Langhe Protagonist

Barolo-Patriarch Beppe Colla verstorben

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 28. Januar 2019


ITALIEN (Alba) – Sofern man jemanden, der als Vorreiter Bemerkenswertes geleistet hat, postum ehrt, dann verleiht man gerne den Titel Visionär oder Pionier. Auf Beppe Colla, Inhaber des Weinguts Poderi Colla, passt das eine wie das andere. Wenn wir heute die DOCG des Barolo betrachten, dann verdanken wir die Initiative und mühsame Vorarbeit hierzu auch Beppe Colla. Das, was man ihm heute als Ehre erweist, begann im Jahr 1960. Damals vereinte er sich mit Renato Ratti (Cantina Ratti), Gildo Cavallotto und dessen Bruder Olivio (Cantina Cavallotto), um die Außengrenzen des Weinterroirs DOC Barolo im Piemont zu planen und umzusetzen. 

"Wir haben damals versucht, an der Typizität zu arbeiten, um zu klären, welche Rebflächen in die eingehende Bezeichnung aufgenommen werden können und welche nicht", antwortet Beppe Colla pointiert auf die Frage im Gespräch mit Journalisten nach der Bewertung für ein geschütztes Weingebiet. "Dabei lehnten wir uns dicht an den Anspruch, den wir für diese Lagen vorsahen, berücksichtigten aber auch den Boden, Rebsorten und die Ergebnisse von mehreren Jahrgängen."

Vater des Barolo Cru

Nachdem Beppe 1949 die Scuola Enologica in Alba erfolgreich abschloss, startete er seine Weinkarriere als Weinmacher bei der Casa Vinicola Bonardi. Im Jahr 1956 ging er in die Selbständigkeit und kaufte das Weingut Cavallier Prunotto. Ab dann verantwortete er die Jahrgänge des Gutes bis 1990. In den 1960er Jahren war Beppe Colla einer der ersten Produzenten, die Barolos mit Lagennamen verband und die heutige Top-Lage Bussia vermarktete. Außerdem bemängelte er stets eine Überextraktion, die marmeladige Weine hervorbringt, also Weine mit gekochten Fruchtaromen, die aus feinen Tropfen Säfte macht. In Italien sind seine Anstrengungen nicht vergessen, als er während seiner Präsidentschaft beim Consorzio di Tutela Barolo Barbaresco in 1986 den Methanolskandal bewältigen musste – eine schwierige Aufgabe für Beppe Colla, der sich stets für Qualitätsweine ausgesprochen hat und mit Tränen in den Augen eine bewegende Entschuldigung zum Skandal im Fernsehen darbot.

In den 1990er Jahren begann er eine Zusammenarbeit mit dem toskanischen Produzenten Piero Antinori, an den er in der Folge das Weingut verkaufte. Wenige Jahre später gründete er mit seinem Bruder Tino und seinem Neffen Pietro sein Familienweingut Poderi Colla. Er war auch einer der Gründer des Ordens der Ritter vom Trüffel, galt als Protegé der Weine von Alba und belebte die Küche der Langhe in den Nachkriegsjahren.

Protagonist der Langhe

Die Familie Colla ist seit über 300 Jahren dem Wein verbunden. Ein Dokument aus dem Jahr 1703 berichtet von "Fässern von Rosatello" und "Vino Negro", die ein Uhrahn namens Carlo Colla produzierte. Beppe Colla gehörte zweifellos zu den Protagonisten der Langhe und er hat wesentlichen Anteil am Ruf und an der Qualität des Barolo. Heute sind seine Söhne Tino und Beppe Junior in der Verantwortung bei Poderi Colla. Unterstützung finden beide in der Familie seitens Tinos Sohn Pietro und dessen Tochter Frederica. In 2019 hätte er im wohlverdienten Ruhestand seine 70. Weinernte erlebt. Dem war aber nicht so. Beppe Colla verstarb diesen Januar, er wurde 88 Jahre alt.

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