Hessische Bergstrasse: Zweigeteiltes Paradies

Rebfläche

439 Hektar

Produktion

ca. 30 000 Hektoliter

Top 3-Traubensorten

Riesling, Müller-Thurgau, Grauburgunder

Weinart

extraktreiche Weissweine, darunter feine Trockenbeerenauslesen

«Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden!», soll Kaiser Joseph II. gerufen haben, als er auf dem Rückweg von seiner Krönung in Frankfurt einen Zwischenstopp an der Bergstrasse einlegte. An den westlichen Ausläufern des Odenwaldes blühen oft schon die Mandelbäume, wenn in den meisten Teilen Deutschlands noch Frost herrscht. Trotz der klimatischen und geologischen Vorzüge der steil zur Rheinebene abfallenden Rebhänge gehen ihre Weine in deutschen Regalen meist ein wenig unter.

Geschichte

Die Geschichte des hessischen Teils der Bergstrasse setzt streng genommen mit dem Jahr 1971 ein, als er zum eigenständigen Weinbaugebiet deklariert wurde. Weinbau wurde hier allerdings schon weitaus früher betrieben. Urkundlich wird er erstmals im 8. Jahrhundert im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) erwähnt. Römische Legionäre bauten die «via strata montana», die «Bergstrasse», die sich über 50 Kilometer von der Neckar-Mündung bis in die Nähe von Darmstadt erstreckte. Hier verläuft heute die Bundesstrasse 3. Pittoreske Weindörfer schlängeln sich an ihr entlang, darüber thronen parzellierte und terrassierte Weinberge. Obgleich die Landschaft homogenen Charakter besitzt, hat man sie durch willkürliche Grenzziehung zwischen Fürstenhäusern aufgeteilt, deren Nachfolge die beiden Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg antraten. So ist die Weinlandschaft Bergstrasse zweigeteilt, in einen badischen und einen hessischen Teil.

Geografie

Das zweitkleinste Anbaugebiet Deutschlands hat seine weinbaulichen Schwerpunkte in Bensheim, Auerbach und Heppenheim. Eingebettet sind die drei Grosslagen und die 23 Einzellagen zwischen Neckar, Rhein und Main.

Klima und Boden

Zu den klimatischen Privilegien der sonnenverwöhnten Region gesellen sich geologische. Viele der steilen Rebhänge liegen auf Böden, die sich aus verwittertem Gestein und fruchtbarem Löss zusammensetzen. Die Böden heizen sich rasch auf, und die begrünten Rebzeilen speichern den Niederschlag. Vor allem für den Riesling finden sich hier optimale Voraussetzungen.

Weine und Produktionsmenge

Mit rund 30 000 Hektolitern im Jahr 2015 siedelt sich die Produktionsmenge der Region an der Basis an. Primär werden trockene und halbtrockene Weine produziert. Die regionstypischste Rebsorte stellt der Riesling dar, das Rebsortenspektrum findet durch Rivaner, Grauburgunder, Kerner und Weissburgunder seine Ergänzung. Einen Kontrapunkt setzen die Winzer hier mit dem Anbau roter Sorten, nämlich St. Laurent, Dornfelder und Spätburgunder.