Ahr: Deutsches Burgund

Rebfläche

550 Hektar

Produktion

ca. 42 000 Hektoliter

Top 3-Traubensorten

Pinot Noir, Frühburgunder, Portugieser

Weinart

rassige Spät- und Frühburgunder, fein strukturierte Portugieser

Die Nähe zur einstigen Bundeshauptstadt Bonn bescherte der Mini-Weinbauregion vinologisch-politisches Interesse. Einmal Konrad Adenauers Käufe auf einigen namhaften Weingütern an der Ahr. Und dann der Bau eines Atomschutzbunkers für die Bonner Politelite im Marienthal. Die hätte sicher nichts gegen ein paar Gläser Spätburgunder aus Deutschlands Rotweinparadies gehabt. Eines der kleinsten deutschen Weinbaugebiete hat neben seiner Vorzeigesorte Spätburgunder die Spezialität Frühburgunder in hochwertiger Qualität auf dem Rebsortenzettel.

Geschichte

Der Weinbau im Ahrtal unterlag über Jahrhunderte unterschiedlichsten politischen Interessen. Mal stand das Gebiet unter der Herrschaft des Klerus, mal unter der Willkür räuberischer Ritter, dann unterlag es dem Diktat napoleonischer Truppen und dann wieder dem preussischen Regime. In den kargen Zeiten des Mittelalters überlebten die Menschen dort, weil sich reiche Klöster wie Maria Laach und die Kirchenstifte von Churköln und Trier den Einfluss auf das Ahrtal teilten. In wild übereinandergetürmten Rebterrassen trieben Winzer schweisstreibenden Weinbau, lieferten meist über die Hälfte der Erträge an den Klerus ab und lebten bescheiden von dem, was übrig blieb. Als katastrophal erwies sich die Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts, die sich vom Rhein flussaufwärts ausbreitete und der unter anderem der berühmteste Weinberg der Ahr, die Landskrone, zum Opfer fiel. Erst Jahrzehnte später gab es ein Mittel gegen den Schädling, und die Rebberge wurden wieder aufgebaut. Heute entstehen in der Weinregion zwischen Walporzheim und Altenahr die besten und mitunter kostspieligsten Pinot Noir aus deutschen Weinbergböden.

Geografie

Das Tal, nach dem Nebenarm des Rheins benannt, liegt 50 Kilometer nördlich von Koblenz und 55 Kilometer südlich von Köln. Dem Schutz durch die Eifel, der wärmespeichernden Talenge sowie der Zufuhr milder Luft verdankt die Region ihr ausserordentliches, spätburgunderkompatibles Klima.

Klima und Boden

Die Ahrtal-Reben wachsen zu einem grossen Teil auf Steilhängen in Höhenlagen zwischen 200 und 300 Metern mit südlicher und südwestlicher Ausrichtung. Manche Steillagen besitzen ein nahezu treibhausartiges Mikroklima. Auf kargen, steinigen Böden reift zu über 60 Prozent Spätburgunder heran. Die lange Vegetationsperiode von 120 bis 130 Tagen ist einer der Gründe, warum der Pinot Noir hier qualitativ so exzellente Ergebnisse erzielt. Im unteren Ahrtal sind die Böden oft tiefgründig und lössreich, im mittleren Ahrtal finden sich Schiefer und vulkanisches Gestein.

Weine und Produktionsmenge

In einer Grosslage und 40 Einzellagen wird zu über 60 Prozent Spätburgunder angebaut. Die verbleibende Rebfläche teilen sich Portugieser, Dornfelder, Riesling und Müller-Thurgau. 2015 kamen rund 42 000 Hektoliter Wein aus dem Ahrtal.