Türkei: Viel Tafeltrauben, wenig Wein

Rebfläche

580 000 Hektar (für Wein etwa 2 Prozent)

Produktion

62 Millionen Liter

Top 3-Traubensorten

Narince (weiss), Öküzgözü, Bogazkere (rot)

Weinart

meist trocken, etwas würzig, geradlinig

Es klingt paradox. Mit annähernd 600 000 Hektar Rebfläche liegt die Türkei auf Rang fünf der grössten Weinnationen. Aber in der Produktion ist das Land unter «Sonstige» eingereiht, weil nur wenige Prozent der Traubenernte zu Wein verarbeitet werden. Der grosse Rest wird als Tafeltrauben vermarktet oder zu Rosinen und Sultaninen verarbeitet. In den letzten Jahren fand die Türkei relativ viel Beachtung in der Weinszene, weil im Land neben grossen Kellereien auch eine Reihe kleiner Boutique-Weingüter gegründet wurden, die die Qualität in den Vordergrund stellen und im Export aktiv sind. Derzeit leidet die Weinwirtschaft unter Steuererhöhungen und Problemen bei der Vergabe von Ausschanklizenzen für die türkische Gastronomie.

 

Geschichte

Nachdem Noah mit seiner Arche am Berg Ararat in der Türkei strandete und anschliessend laut Legende Weinbauer wurde, begann die türkische Weingeschichte mit ihm. Vielleicht. Sicher ist, dass es schon vor rund 7000 Jahren in Anatolien Weinbau gab und 2000 vor Christus aus der heute noch existierenden Sorte Kalecik Karasi Wein erzeugt wurde. Aber nicht von den Türken, sondern den Byzantinern. Als türkische Invasoren 1453 Konstantinopel eroberten, war es – wie in Griechenland – rund 400 Jahre mit dem Rebbau weitgehend vorbei. Erst seit der Gründung der Türkei durch Atatürk (der ein Weinfreund war) konnte wieder aus Trauben Wein gemacht werden. Lange Zeit bestimmten nur einige Grosskellereien die Produktion; sie haben inzwischen Konkurrenz von etlichen kleineren Betrieben bekommen. Alle zusammen leiden sie aktuell unter Restriktionen von Seiten der regierenden AKP unter Ministerpräsident Erdogan, der sich eher zum Weinfeind mauserte. Die Dachorganisation Wines of Turkey, gegründet von führenden Kellereien, will durch Präsenz auf Messen wie der ProWein den Export steigern. Viele der Önologen haben im Ausland studiert.

Geografie

Die wichtigsten Weinregionen befinden sich in der Nähe der Ägäis-Küste, weil hier mehr Feuchtigkeit vorhanden ist als im Landesinnern.

Regionen

In der Marmara-Region an der Küste und in Ostthrakien werden rund 40 Prozent der türkischen Weine erzeugt. In Zentralanatolien in den Gebieten um Izmir, Manisa und Denizeli herrscht ein kontinentales Klima mit harten Wintermonaten und hohen Temperaturen im Sommer. Etwas Rebbau wird auch noch auf der grössten türkischen Insel Gökçeada (früher Imbros) in der Ägäis betrieben, auf der früher viele Griechen siedelten.

Weine

Die Türkei kann neben klassischen internationalen Varietäten etliche autochthone, weitgehend unbekannte Rebsorten vorweisen. Rot ist etwas dominant. Bogazkere und Öküzgözü können durchaus angenehm überraschen, sind aber manchmal geschmacklich etwas grün und kernig. Von Narince und Kalecik Karasi gibt es spannende Weissweine, die auch den Ausbau im neuen Holz gut verkraften. Qualitativ hat sich in der Türkei in den letzten zehn Jahren einiges bewegt. Aber ein Shootingstar der internationalen Szene ist das Land noch nicht.

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