Altarwein

Sevenhill und seine himmlischen Tropfen

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 30. Juni 2020


AUSTRALIEN (Clare Valley) – Sevenhill Cellars produziert Weine, speziell Altar- oder Sakramentweine, die von der katholischen Kirche empfohlen werden. Die Geschichte wäre nicht einzigartig, wenn sie von Anfang an durchgehend nicht dem katholischen Glauben und deren Symbolen entsprochen hätte. Der Name Sevenhill begründet sich auf die Septem Montes Romae, die sieben Hügel Roms, verliehen von den Jesuiten, die das Weingut 1851 im Clare Valley gründeten. Einer der Gründerväter war der österreichische Jesuitenpriester Aloysius Kranewitter, den man als Namensgeber benennt.

Weintausch

Bereits seit dem Jahr 1858 lieferte Sevenhill Sakramentwein an umliegende Pfarreien und Tafelwein an die örtlichen Kupferminen und deren Bergleute. Jesuitenbruder John May, der 1963 erstmals als Aushilfe im Weinbau eingestellt und der in der Folge nach kurzer Abstinenz bis 2005 die Geschicke als Kellermeister, später auch das gesamte Gut verantwortete und heute im Unruhestand lebt, erinnert sich: „Die Gebäude sind aus wunderschönem Sandstein erbaut worden, der teils mit erfinderischen Mitteln besorgt wurde. Immer wenn Baumaterial benötigt wurde, egal ob zum Ausbau oder zu Renovierungen, wurde dies möglichst gegen Wein getauscht. Hier auf dem Land gehört das Tauschen zur Lebensart. Die Leute hier tauschen auch Schafe, um beispielsweise Weizen für ihre Ernährung zu bekommen.“

Seit der Gründung im Jahr 1851 haben ohne Unterbrechung Jesuitenbrüder als Kellermeister bei Sevenhill gedient. Bruder May ist vorerst der Letzte dieser Reihe, denn im Jahr 2005 übergab er an seinen Schützling Liz Heidenreich, die erste Nicht-Jesuitin und erste Frau in der Weingeschichte von Sevenhill. „Nicht nur wegen des hervorragenden Sandsteins, sondern weil Sevenhill von den Brüdern stets sehr gepflegt wurde, sind die Mauern noch nicht eingestürzt“, sagt Heidenreich. „Bruder May war mir ein großartiger Lehrer. Die Herstellung von Altarwein ist sehr wichtig, es ist etwas Besonderes, und wir alle nehmen die Verantwortung, die wir haben, sehr ernst.“

Restriktionen

Sevenhill Cellars liefern nach wie vor Wein an alle Religionen, die diesen in der Ausübung ihrer Traditionen und Messen verwenden. Doch die katholische Kirche hat strenge Anforderungen an die Weinbereitung. Altarwein muss demnach aus Trauben hergestellt werden und darf kein künstliches Produkt enthalten, das nicht aus Trauben gewonnen wurde. „Unser Altarwein repräsentiert das Blut Christi, der Grund warum wir so wählerisch und penibel in der Herstellung sind“, sagt Bruder May und erläutert weiter: „Wenn der PH-Wert zu hoch ist, können wir keine Schwefelsäure verwenden. Die einzige Säure, die wir in Anwendung bringen, ist Zitronensäure oder Weinsäure, die ein Produkt der Traube ist. Jedes Tannin besteht aus Traubentannin und jeder Farbstoff stammt von der Farbe der Traube.“

Drei Altarweine hat Sevenhill Cellars im Angebot: einen süßen Roten, einen süßen und einen trockenen Weissen. An vorderster Front steht der Rote, da er, wie Bruder May schon erwähnte, das Blut Christi symbolisiert. Doch in der Anwendung, insbesondere bei der so genannten Altarwäsche, hinterlässt der Rote zuweilen unschöne Flecken und Diabetiker benötigen trockene Weine, weil diese weniger Zucker enthalten. „Trotz allem ist unser süßer Roter der beliebteste Altarwein von dem wir rund 120.000 Flaschen pro Jahr absetzen“, sagt Heidenreich. „Da unser Altarwein weite Strecken zurücklegen muss und auch für lange Zeiträume oftmals unter extremen Bedingungen gelagert wird, müssen wir ihn mit rektifiziertem Traubengeist, hergestellt rein aus Traubenschalen, anreichern.“

Liz Heidenreich übernimmt

Neben den für den Altar bestimmten Weinen produziert Sevenhill Cellers auch eine breite Palette an Tafelweinen, darunter Cabernet Sauvignon, Malbec, Chardonnay und auch Rosé. Am bekanntesten ist Sevenhill Cellars aber für seinen Riesling. „Mein erster Jahrgang war 2006. Damals gewannen wir eine Goldmedaille mit unserem Riesling. Nicht nur ich war mit dieser Auszeichnung sehr zufrieden. Ich glaube, das war überzeugend und die Brüder ließen mich danach bleiben“, erinnert sich Heidenreich. Unter Heidenreichs Führung erhielt das Jesuiten-Gut weitere Medaillen, insbesondere wurde der Royal Melbourne Wine Award mit dem Riesling in 2013 gewonnen.

„Solche Erfolge sind auf anderen Ebenen wichtig, denn mit einem Teil der Gewinne aus dem Weinverkauf finanzieren wir Programme der Jesuiten in Australien und Asien,“ erzählt Heidenreich. Und Bruder May ergänzt: „Die einzige Möglichkeit, Menschen aus der Armut herauszuholen, ist Bildung. Wir versuchen mit den Geldern Schulen zu bauen und unterstützen jüngere Jesuiten, damit sie Universitätskurse besuchen können. Wir helfen auch Brüdern in der Missionsarbeit in Pakistan und Indien und pflegen unsere Verbindung in Südostasien.“

Sevenhill Cellars kann gute Verkäufe auf dem internationalen Parkett nachweisen, in Australien und Asien führen deren Altarweine die Spitze der Verkaufszahlen an und deren Tafelweine werden immer gefragter. „Ich habe auch israelischen Altarwein aus Kana in Galiläa, dort wo Jesus das Wasser in Wein verwandelt hat, probiert, aber ich bevorzuge unseren Altarwein,“ sagt Bruder May. 

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