Gereift und mit der Zeit gewachsen

Horizontale 2010:
Deutscher Pinot Noir – zehn Jahre danach

Degustation: Redaktion VINUM-Weinguide, Text: Harald Scholl

Man darf mit Fug und Recht von einer erstaunlichen Karriere sprechen, die der deutsche Spätburgunder in weniger als einer Generation gemacht hat. Der vor allem international gern belächelte Rotwein hat seine Eigenständigkeit gefunden. Auch wenn immer noch die grossen Vorbilder aus dem Burgund zum Vergleich herhalten müssen – sogar in unseren Notizen –, haben Winzer wie Huber, Becker oder Fürst definitiv eine eigenständige Handschrift entwickelt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Rebstöcke deutschen oder französischen Ursprungs sind. Auch die in der Vergangenheit oft gescholtenen deutschen Rebklone können mit entsprechendem Alter aussergewöhnliche Weine erbringen. Wesentlicher für den Erfolg sind das Wissen um den perfekten Erntezeitpunkt, der sich vom reinen Streben nach höchstmöglicher Öchslezahl hin zur perfekten physiologischen Reife gewandelt hat, und der gekonnte Umgang mit den eingesetzten Holzfässern. «Schreinerweine» wie sie noch zu Beginn des Jahrtausends allenthalben anzutreffen waren, sind erfreulicherweise zur Ausnahme geworden.

Grosses Reifepotenzial

Was grosse Weine in erster Linie zu ebensolchen macht, ist die Fähigkeit zu reifen. Es gibt keinen grossen Wein ohne den Beleg, dass er dem Zahn der Zeit nicht nur trotzen, sondern an ihm wachsen kann. Diesen Beweis haben deutsche Spätburgunder definitiv erbracht, wie auch unser Tasting zeigte. Die besten Weine im Feld fangen gerade an zu zeigen, was in ihnen steckt. Wir sind der Überzeugung, dass die Spitzen des Jahrgangs 2010 eher im Jahr 2030 als in 2025 auf dem Höhepunkt sein werden. Wohl dem, der noch ein paar Flaschen der hier verkosteten Weine im Keller hat. Denn er sitzt definitiv auf einem Schatz, der im Moment voll hedonistischer Lust zu trinken ist, in wenigen Jahren aber zu strahlender Grösse heranreifen dürfte.

Die Verkostung

Die Weine wurden von Redaktionsmitgliedern des VINUM-Weinguides – Joel B. Payne, Matthias F. Mangold, Jakob Duijn und Jürgen Matthäss – sowie dem Gast Franz Wehrheim verkostet. Insgesamt 23 Spätburgunder kamen auf den Tisch. Die Verkostung verlief blind, die Weine wurden vorab in neutrale Flaschen umgefüllt. Alle Weine sind auch in unserer Weinsuche unter dem Stichwort «Deutscher Pinot Noir – zehn Jahre danach» abrufbar.

Die verkosteten Weine

RangBeschreibung
1
19,0/ 20
Punkte
Baden, Deutschland
Weingut Bernhard Huber
2
18,5/ 20
Punkte
Franken, Deutschland
Weingut Rudolf Fürst Paul & Sebastian Fürst
3
18,5/ 20
Punkte
Pfalz, Deutschland
Weingut Friedrich Becker
4
18,0/ 20
Punkte
Franken, Deutschland
Weingut Rudolf Fürst Paul & Sebastian Fürst
5
18,0/ 20
Punkte
Pfalz, Deutschland
Weingut Knipser
6
18,0/ 20
Punkte
Baden, Deutschland
Weingut Bernhard Huber
7
18,0/ 20
Punkte
Pfalz, Deutschland
Weingut Friedrich Becker
8
18,0/ 20
Punkte
Pfalz, Deutschland
Weingut Friedrich Becker
9
17,5/ 20
Punkte
Pfalz, Deutschland
Weingut Knipser
10
17,5/ 20
Punkte
Baden, Deutschland
Weingut Reinhold und Cornelia Schneider GbR
11
17,0/ 20
Punkte
Baden, Deutschland
Weinhaus Joachim Heger
12
17,0/ 20
Punkte
Baden, Deutschland
Ziereisen, Efringen-Kirchen

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