Keller wird schon seit ewigen Zeiten Spontangärung praktiziert, Holzfässer spielen beim Ausbau eine wesentliche Rolle. Verantwortlich für die Vinifikation ist seit 2004 Kellermeister Stefan Kraml, der einer ganz einfachen Zielsetzung, geprägt von Senior Dr. Carl von Schubert, folgt: «Wir wollen authentische, unverwechselbare, lang haltbare Weine.» (kn)

www.maximingruenhaus.de

2019 Bruderberg Kabinett
VDP.Grosse Lage Mosel

18.5 Punkte


2019 Herrenberg Kabinett
VDP.Grosse Lage Mosel

18 Punkte

Die Weine von Maximin Grünhaus sind einer der stabilen Pfeiler in der von Brachflächen verunzierten Ruwer-Region. Man erkennt sie schon von weitem am Etikett – und im Glas an ihrer verspielten, anregenden Leichtigkeit, die etwas an die Musik von Mozart denken lässt. Eine Ausnahme gibt es aktuell im Haus: Der vor einigen Jahren eingeführte Spätburgunder erinnert mit seiner Fülle und gut 15 «Volt» eher an Arnold Schwarzenegger in Bestform.

Kategoriesieger • Edelsüss

Weingut Bürgerspital

Viele alte Rebanlagen, 80 Prozent davon in steilen Lagen auf Muschelkalk, der für betont mineralische Weine sorgt, das sind die Voraussetzungen für die Weinmacher des traditionsreichen, schon 1316 gegründeten Würzburger Bürgerspitals, das sich durch den Weinerlös auch um alte Menschen kümmern kann. Beim Wein hat seit 2007 ein gebürtiger Schwabe das Sagen über 120Hektar. Robert Haller, 59, machte 1984 sein Hobby zum Beruf, sammelte erste Erfahrungen in der Pfalz, studierte Weinbau an der Hochschule Geisenheim, war dann in der Toskana und im Markgräflerland sowie ab 1994 in Franken aktiv. In seiner Tätigkeit beim Bürgerspital erfuhr er einige Auszeichnungen. Er sieht sein Haus als «Terroirspezialisten». Zielsetzung: glasklare, mineralische Weine mit Charakter erzeugen, die ihre Herkunft widerspiegeln, schon in der Basis beim Gutswein bis hin zu höchsten Qualitäten. Frucht und Süsse sind ihm nur wichtig bei edelsüssen Weinen. Hier geniessen Trockenbeerenauslesen Priorität. 2018 nutzte man eine brillante Edelfäule in einer 30 Jahre alten Anlage. Gekeltert wurde in einer Korbpresse. Das Ergebnis: hundert 0,5-l-Bocksbeutel. Nicht viel, aber grandios. Verkaufsleiter Thomas Hammerich (im Bild) darf zuteilen (angemessene 140 Euro). (kn)

www.buergerspital.de

2018 Würzburger Stein-Harfe Trockenbeerenauslese Franken

19 Punkte

Eine Rarität mit unbegrenzter Haltbarkeit, geprägt von konzentrierter Süsse und rassiger Säure. Für die Ernte der rosinenartigen, hochkonzentrierten, nur schwer zu kelternden Trockenbeeren packten etwa 20 Lesehelfer an.

Kategoriesieger • Fruchtig

Weingut Joh. Bapt. Schäfer

Fast 20 Jahre liegen zwischen der Wahl Sebastian Schäfers zum besten Nachwuchswinzer Deutschlands und dem Sieg in der Kategorie Fruchtig. 20 Jahre, in denen der Aufstieg in den Kreis der VDP-Weingüter gelang, in denen es Sebastian Schäfer immer wieder schaffte, mit seinen feingliedrigen und dennoch tiefwürzigen Weinen die Verkoster zu überzeugen. All das scheinen aber nur Etappenziele gewesen zu sein, die Mission Riesling ist noch nicht beendet. Sebastian Schäfer gelingt es in fast jedem Jahrgang, Weine mit ganz individuellen Qualitäten in die Flaschen zu bringen. Während viele Kollegen auf der Suche nach maximaler Kraft und Expressivität sind, ist er ein Suchender in Sachen Finesse und Feingliedrigkeit. Dabei sollte man die unterschwellige Kraft der Weine von der Nahe nie unterschätzen. Rauchig-würziger Duft, feinziselierte Säurestruktur und perfekt ausbalancierte Süsse sorgen in dieser Spätlese für enormen Trinkspass. Jetzt und erst recht in vielen Jahren. (hs)

www.jbs-wein.de

2019 Dorsheimer
Pittermännchen Spätlese

18 Punkte

Der Beleg, das Feinheit, Präzision und Kraft eine Einheit bilden können. Jetzt verführerisch animierend, in zehn Jahren komplex und vielschichtig.

