Weine und Fisch aus dem Nordosten Kaliforniens

Sonoma County: Gemüse, Lachs und vieles mehr!

Text: Ursula Heinzelmann, Foto: gettyimages / wmaster890

Sonoma County im Nordosten Kaliforniens ist wunderbar grün, geradezu verwunschen. Die Reben ziehen sich in vielen kleinen Flecken über eine sehr abwechslungsreiche Landschaft vom Pazifik bis zur Bergkette der Mayacamas im Westen, umgeben von Wäldern und Weiden. Ländlich und familiär geprägt ist diese Gegend das Gegenteil von Venice Beach.

Verständlich, dass es die Einwanderer aus Russland, Spanien und später Italien, Portugal, der Schweiz und anderen Ländern von San Francisco nach Norden zog, um als Farmer das freundliche Klima und die fruchtbaren Böden zu nutzen. Zum guten Leben gehörte Wein; die ersten Reben wurden 1812 gepflanzt. Ländliche Städtchen wie Petaluma, Santa Rosa und Healdsburg entstanden, bald sorgte die Eisenbahn für die Verbindung nach San Francisco.

Auch in Sonoma County können Erdbeben und Waldbrände wüten, doch ansonsten scheint die Welt hier ein wenig mehr in Ordnung zu sein als anderswo. Ruhiger. Ein Kalifornien jenseits von «Baywatch» und Hollywood. Die Anwesen sind kleiner und näher an der Natur, die Weinberge zum grössten Teil übersichtliche, kleine Parzellen, in denen sehr viel Chardonnay und Pinot Noir wächst und trinkfreudige, in manchen versteckten, höheren Lagen nahe der Küste geradezu rassige Weine entstehen. Daneben tragen über 50 andere Rebsorten der Patchwork-Topographie Rechnung.

Man arbeitet viel «hands-on» und setzt auf Qualität statt Masse. Der Pioniergeist, der selbst die Prohibition überstand, dauert bis heute an, immer weiter werden neue Ecken und Winkel der ausgedehnten Region für den Wein aufgespürt. Winegrowers, Traubenproduzenten, sind hoch angesehen und haben zusammen mit den Vintners, den Weinmachern in den Garagen und Schuppen von Sonoma County, eine neue Weinkultur entwickelt. Natürlich ist Wein hier auch Business, vor allem aber Lebensart.

Farm to Table, vom Feld direkt auf den Tisch, das war in Sonoma County eine Selbstverständlichkeit, lange bevor es weltweit zum Trend und Schlagwort wurde. Farmers Markets sind kein Hipster-Lifestyle, sondern Alltag– Milch und Käse, allen voran als frischer Chèvre, Salate aller Art, Pfirsiche, Äpfel, Kürbis, Fleisch von grünen Weiden, Pazifik-Lachs, Dungeness Crabs und Austern… Die Mitte der 1970er Jahre von Alice Waters im «Chez Panisse» begründete California Cuisine steht hier in all ihrer Vielfalt mit beiden Beinen fest auf dem Boden von Feldern, Äckern, Gärten und Fischerbooten.

Und Weinbergen! Stellen Sie sich schmale Landstrassen vor, durch blühende Wiesen und kleine Wäldchen von einem Hügel zum nächsten; rotgestrichene Holzgebäude, Scheunen, alte Garagen und einfache Blechhallen inmitten von duftenden Eukalyptus- und mächtigen Redwoodbäumen – öffnen Sie eine entsprechende Flasche, geniessen Sie den ersten Schluck des runden und doch frischen, mineralisch-kernigen Weins, und dann gehen Sie in die Küche. Oder vielleicht zuerst auf den Markt?

Sonoma County ist aber auch...

Neben Chardonnay und Pinot Noir übersetzen über fünfzig andere Rebsorten die unzählig vielen Mikroklimata vom Pazifik bis hin zu den Mayacamas, von Annapolis und Cloverdale im Norden bis nach Petaluma im Süden des Gebiets ins Glas. Sie bringen auch die Offenheit und den Willen zum Experiment der Winegrower und Vintner zum Ausdruck.

Je weiter landeinwärts, desto mehr Cabernet Sauvignon-Reben gibt es. Die dichten, dunklen Weine sind mit schwarzen Johannisbeer-, Anis- und Zedernholznoten ebenso verführerisch wie die Pinot Noirs, weich und üppig, und dabei doch muskulös und mineralisch-sehnig. Besonders von vulkanisch geprägten Lagen können sie aussergewöhnlich ausfallen. Diese Gratwanderung zwischen hedonistisch reifer Fülle und trinkiger Frische wird vom Zinfandel mit wunderbaren Brombeeraromen noch mehr ausgereizt. In alten Beständen wachsen daneben auch Peloursin, Négrette, Syrah, Petite Sirah oder Carignan und tragen zur Komplexität bei.

Syrah ist aber auch für sich allein ausgesprochen Sonoma County-affin und immer beliebter, mit getrockneten Kirschen, schwarzem Pfeffer und Oliven, mediterraner Wärme und einer gelegentlich nahezu burgundischen Seidigkeit und Transparenz. Merlot zeigt hier seine ganze Bandbreite, vom kuscheligen Zungenstreichler bis zu rassiger Vitalität.

Beim Weisswein ist zuerst Sauvignon Blanc zu nennen, mit erfrischenden grünen und gelben Fruchtaromen und lebhafter Säure. Pinot Gris und Pinot Blanc sind ebenfalls feste Grössen und können an Feigen, Birnen und Blüten erinnern, noch ausdrucksvoller fällt Viognier aus.

Und schliesslich quasi ein Geheimtipp, nämlich Schaumweine! Ausserhalb der Region kaum bekannt oder aufzutreiben, sind darunter - wie könnte es anders sein, wenn Chardonnay und Pinot Noir florieren - grossartige, elegante Abfüllungen, die auch schon im Weissen Haus kredenzt wurden.

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