Madeira

Rebfläche

2 000 Hektar (davon 400 Hektar für Qualitätsweinbau)

Produktion

rund 2.4 Millionen Liter pro Jahr

Top 3-Traubensorten

Tinta Negra, Malmsey, Verdelho

Weinart

Kräftige Dessertweine, leichte weisse Tafelweine (Verdelho)

Kaum ein Wein hat solche Höhen und Tiefen erlebt, wie der Madeira, welcher auf der gleichnamigen Atlantik-Insel angebaut wird. Die mit Weinbrand angereicherten und oxidativ ausgebauten Weine erlangten durch den über die Insel führenden Schiffsverkehr zwischen der Alten Welt und den Kolonien im 18. Jahrhundert einen legendären Ruf. Nach dem Zweiten Weltkrieg zusehends zum Kochwein degradiert, erleben die süssen, zunehmend aber auch trockenen, Madeira-Crus nun eine Renaissance.

Geschichte

Bevor portugiesische Seefahrer ab 1419 die Insel anliefen und besiedelten, galt Madeira als unbewohnt. Um die hier Halt machenden Schiffe versorgen zu können, erlangte der Weinbau im 16. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Madeira-Weine wurden in der Folge sowohl in den südamerikanischen Kolonien, der nordamerikanischen Ostküste, aber auch in England und den Niederlanden populär. Weinkenner stellten damals fest, dass die Madeira-Weine besser wurden, je länger sie an Bord der schaukelnden Schiffe den auf dem Meer herrschenden Temperaturschwankungen ausgesetzt waren. So schickte man mit Madeira beladene Schiffe einzig zum Zweck der Ausreifung der Weine nach Ostindien und zurück. Diese zweimalige Äquator-Überquerung steigerte den Wert der Weine massiv. Im 18. Jahrhundert galten Madeira-Weine als so edel, dass sogar die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mit Madeira gefeiert wurde. Der Reblaus-Einfall und veraltete Techniken in An- und Ausbau führten im 20. Jahrhundert zum Niedergang der Madeira-Kultur. Seit rund 20 Jahren erleben diese geschichtsträchtigen Wein nun aber eine qualitätsorientierte Renaisssance.

Geografie

Die Atlantikinsel Madeira liegt rund 900 Kilometer südwestlich vom portugiesischen Festland. Die Insel ist 741 Quadratkilometer gross, die höchste Erhebung ist der Pico Ruivo mit 1 862 Meter. Die Hauptstadt Funchal ist zugleich auch das Zentrum der Weinverarbeitung.

Klima und Boden

Die Lage im Atlantik unter dem Einfluss des Golfstroms sorgt für ein ausgeglichenes, mildes, zuweilen gar subtropisches Klima. Die Luftfeuchtigkeit ist relativ hoch, was die Gefahr von Pilzerkrankungen und Fäulnis mit sich bringt. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, folglich werden die Böden von Basalt und Tuff geprägt, die Auflage ist reich an organischem Material.

Anbaugebiete und Rebfläche

Zwar wird immer noch eine Rebfläche von 2 000 Hektar ausgewiesen, der Qualitätsweinbau beschränkt sich aber auf rund 400 Hektar. Davon sind rund 80 Prozent mit der Sorte Tinta Negra bestockt. Die sechs Edelsorten werden nur auf rund 100 Hektar angebaut. Die tiefstgelegenen Rebgärten liegen nur wenig über Meereshöhe, die höchsten rund 900 Meter über Meer.

Weine und Produktionsmenge

Auch die lange verschmähte Hauptsorte Tinta Negra ergibt bei entsprechender Pflege heute qualitativ hochstehende Weine. Die vier Edelsorten haben ein klares sensorisches Profil, dieses reicht von trocken (Sercial) über halbtrocken (Verdelho) bis zu halbsüss (Bual)  und schliesslich süss (Malmsey). Bei Madeira-Weinen wird die Gärung durch die Beigabe von Weinbrand abgestoppt. Während einfachere Madeiras im «Estufagem»-Prinzip (bei dem der Wein in Tanks für drei Monate auf 45 Grad Celsius erhitzt, dann abgekühlt und in Fässern gereift wird) produziert werden, durchlaufen edle Selektionen das sogenannte «Canteiro»-Verfahren. Bei diesem reifen die Weine in Eichenfässern, zuerst auf  Dachböden, die den vollen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, später dann in kühlen Kellern. Vintage-Madeiras müssen 20 Jahre reifen, bis sie in Verkauf kommen und haben ein Entwicklungspotential von mehr als 100 Jahren. 

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