Kategoriesieger • Auslese

Weingut Fritz Haag

Für einen Moment sah es so aus, als hätte Oliver Haag, Chef im Weingut Fritz Haag, nicht nur in der Kategorie Auslese triumphiert, sondern sich auch den Titel «Champion» geangelt. Aber eine der beiden hoch bewerteten Auslesen musste, dem Reglement entsprechend (nur ein Edelsüsser), aus der Wertung genommen werden. So reichte es nicht ganz für den Platz an der Sonne und den kleinen Triumph über Bruder Thomas (Schlossgut Lieser), der auf Platz zwei in der Champion-Rechnung landete. Gleichwohl hat Oliver Haag, seit er 2005 das Weingut Fritz Haag von Vater Wilhelm («Willem», Jahrgang 1937) übernahm, viel eigenständige Akzente gesetzt und jede Menge grossartiger, nicht selten genialer Weine auf knapp 20 arbeitsintensiven Hektar erzeugt. Auch deshalb, weil er oft vergleicht mit Weinen von Kollegen, akribisch im Weinberg und Keller arbeitet und mit Gattin Jessica eine anspornende Frau an seiner Seite hat. Für ihn und Bruder Thomas gilt das alte Sprichwort, auf das schon Ruheständler Wilhelm mit Blick auf seinen Vater schwor: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. (kn)

www.weingut-fritz-haag.de

2019 Brauneberger Juffer
Sonnenuhr Auslese Goldkapsel

19 Punkte

Die Goldkapsel-Bestimmung für die besondere Wertigkeit des Weines war trefflich; er war um einen winzigen Tick besser als die «normale» Auslese aus der gleichen Flur (18.5 Punkte, Rang 2). Ausserdem in der Wertung: Spätlese Juffer Sonnenuhr (17 Punkte), Kabinett Juffer (16.5) und Grosses Gewächs Juffer Sonnenuhr (18.5).

Kategoriesieger • Halbtrocken | Feinherb

Weingut Heinz Schmitt Erben

«Wir waren platt, als wir die Nachricht vom Sieg bekamen», lacht Silvi Schmitt, Mutter des erfolgreichen Sohnes Carlo aus Leiwen. Die studierte Ökotrophologin, die in der Mosel-Region eine Kindertagesstätte betreut, hat einen wichtigen Anteil daran, dass der Junior überhaupt Winzer werden konnte. Denn sie hatte den Betrieb weitergeführt, als ihr Mann Heinz 2010 kurz vor der Weinernte bei einem Unfall tödlich verunglückte. Viele Freunde halfen damals bei der Ernte. Auf Sparflamme machte sie mit Unterstützung eines befreundeten Kellermeisters auf zwei Hektar weiter. 2017 konnte Carlo, der schon in der Jugend in den Reben mitarbeitete, nach einer Lehre seinen ersten Jahrgang einbringen. Von Anfang an praktizierte der talentierte und im positiven Sinn ehrgeizige 22-Jährige Spontangärung und ein langes Hefelager. Aktuell drückt er in Weinsberg die Schulbank mit Zielsetzung Weinbautechniker. Tipp: Von Vater Heinz gibt es noch reife Edelsüsse. (kn)

www.weingut-heinz-schmitt.de

2019 Laurentiuslay feinherb

18.5 Punkte

Diese Weinart ist eine der beson-deren Stärken der Mosel – wenn sie gekonnt ausgespielt wird. Leichtgewichtig, mit relativ wenig Alkohol (hier gerade 11,2 «Volt»), dazu etwas angemessene, nicht zugesetzte, sondern natürliche Fruchtsüsse (25g/l) und eine lebhafte, anregende Säure (7,6 g/l).

Kategoriesieger • Kinder des Rieslings

Weingut von Winning

Stephan Attmann ist es im Eiltempo gelungen, den Namen «von Winning» in der Spitze des deutschen Weinbaus zu etablieren. Vor allem mit Riesling und Sauvignon Blanc spielt man in der ersten Liga mit, das scheint Stephan aber nicht genug zu sein. Und da der Pinot Noir – auf den viele Weinfreaks sehnsüchtig warten – noch nicht auf dem Markt ist, kann man sich die Zeit aufs Beste mit dieser Scheurebe vertreiben. Die so ganz andere Aromen zeigt als die Sauvignon Blanc des Hauses. Sie wagt mehr Frucht, verlässt sich weniger auf den Boden, beweist mit Reintönigkeit und Klarheit echte deutsche Weintugenden. Es ist der gelungene Beweis, dass Attmann alle Facetten deutscher Weinkultur beherrscht, auch die Süssen. Ohne jegliche Schwere tanzt diese Scheurebe den Gaumen entlang, erheitert, beglückt und lässt doch verzweifeln. Weil die Flasche gar so schnell leer ist… (hs)

www.von-winning.de

2019 Scheurebe Auslese

18.5 Punkte

Nein, das ist kein Sauvignon Blanc– das ist mehr! Zurückhaltend, wo der andere laut ist, fein ausbalanciert zwischen Süsse und Säure. Unglaublicher Trinkfluss, der nichts ausser Freude bereitet.

