Jetzt erst recht

Keine Geschenke für US-Winzer

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 24. Dezember 2019


USA (Washington) –  Eine dauerhafte Verlängerung der in 2017 beschlossenen Senkung der Verbrauchssteuer war von der Getränkeindustrie (Weingüter, Brauereien und Brennereien) erhofft worden – vergebens. Der aktuelle Haushaltsentwurf hat das Repräsentantenhaus und den Senat passiert und wurde diese Woche dem Weißen Haus übertragen, um von Präsident Donald Trump unterzeichnet zu werden. Darin ist lediglich eine einjährige Verlängerung der Steuersenkungen vorgesehen. Große Enttäuschung macht sich jetzt breit, hatten doch viele Senatoren, Kongressabgeordnete und namhafte Verbände sich für eine bleibende Steuersenkung stark gemacht. Die Auswirkungen sind beachtlich. Nach Angaben von Wine Amerika nutzten allein die kalifornischen Weinkellereien die Steuerersparnisse in den Jahren 2018 und 2019, um mehr als 150 Millionen Dollar zu reinvestieren.

Enttäuschung auf breiter Basis

„Eigentlich hatten die Winzer auf eine dauerhafte Verlängerung spekuliert, das ist aber jetzt obsolet, zu mindest für den Haushalt 2020 bleibt es nur bei einer Verlängerung“, kommentiert Michael Kaiser, Vizepräsident von Wine Amerika, das Geschehen gegenüber der Presse. „Es bleibt vorerst eine Unsicherheit und die Massgabe, dass wir jetzt unsere Lobbyarbeit weiterführen müssen.“ Gemeinsam mit neun Handelsgruppen hatte Wine Amerika seit 2017 toujour Lobbyarbeit betrieben, um die Senkung der Verbrauchssteuer auf Dauer zu installieren. Letztlich vergebens, da dem Gesetz damals eine zweijährige Laufzeit mitgegeben wurde, die jetzt eine Neubetrachtung von Anfang an bedingte.

Neben vielen kleinen und mittelgroßen Weingütern, ist auch der Weinhandel betroffen, kämpft er doch gerade mit den sich durch Importsteuern erhöhten Preisen für Weine aus Europa. „Die Steuersenkungen reduzierten die Verbrauchssteuern in einem Bereich von 750.000 Gallonen Wein pro Weingut – das sind rund 3,78 Millionen 0,75-Liter-Flaschen“, erläutert Kaiser. „Die Weingüter hatten damit die Gelegenheit, ihre Produktion zu stärken, zu reinvestierten und sich zudem auf den internationalen Märkten zu behaupten, diese sogar auszubauen. Außerdem konnten wir damit den Importdruck abmildern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Jetzt erst recht

Auch eine große Zahl von Senatoren hatte eine dauerhafte Steuererleichterung begrüßt und ist auch weiterhin dazu bereit, unterstützend zu wirken. „Gerade die Weinindustrie, die lokal Arbeitsplätze schafft und auch den Tourismus ankurbelt, ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft auf dem Land. Daher müssen die diese Branche betreffenden Steuergesetze einerseits modernisiert und andererseits den heute herrschenden Bedingungen angepasst werden“, wird der Abgeordnete Mike Thompson in den US-Medien zitiert. In diesem Tenor wird auch Kaiser zitiert: „Viele kleinere Weinerzeuger konnten durch die Steuererleichterung erstmals Mitarbeiter einstellen und generell wachsen. Diesen Trend gilt es zu erhalten und noch weiter zu fördern. Wir werden für diese und weitere Anreize kämpfen.“

Die jetzige Unsicherheit bereitet den Winzern Probleme, da sie nicht wissen, wie es über 2020 hinaus weitergeht, ob und wie sie jetzt planen sollen. „Mehr als 90 Prozent der Weingüter in Kalifornien produzieren kleine Mengen, es sind Familienbetriebe, in deren Produktion, in die Menschen und Gemeinden muss reinvestiert werden. Dazu ist eine unterstützende Steuersenkung nötig", wird Robin Bagget, Miteigentümer der Alpha Omega Weinkellerei in Napa Valley und neuer Vorsitzender der Napa Valley Vintners (NVV) in den Medien zitiert. „Es scheint offensichtlich nicht auszureichen, nur mit den Kongressabgeordneten zu reden“, wird Kaiser weiter zitiert. „Wir müssen jetzt die Basis noch mehr aktivieren.“ Wine Amerika hatte seine Mitglieder aufgerufen, mit schriftlichen Anträgen den Senat und den Kongress zu überfluten. Mehr als 14.000 Briefe hatten Befürworter, darunter vor allem Winzer, Industrievertreter und Befürworter versendet.

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