Württemberg: Solidarisches Winzervolk

Rebfläche

11 166 Hektar

Produktion

ca. 1,2 Mio. Hektoliter

Top 3-Traubensorten

Lemberger, Riesling, Merlot

Weinart

gut gereifte Rotweine, Rieslinge mit toller Säurebalance

Das Ländle ist eindeutig Rotweinländle – aber auch Genossenschaftsländle. Denn mehr als 50 Weingärtnergenossenschaften vermarkten etwa 80 Prozent der Württemberger Weine. Und das ist nicht eben wenig: Allein die Weinbaugemeinde Heilbronn hat so viel Rebfläche wie das Ahrtal. Das Land der Philosophen und Dichterfürsten hat weitaus mehr zu bieten als leichte, süffige Schoppen. Komplexe Lemberger und rassige Rieslinge bilden nur die Spitze des schwäbischen Weinbergs.

Geschichte

Der Wein liess das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Heilbronn wieder aufblühen. Gegen eine Flasche Silvaner oder Trollinger tauschten ansässige Familien, die fast alle ein paar Rebstöcke besassen, Baumaterial. Parallel dazu verteidigte der damalige Oberbürgermeister Paul Meyle wertvolle Lagen am Stiftsberg und Wartberg, in deren Weinbergen schwerreiche Fabrikanten ihre Villen bauen lassen wollten – mit Blick über das württembergische Unterland. Der Konflikt Häusle gegen Viertele, Bauland gegen Rebfläche fand auch in anderen Ballungsgebieten Württembergs statt. In der Landeshauptstadt Stuttgart standen bereits in den 1990ern 300 Hektar Weinberge, so viel wie seinerzeit im gesamten Anbaugebiet Hessische Bergstrasse. Selbst die Daimler-Werke, die damals baulich expandieren wollten, fanden an den Weinbergen ihre Grenzen. Stuttgart unterhält ein eigenes Weingut, das eher repräsentativen als finanziellen Zwecken dient. Vor rund 30 Jahren kamen 1,5 Millionen D-Mark zusammen, um die bröckelnden Weinbergmauern zu restaurieren und den authentischen Charakter der Stadt zu bewahren.

Geografie

Entlang des Neckars und in den geschützten Flusstälern der Nebenflüsse Enz, Rems oder Tauber bis hin zum Bodensee findet der Weinbau in Württemberg statt. Das Zentrum des Weinbaugebietes liegt am mittleren Neckar im Bereich württembergisches Unterland.

Klima und Boden

Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen reichen von 10,6 Grad Celsius und 1685 Sonnenstunden bis zu 9,6 Grad Celsius und 1638 Sonnenstunden. Das milde Klima wird durch den Schutz des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb forciert. Verschiedene Keuperformationen, unter anderem Gipskeuper sowie Muschelkalkinseln (mittlerer Neckarraum), prägen die Böden in 17 Grosslagen und 210 Einzellagen.

Weine und Produktionsmenge

Auf den zahlreichen sonnenverwöhnten Steillagen bewirtschaften Winzer oft kleine Parzellen und liefern deren Erträge traditionell an die nächstgelegene Weingärtnergenossenschaft. Davon existieren im viertgrössten Weinbaugebiet Deutschlands mehr als 50. Mit über 70 Prozent Rotweinanbau steht Württemberg an der Spitze der deutschen Weinbauregionen. Obgleich der Trollinger den Hauptanteil unter den roten Sorten ausmacht, bringt der Lemberger die beachtenswertesten Ergebnisse hervor. Die Region produzierte 2015 rund 1,2 Millionen Hektoliter und lag damit um 11 Prozent über dem langjährigen Mittel.