Sonderpreis «Federleicht»

Weingut Schloss Saarstein

Höchstens 11 Vol.-% durfte der Sieger dieser Kategorie haben und musste trocken oder halbtrocken ausgebaut sein. Ein Gewinner von Mosel, Saar oder Ruwer war da nicht unwahrscheinlich, und tatsächlich gewann mit dem wunderbaren Kabinett von Schloss Saarstein ein Vertreter der Region. Gewachsen sind die Trauben auf Christian Eberts ebenso beeindruckender wie steiler Monopollage Serriger Schloss Saarsteiner. In die Hände seiner Familie kam Schloss Saarstein im Jahr 1956, 1908 war es Gründungsmitglied des Grossen Rings in Trier.

Ebert ist nicht nur Winzer, sondern auch passionierter Jäger. Das ist für ihn Ausgleich wie auch «notwendiger Selbstschutz». Rehe lieben die jungen Triebe seiner Reben, Wildschweine die saftigen Trauben. Wir sind sehr froh, dass die Trauben für den feinherben Kabinett niemandem zum Opfer fielen und ein federleichtes 10,5-Vol.-%-Meisterstück entstehen konnte. (che)

www.saarstein.de

2019 Schloss Saarstein Riesling Kabinett feinherb

17.5 Punkte

Man merkt dem mineralischen Wein den hohen Devonschieferanteil im Boden an. Dank Vergärung im Edelstahl enorm rassig, was in Verbindung mit der reifen Frucht zu herrlicher Saftigkeit und grossem Trinkfluss führt.

Sonderpreis «Literriesling»

Weingut Ferdinand Abel

Die klassischen Rheingauer Tugenden sind in der Weinwelt bekannt, Kraft, Würze und Reinheit prägen die besten Weine aus Rüdesheim, Oestrich und Hattenheim. All das gibt es auch schon im Literriesling, etwa bei Reiner Abel. Er macht keine Kompromisse, wenn es um die Qualität all seiner Weine geht, vor März des Folgejahres füllt er keine Weine.

Die längere Lagerung auf der Hefe sorgt für mehr Körper und Geschmack, davon ist er überzeugt. Besonders gut zu schmecken schon im kleinsten Riesling, der alle Tugenden seiner grösseren Brüder aufweist. Besonders auffällig ist die fast schon kristalline Reintönigkeit, die den grossartigen Jahrgang 2019 aufs Beste widerspiegelt. Kleine Weine in grossen Jahren, heisst es immer wieder. Auch hier zeigt sich: Wer braucht da schon die grösseren Brüder im Glas, wenn der Kleine schon so gut ist. Oder? (hs)

www.weingut-abel.com

2019 Riesling trocken

16.5 Punkte

Die kühle Aromatik des Rheingaus paart sich mit glasklarer Frucht. Saftige Säurestruktur, kräftig und gut gebaut. Ein wunderbarer Begleiter zu deftiger Küche.

2. Platz Champion

Weingut Schloss Lieser

Als Thomas Haag in den frühen 90er Jahren mit Gattin Ute das damals baulich und vom Ruf her ramponierte Schlossgut Lieser neben dem denkmalgeschützten Schloss (heute Hotel) erwarb, hatte er eine gewaltige Aufgabe vor sich. Aber Vater Wilhelm Haag stand bei. Und der Junior nutzte bald das Potenzial hervorragender Lagen. Die Rebfläche konnte so nach und nach auf heute 24 Hektar erweitert werden. Die steilen Weinberge werden naturnah bewirtschaftet. Im Keller wird schonend gepresst, die Vergärung erfolgt spontan. Danach werden die Weine weitgehend sich selbst überlassen. Im Jahrgang 2019 konnte Thomas aus dem Vollen schöpfen.

Mit fruchtigen Weinen in den leichteren «Gewichtsklassen» trumpfte er gewaltig auf und sprang auf Rang zwei in der Champion-Wertung. Das ist sicher auch Motivation für die nächste Generation: Tochter Lara ist im Verkauf aktiv, Sohn Niklas ist als gelernter Winzer bereits die rechte Hand des Vaters. (kn)

www.schlosslieser.de

Viermal 18 Punkte holten:

2019 Wehlener Sonnenuhr Kabinett

2019 Brauneberger Juffer Kabinett

2019 Wehlener Sonnenuhr Spätlese

2019 Wehlener Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel

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