Waadt: Unangefochtener Herrscher Chasselas

Rebfläche

3787 Hektar

Produktion

24,7 Mio. Liter

Top 3-Traubensorten

Chasselas, Pinot Noir, Gamay

Weinart

Delikate, mineralisch geprägte Weissweine (Chasselas), fruchtige Rotweine

Der zweitgrösste Weinkanton der Schweiz besticht mit spektakulären Reblagen am Genfersee, stolzen Weinschlössern und alten Rotweinspezialitäten wie Plant Robert und Servagnin de Morges – und mit terroirgeprägten Chasselas, die durch ihre Alterungsfähigkeit verblüffen.

Geschichte

Der Weinbau ist tief verwurzelt in der Waadt, davon zeugt die einmal pro Generation stattfindende grossartige Fête des Vignerons von Vevey. Wie anderswo brachten die Römer den Weinbau an den Genfersee, im Mittelalter übernahmen die Klöster eine führende Rolle in der Ausdehnung des Weinbaus. Im Auftrag des Bischofs von Lausanne legten Zisterziensermönche die grossartigen Rebterrassen im Lavaux an. Bei der Säkularisierung der Klöster fielen die Reblagen an die neuen Landesherren der Waadt, die Berner, oder an die Gemeinden. 200 Jahre später, nach der Waadtländer Revolution 1798, gelangte viel Rebbesitz an Private.

Geografie

Die Waadtländer Rebgebiete liegen an den Ufern des Genfersees und am Fuss der Jurakette, am Oberlauf der Rhone sowie unweit des Neuenburgersees.

Klima und Boden

Eine gross angelegte Terroirstudie hat gezeigt, wie vielfältig und mosaikartig zusammengesetzt die Waadtländer Terroirs sind. La Côte liegt im Schutz der Jurakette, in Seenähe dominieren kiesigere, leichtere Böden, an den Hängen der Juraausläufer schwerere. Die Böden des Lavaux sind stark vom Rhonegletscher geprägt, die Reben profitieren von den «drei Sonnen» (Gestirn, Rückstrahlung vom See, gespeicherte Wärme in den Steinmauern). Der Boden im Chablais ist steinig und besteht teilweise aus Schutt von Bergstürzen, der Einfluss des Föhns begünstigt die Reife der Trauben. In den Côtes de l’Orbe findet man Molasse, Kalk und Ton, das Klima ist trockener als anderswo im Kanton, weshalb hier zu drei Vierteln rote Sorten kultiviert werden. Auch Bonvillars mit seinen Kalk- und Kiesböden und seinem milden Klima setzt vor allem auf Rotweine.

Anbaugebiete und Rebfläche

Die 3787 Hektar (66 Prozent davon weiss) werden in vier grosse Anbaugebiete unterteilt: La Côte zwischen Lausanne und Nyon, Lavaux zwischen Lausanne und Montreux mit den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden terrassierten Steillagen und den beiden AOC Dézaley und Calamin, Chablais zwischen Villeneuve und dem Wallis, Côtes de l’Orbe rund um die Stadt Orbe und Bonvillars zwischen Yverdon und dem Neuenburgersee. Die 50 Hektar des Waadtländer Vully gehören zusammen mit den Reben des benachbarten Freiburg zur AOC Vully und damit zum Dreiseenland.

Weine und Produktionsmenge

71 Prozent der Jahresproduktion von rund 24,7 Millionen Litern entfallen auf Weisswein, vor allem auf die Urwaadtländer Sorte Chasselas. Neben klassischem Pinot Noir und Gamay werden zunehmend auch alte (Plant Robert, Mondeuse) und neue (Gamaret, Garanoir, Doral) Spezialitäten kultiviert. Das Nonplusultra ist und bleibt aber der terroirgeprägte Chasselas, der etwa im Dézaley zu grossartigen alterungsfähigen Weinen heranwächst.