Saale-Unstrut: Jenseits des 51. Breitengrads

Rebfläche

745 Hektar

Produktion

ca. 55 000 Hektoliter

Top 3-Traubensorten

Müller-Thurgau, Weissburgunder, Spätburgunder

Weinart

trocken ausgebaute Weine mit fein nuancierter Fruchtigkeit

Selbst die Rebgärten Englands und Polens liegen weiter südlich als das Weinbaugebiet an den Flusstälern von Saale und Unstrut. Trotzdem gedeiht hier extraktreicher Wein, begünstigt durch kontinentales Klima und geologische Struktur. Stilistisch erinnern Müller-Thurgau und Silvaner von den hiesigen Muschelkalkböden in ihrer erdigen Art manchmal an fränkische Bocksbeutelweine. Sie sind nicht ganz so schwer, dafür feiner gegliedert und auf jeden Fall wert, das Klischee vom sauren Ossi-Wein über Bord zu werfen.

Geschichte

Noch weiter zurück als beim Nachbarn Sachsen geht die Weinbaugeschichte in den engen Flusstälern von Saale und Unstrut. Um genau zu sein: Ihre erste urkundliche Erwähnung fand sie im Jahr 998. Und mit 10 000 Hektar während des 16. Jahrhunderts hatte die ostdeutsche Region einst doppelt so viel Rebfläche wie das benachbarte Elbtal im 17. Jahrhundert. Angestossen wurde der Wein-Boom im Mittelalter, als vor allem Zisterziensermönche den Weinbau im 1137 gegründeten Kloster Sancta Maria Schulpforta weiterentwickelten, mit dem praktischen Hintergrund, dass Wein zu dieser Zeit weniger ein Privileg war, sondern vielmehr die Ernährungsgrundlage für das Volk darstellte – sauberes Trinkwasser war knapp. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es nur dem Enthusiasmus vereinzelter Freizeitwinzer und Anfang der 1960er der Verstaatlichung dieses Industriezweiges zu verdanken, dass die Weinkultur an Saale und Unstrut überlebte. Eine unvergessliche Katastrophe bleibt der «Polarwinter» 1986/87, in dem bei bis –30 Grad Celsius der grösste Teil der Rebanlagen vernichtet wurde. Erst in jüngster Zeit hat man sich von den Folgen erholt. Freyburg an der Unstrut gilt als heimliche Weinhauptstadt der Region.

Geografie

Saale-Unstrut liegt oberhalb des 51. Breitengrads, der als Grenze des Welt-Weinbaus gilt. Dennoch erlaubt das Klima in geschützten Lagen und meist terrassierten, nach Süden ausgerichteten Hängen den Reben eine ausreichende Vegetationszeit.

Klima und Boden

Wärmeinseln, die sich in den Flusstälern bilden, sorgen für ein besonders mildes Mikroklima. Steilterrassen und jahrhundertealte Trockenmauern begünstigen den Reifeprozess der regionalen Rebsorten überdies. Muschelkalk und Buntsandsteinböden lassen selbst den anspruchsvollen Riesling zu charaktervollen Gewächsen werden.

Weine und Produktionsmenge

Rund 30 verschiedene Rebsorten werden auf 745 Hektar in vier Grosslagen und 34 Einzellagen angebaut. Angeführt wird das Rebsortenspektrum von Müller-Thurgau und Weissburgunder, gefolgt von Silvaner und Riesling. Ein Viertel der Rebfläche ist mit Rotweinsorten, vor allem Portugieser, Spätburgunder und Zweigelt, bestockt. Die Erntemenge lag 2015 bei circa 55 000 Hektolitern.