Umfragen in Frankreich und Spanien
Immer mehr nutzen KI als Weinberater

Text: Alice Gundlach | Veröffentlicht: 16.09.2026
Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) beim Weinkauf sowohl in Restaurants als auch in Supermärkten nimmt zu, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Laut der französischen Tageszeitung Le Figaro hat fast ein Drittel aller französischen Weintrinker schon mindestens einmal KI für den Weineinkauf genutzt, Auch Gastronomen stellen zunehmend fest, dass ChatGPT immer öfter die Empfehlungen von Sommeliers ersetzt.
Schnell und unkompliziert
Der Grund: «Man erhält damit eine relativ unkomplizierte, schnelle Antwort», sagte der Restaurantbesitzer und ehemalige Sommelier Matthias Alberghi gegenüber der Zeitung. «Das ist mittlerweile sehr verbreitet, vor allem bei Kunden in den Zwanzigern.»
Im Supermarkt einfach das Handy zücken
Auch im Einzelhandel scheint sich diese Erkenntnis durchzusetzen: «Ich war im Supermarkt auf der Suche nach einem Wein zum Raclette, also habe ich mein Handy gezückt und Fotos der Flaschen an ChatGPT geschickt», erzählte der 32-jährige Valentin der Zeitung. «Das hat wirklich gut funktioniert. Es wurde sogar genau angegeben, welche Rebsorte am besten zu dem Gericht passt.»
Angst, Fehler zu machen
Die Tageszeitung «La Vanguardia» aus Barcelona bekam in Umfragen unter Verbrauchern und Sommeliers ähnliche Ergebnisse. Judit Ayago, Sommelière im Restaurant Masta, erklärte etwa der Zeitung, dass sich Gäste der KI zuwendeten, weil sie «Vorbehalte gegenüber Wein haben, wegen der damit verbundenen Feierlichkeit und aus Angst, einen Fehler zu machen.»
«Es macht mich traurig, dass Gäste dem Sommelier und seinen Empfehlungen misstrauen.»
Judit Ayago, Sommelière
KI wird teilweise blind vertraut
Sie gibt teilweise der Branche die Schuld, die für Verbraucher «zu technisch und distanziert» sein könne. Ihr Blick auf die KI ist trotzdem kritisch: «Es ist bedauerlich, dass sie die KI zur Weinauswahl nutzen und glauben, dass das, was sie sagt, die absolute Wahrheit ist. Es macht mich traurig, dass Gäste dem Sommelier und seinen Empfehlungen misstrauen.»
Es gab Standpunkte von beiden Seiten der Debatte: Nataly Rodríguez, Sommelière und Mitinhaberin des Restaurants «55 Pasos» in A Coruña, sagte: «KI wird unsere Arbeit niemals besser machen können als wir selbst.»
«KI wird unsere Arbeit niemals besser machen können als wir selbst.»Nataly Rodríguez, Sommelière
«Zu wenig Sommeliers in Restaurants»
Jofre Farran Sommelier im «Alkimia» und im «Alkostat» in Barcelona wiederum gibt schlechten Sommeliers die Schuld. Manche hätten nicht genügend Vertrauen aufgebaut, aber ebenso sei der Berufsstand «ziemlich herabgewürdigt worden: Es mangelt an Sommeliers in Restaurants, und der Rolle wurde nicht die Bedeutung beigemessen, die sie verdient.»
Je jünger, desto zugeneigter der KI
Laut einer französischen Studie, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, hat weit über die Hälfte (58 Prozent) der 18- bis 25-Jährigen schon einmal KI genutzt, um Informationen über ein alkoholisches Getränk zu erhalten. In der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen geben 41 Prozent an, KI zu diesem Zweck genutzt zu haben. Unter allen Franzosen sind es 30 Prozent, die zugeben, KI zum Kauf von Getränken zu nutzen.