Dossier Feuersturm

Buschfeuer verschlingen südliche Weinregion

Text: Arthur Wirtzfeld | Veröffentlicht: 10. Januar 2020


AUSTRALIEN (Adelaide) – Im Grunde schert sich im Moment kaum jemand in Australien, um das eigentliche Auslösen der verheerenden Buschfeuer zu erfahren. Das ganze Land steht praktisch unter Feuer und Schock. Vor allem die Küstenregionen, angefangen vom Norden über den Osten und Süden, sind in Rauchschwaden eingehüllt. Bekämpfen liessen sich die Feuerwalzen bisher nur punktuell. Es gibt viele Tote zu beklagen, auch unter den Hilfskräften. Evakuierungen, auch von Touristen, sind an der Tagesordnung. Viele haben ihr Zuhause verloren, andere retten das, was die Feuer übrig gelassen haben. Und es gibt kein Ende. Die Temperaturen erreichen jetzt im australischen Sommer fast 44 Grad. Leichter Regen hat zwar nach dem Jahreswechsel ein wenig Hoffnung geschürt, aber aktuell rollt eine weitere Hitzewelle an. „Es ist zum Verzweifeln“, ist der Tenor in allen Medien und im Netz.

Enorme Schäden in den Adelaide Hills

Gerade die bekannte Weinregion Adelaide Hills und die dort befindlichen Kellereien hat es schlimm erwischt. Mehr als 60 Weinlagen und Weingüter sind betroffen, gerade jetzt wo die Ernte in Vorbereitung war. Die Feuer zündelten hier erst in den Bergen bei Cudlee Creek, östlich der südaustralischen Hauptstadt Adelaide. Rund 23.000 Hektar wurden durch mehrere Buschfeuer in der Region niedergebrannt, von mehr als 80 Häusern sind nur noch qualmende Reste übrig. Hier, in einer der bekanntesten Weinregionen Südaustraliens, den Adelaide Hills, haben mehr als 90 Winzer rund 3.300 Hektar Rebflächen im Ertrag. Das eher kühle Klima der Adelaide Hills war Ende letzten Jahres, als Hitzewellen den ganzen Kontinent überzogen, kein Bollwerk gegen die Feuersbrunst.

Der Weinverband, die Adelaide Hills Wine Inc., beziffert die Schäden an den Rebanlagen auf 30 Prozent, obwohl die Bestandsaufnahme erst angefangen hat. Die Organisationen der Feuerwehren und die Behörden gehen von mindestens 50 Prozent zerstörter Rebflächen aus. Buschfeuer brennen im Normalfall nur die Gräser und Büsche ab,  der Name sagt es schon, aber enorme Hitze und auch dadurch entstandene Winde fachten einen Feuersturm an. Ein Grossteil der Winzer fand zum Jahreswechsel, als die Feuer eine Pause machten, verkohlte Trauben und Stümpfe von Reben vor. Für viele von ihnen steht nun die Existenz auf dem Spiel. Es könnte Jahre dauern, bis sich die lokale Weinindustrie wieder erholt.

Während eine Reihe von Rebflächen von den Einsatzkräften im Kampf gegen die Flächenbrände zu Feuerschneisen umfunktioniert wurden, müssen diese Flächen sowie die abgebrannten Weinlagen komplett neu kultiviert werden. Mit einem Ertrag der neu aufgerebten Flächen, was nach Schätzungen pro Hektar rund 35.000 bis 50.000 Euro kosten soll, ist frühestens in 2022/2023 zu rechnen. Im Moment starten die Gutachten der Schädem und müssen anschließend den Behörden gemeldet werden, während parallel erneut Feuer in der Region ausbrechen.

Die Buschfeuer

Buschfeuer waren in den letzten Wochen in 2019 mindestens in drei australischen Staaten – Südaustralien, New South Wales und Victoria – verheerend und lenkten die Aufmerksamkeit auf den Klimawandel und die mangelnden Massnahmen der Politiker und Wirtschaftsführer des Landes. Australien ist nach wie vor stark von Kohle, die nach China, Russland und Europa (auch nach Deutschland) exportiert wird sowie anderen treibhausgasintensiven Energieträgern abhängig. Seit 2014 haben die australischen Treibhausgasemissionen zugenommen. Die aktuellen Feuer werden ein Umdenken einleiten, weil sich insbesondere schon vor der Feuerkatastrophe 60 Prozent der Australier für den Klimaschutz und für eine Reduzierung der Kohleproduktion ausgesprochen haben. 

Australien reiht sich mit seinen verheerenden Buschfeuern in die Riege der weltweiten Großbrände ein. Allein im australischen Bundesstaat Viktoria sind über 800.000 Hektar verbrannte Erde zu beklagen. Dies relativiert die reine Zahl, wenn man die Brände mit denen im Amazonasgebiet von 2019 vergleicht. Damals gingen 900.000 Hektar durch Waldbrände im brasilianischen Bundesstaat Estado do Amazona verloren und in 2018 zerstörten Feuer in Kalifornien eine vergleichbare Fläche von ebenfalls 800.000 Hektar. Australiens bisherige tödlichste Buschbrandkatastrophe erleben die Menschen in Down Under im Jahr 2009. Damals starben 180 Menschen im Bundesstaat Viktoria. Bisher sind mindestens 24 Menschen durch die Feuer in den letzten Wochen zu Tode gekommen, darunter drei Feuerwehrleute. Fast 6,5 Millionen Hektar Busch, Wald, Agrarflächen und Parks wurden verbrannt. Darunter auch Kleinstädte und Siedlungen, die man allerdings vorher komplett evakuiert hatte.

Unentwegt warnen die australischen Behörden, dass die Menschen den Aufforderungen, sich schnell von den Feuern zu entfernen, nachzukommen sei, dies im Besonderen, da sich die Feuer schneller fortbewegen, als Menschen laufen können. Noch ist kein Ende der Katastrophe abzusehen. Über 130 gleichzeitige Brände wurden im ganzen Staat gezählt, weitere werden dazukommen.  Die Auswirkungen sind global und belasten das Klima in der südlichen Hemisphäre zusätzlich.

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